Vi­de­os im Netz: Was er­laubt ist und was nicht

Wer bei Youtu­be und Co. nicht auf­passt, ge­rät recht­lich schnell auf un­si­che­ren Bo­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MULTIMEDIA - Von Ju­lia Ruhnau

BER­LIN/KÖLN (dpa) - Vi­de­os im Netz an­schau­en, tei­len oder hoch­la­den: Mit ein paar Klicks ist man da­bei. Doch ehe er sich ver­sieht, hat der un­be­darf­te Nut­zer ge­gen Ur­he­ber­rech­te ver­sto­ßen oder Wer­be­richt­li­ni­en miss­ach­tet. Da Un­wis­sen­heit be­kannt­lich nicht vor Stra­fe schützt, hier ein Über­blick über den recht­li­chen Rah­men:

Vi­de­os an­se­hen: Prin­zi­pi­ell ist der rei­ne so­ge­nann­te Werks­ge­nuss kein Pro­blem. Das än­dert sich aber bei il­le­ga­len In­hal­ten, et­wa weil der Ein­stel­ler des Vi­de­os nicht al­le Rech­te be­sitzt. Da beim An­se­hen auch ei­ne Ko­pie auf dem Rech­ner ent­steht, ver­viel­fäl­tigt man auch beim rei­nen An­schau­en streng ge­nom­men gleich­zei­tig den In­halt – und das ist bei In­hal­ten oh­ne ent­spre­chen­de Er­laub­nis oder Li­zenz ver­bo­ten. Ei­ne Son­der­re­gel im Ur­he­ber­recht er­laubt zwar flüch­ti­ge Ko­pi­en. „Bis­her gibt es aber noch kein höchst­rich­ter­li­ches Ur­teil, ob das blo­ße An­schau­en Ur­he­ber­rech­te ver­let­zen kann“, sagt Da­vid Pa­cha­li vom Ur­he­ber­recht­spor­tal „iRights.info“.

Meist gibt es ei­nen Grund, wenn Fir­men auf Süd­see­inseln

re­gis­triert sind

IT- Fach­an­walt Mar­cus Wer­ner

Es gibt Fäl­le, bei de­nen Nut­zer fürs Strea­men Scha­den­er­satz­for­de­run­gen in Hö­he des Wer­tes ei­ner Ki­no­kar­te oder ei­ner CD er­hal­ten ha­ben. We­gen der ge­rin­gen Be­trä­ge ver­fol­gen Rech­te­inha­ber die­se Fäl­le oft auch gar nicht.

All­ge­mein gilt: Wer auf der si­che­ren Sei­te sein will, lässt die Fin­ger von of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen In­hal­ten. IT-Fach­an­walt Mar­cus Wer­ner aus Köln er­klärt: „Ge­fälsch­te Fil­me er­kennt man zum Bei­spiel an ei­nem leich­ten Grau­schlei­er oder ge­spie­gel­ter Schrift.“

Wei­te­re Hin­wei­se auf il­le­ga­le Vi­de­os sind leicht ver­än­der­te Bild­aus­schnit­te oder Ton­spu­ren. Raub­ko- pie­rer ver­su­chen da­mit, die Such­soft­ware der Rech­te­inha­ber in die Ir­re zu füh­ren. Was die Se­rio­si­tät der An­bie­ter an­geht, hilft auch ein Blick ins Im­pres­sum: Meist ge­be es ei­nen Grund, wenn Platt­for­men auf ir­gend­wel­chen Süd­see­inseln re­gis­triert sei­en, sagt Pa­cha­li. Und na­tür­lich ist es un­wahr­schein­lich, dass sich ein ak­tu­el­ler Ki­no­film ir­gend­wo gra­tis und le­gal fin­det. Vor­sicht bei Peer-toPeer-Pro­gram­men und -Apps: Weil dort im­mer auch Da­tei­en hoch­ge­la­den wer­den, sind sie au­to­ma­tisch il­le­gal.

Tei­len und Ver­lin­ken: „Die Ver­lin­kung auf frei zu­gäng­li­che In­hal­te ver­letzt kei­ne Ur­he­ber­rech­te“, er­klärt Pa­cha­li. Wer ein Kat­zen­vi­deo auf Face­book teilt, muss sich kei­ne Sor­gen ma­chen – im Ge­gen­satz zu rechts­wid­ri­gen In­hal­ten wie Be­lei­di­gung oder Volks­ver­het­zung. „Es hängt da­von ab, ob man sich die Be­lei­di­gung zu ei­gen macht“, er­klärt Mar­cus Wer­ner. Das pas­siert, wenn man Sät­ze wie „Das se­he ich ge­nau­so“da­zu schreibt. Dann kann man als Mit­tä­ter be­langt wer­den.

Her­un­ter­la­den: Ist er­laubt, so­lan­ge die Vi­de­os le­gal sind. Denn so wer­den zu­nächst nur Pri­vat­ko­pi­en er­stellt – und die sind zu­läs­sig. In­ner­halb des Freun­des­krei­ses dür­fen sie so­gar ge­teilt wer­den. Sol­che Vi­de­os dür­fen aber wie­der­um nicht öf­fent­lich zu­gäng­lich ge­macht wer­den, zum Bei­spiel, in­dem man sie wie­der ins Netz stellt. Denn die Ver­brei­tungs­rech­te ha­ben al­lein der Ur­he­ber und et­wai­ge Li­zenz­neh­mer.

Hoch­la­den: Dür­fen Nut­zer al­les, an dem sie die Rech­te ha­ben, al­so in der Re­gel al­les, was sie selbst er­stellt ha­ben. Das Pro­blem liegt meist wo­an­ders: „Grund­sätz­lich ha­ben die Platt­for­men ein In­ter­es­se dar­an, sich re­la­tiv um­fang­rei­che Rech­te ein­zu­räu­men“, gibt Wer­ner zu be­den­ken. Al­ler­dings ist ge­ra­de bei US-Di­ens­ten oft strit­tig, ob be­stimm­te Klau­seln in den Nut­zungs­be­din­gun­gen mit Eu­ro­päi­schem Recht ver­ein­bar sind. Wenn die ei­ge­nen Vi­de­os et­wa un­ge­fragt als Wer­be­ma­te­ri­al ver­wen­det wer­den, soll­te man sich aber weh­ren.

Co­ver, Re­mi­xe, Mas­h­ups: Ein Hoch­la­den sol­cher Vi­de­os ist nur er­laubt, wenn der Nut­zer al­le Rech­te an den In­hal­ten hat. Wer ei­nen ak­tu­el­len Song oh­ne Er­laub­nis co­vert, ver­letzt das Ur­he­ber­recht des Künst­lers. Glei­ches gilt für Re­mi­xe, Mas­h­ups oder Auf­nah­men von Kon­zer­ten. Meist sper­ren die Platt­for­men sol­che Vi­de­os. Falls nicht, dro­hen Ab­mah­nun­gen oder Un­ter­las­sungs- er­klä­run­gen. Das kann teu­er wer­den, da auch al­le An­walts­kos­ten be­zahlt wer­den müs­sen, er­klärt Wer­ner.

Wer­bung: Youtu­be-Stars mit Be­au­ty-, Shop­ping- oder Schmink­ka­nä­len ver­lei­ten Ju­gend­li­che zur Nach­ah­mung. Doch zei­gen oder be­spre­chen sie in ih­ren Vi­de­os be­stimm­te Pro­duk­te, kom­men sie leicht mit den ge­setz­li­chen Wer­be­richt­li­ni­en in Kon­flikt. Me­di­en­päd­ago­ge Mar­kus Gerst­mann von der Lan­des­zen­tra­le für Me­di­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz (LMK) rät da­her: „Ich wür­de im­mer so et­was dar­un­ter schrei­ben wie ,Das ist mei­ne per­sön­li­che Mei­nung’ oder ,Für die Pro­duk­te ha­be ich kein Geld be­kom­men’“. Sonst müs­se das Vi­deo als Wer­bung ge­kenn­zeich­net wer­den oder zu­min­dest klar sein, dass die ver­wen­de­ten Pro­duk­te ge­s­pon­sert wur­den.

FOTO: DPA

Tol­le Fil­me im Netz strea­men? Schon das kann ge­fähr­lich wer­den – je nach­dem wel­che Tech­nik ge­nutzt wird.

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