Wenn die Kas­se zur Kas­se bit­tet

Auf ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te kom­men hö­he­re Bei­trä­ge zu – Kri­tik an Ge­sund­heits­mi­nis­ter Grö­he

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner

BER­LIN - „Un­se­re star­ken Leis­tun­gen möch­ten Sie si­cher auch in Zu­kunft nicht mis­sen“, heißt es in dem Schrei­ben ei­ner Kran­ken­kas­se. Ei­ni­ge Zei­len zu­vor fin­det sich der Hin­weis, dass es 2016 teu­rer wird.

Mil­lio­nen Ver­si­cher­te er­hal­ten in die­sen Ta­gen ähn­li­che Brie­fe. Bei der DAK Ge­sund­heit sind es 0,6 Pro­zent­punk­te mehr, bei der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se und der Bar­mer GEK je­weils 0,2 Pro­zent­punk­te mehr. Auch der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Hin­weis auf das Son­der­kün­di­gungs­recht darf in den Brie­fen nicht feh­len.

Die Bun­des­re­gie­rung rech­net für 2016 mit ei­nem durch­schnitt­li­chen An­stieg um 0,2 Pro­zent­punk­te. Bei ei­nem mo­nat­li­chen Durch­schnitts­ein­kom­men von rund 2900 Eu­ro brut­to wür­de dies für die Ver­si­cher­ten ei­ne jähr­li­che Mehr­be­las­tung von knapp 70 Eu­ro be­deu­ten. Bei 4000 Eu­ro Ein­kom­men wä­ren es 96 Eu­ro mehr. Grund für die hö­he­ren Bei­trä­ge sind po­li­tisch ge­woll­te Leis­tungs­aus­wei­tun­gen der Kas­sen.

Größ­te Teue­rung bei DAK Jetzt wird dar­über spe­ku­liert, wie sich die XL-Er­hö­hung bei der DAK mit ih­ren 6,1 Mil­lio­nen Ver­si­cher­ten aus­wirkt. Mit ei­nem Bei­trags­satz von 16,1 Pro­zent ist sie Deutsch­lands teu­ers­te Kas­se: Droht nun ei­ne Aus­tritts­wel­le mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen? Ge­rät die Kas­se ins Tru­deln, müss­ten die Er­satz­kas­sen haf­ten.

Die Ent­wick­lung bei den Bei­trä­gen hat­te sich ab­ge­zeich­net: Die Kran­ken­kas­sen schrei­ben nach län­ge­rer Zeit mit Über­schüs­sen wie­der ro­te Zah­len. In den ers­ten drei Quar­ta­len 2015 lag das De­fi­zit bei 395 Mil­lio­nen Eu­ro – und das bei stei­gen­den Aus­ga­ben. Die Auf­wen­dun­gen für Ärz­te stie­gen um vier Pro­zent je Ver­si­cher­ten, für Arz­nei­mit­tel um 4,4 Pro­zent, für Kran­ken­häu­ser um 3,1 und für das Kran­ken­geld um fünf.

Im­mer dann, wenn über län­ge­re Zeit die Aus­ga­ben stär­ker stei­gen als die Löh­ne, die maß­geb­lich für die Bei­trags­ein­nah­men sind, dro­hen hö­he­re Zu­satz­bei­trä­ge. En­er­gisch for­dert die SPD ei­ne Ent­las­tung der Ver­si­cher­ten, will an­ders als im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer wie­der zu glei­chen Tei­len an der Kos­ten­ent­wick­lung be­tei­li­gen. Der Ar­beit­ge­ber­an­teil zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist der­zeit bei 7,3 Pro­zent ein­ge­fro­ren.

Al­le Kos­ten­stei­ge­run­gen müs­sen die Ver­si­cher­ten zah­len. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he will von ei­ner Über­for­de­rung der Ver­si­cher­ten nichts wis­sen. „Ich er­war­te auch 2017 ei­nen mo­de­ra­ten Bei­trags­an­stieg“, so der CDU-Po­li­ti­ker. Die Grund­la­ge des so­li­da­ri­schen Ge­sund­heits­we­sens sei­en si­che­re, gut be­zahl­te Ar­beits­plät­ze. Und des­halb sei es auch rich­tig, am Ein­frie­ren des Ar­beit­ge­ber­bei­tra­ges fest­zu­hal­ten.

Span­nend dürf­te es wer­den, soll­ten im Wahl­jahr 2017 noch ein­mal deut­lich hö­he­re Bei­trä­ge für die Ver­si­cher­ten dro­hen. Die Kran­ken­kas­sen üben Kri­tik an der Aus­ga­ben­po­li­tik der schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on, rech­nen bis 2020 mit Mil­li­ar­den-Mehr­kos­ten und ei­nem An­stieg der Zu­satz­bei­trä­ge auf 2,0 Pro­zent. Zu­letzt wa­ren es im Schnitt 0,9 Pro­zent.

Grö­he sei „der teu­ers­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter al­ler Zei­ten“, heißt es bei den Grü­nen. Kli­ni­k­re­form, Ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­setz, Prä­ven­ti­ons­ge­setz, E-He­alth-Ge­setz so­wie die Aus­wei­tung der Ho­s­piz- und Pal­lia­tiv­me­di­zin: Die Kran­ken­kas­sen rech­nen 2016 mit Mehr­kos­ten von 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro we­gen schwarz-ro­ter Ent­schei­dun­gen, 2018 wä­ren es 3,4 Mil­li­ar­den Eu­ro, so der Spit­zen­ver­band der Ge­setz­li­chen Kas­sen.

FOTO: DPA

Die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen bie­ten mehr me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen an – und wol­len da­für mehr Geld.

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