Der En­gel der Ar­men

Nach ih­rem zwei­ten Wun­der wird Mut­ter Teresa hei­lig­ge­spro­chen – Seit dem Tod 1997 ein My­thos

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Do­re­en Fied­ler (dpa) und AFP

NEU-DE­LHI - Mut­ter Teresa ist für vie­le Men­schen welt­weit der In­be­griff von Nächs­ten­lie­be. Die Non­ne pfleg­te, be­glei­te­te, küm­mer­te sich – oft bis zum Tod ih­rer Schütz­lin­ge. Nun er­klärt der Papst: Sie hat­te auch heilende Kräf­te.

Schon zu Leb­zei­ten wur­de Mut­ter Teresa wie ei­ne Hei­li­ge ver­ehrt. Un­er­müd­lich setz­te sich die Grün­de­rin des Or­dens der „Mis­sio­na­rin­nen der Nächs­ten­lie­be“in In­di­en für die Ärms­ten der Ar­men ein. Seit ih­rem Tod 1997 leb­te sie als My­thos wei­ter. Als ers­tes Wun­der von Mut­ter Teresa gilt, dass ei­ne ar­me In­de­rin 2002 von ei­nem Tu­mor im Bauch ge­heilt wur­de, nach­dem sie ein von der Or­dens­frau ge­seg­ne­tes Amu­lett auf­ge­legt hat­te. Am Frei­tag er­klär­te der Papst, ihr sei ein zwei­tes Wun­der zu ver­dan­ken. Da­mit wird Mut­ter Teresa bald hei­lig­ge­spro­chen.

Ge­bo­ren wur­de sie am 26. Au­gust 1910 in Skop­je im heu­ti­gen Ma­ze­do- nien. Ih­re El­tern, die aus Al­ba­ni­en stamm­ten, tauf­ten sie auf den Na­men Agnes Gonx­ha Bo­jaxhiu. Mit 18 Jah­ren trat sie in den Lo­re­to-Or­den ein und kam als No­vi­zin nach In­di­en, wo sie zu­nächst an ei­ner ka­tho­li­schen Schu­le un­ter­rich­te­te. Sie nahm den Na­men Teresa an, nach der fran­zö­si­schen Hei­li­gen The­re­se von Li­sieux.

Got­tes Ruf bei der Bahn­fahrt Die Ar­mut in Kal­kut­ta er­schüt­ter­te sie so, dass sie die Ar­beit als Leh­re­rin auf­gab. Wäh­rend ei­ner Bahn­fahrt er­leb­te sie, was sie spä­ter als „Got­tes zwei­ten Ruf“be­zeich­ne­te. Je­sus wol­le, dass sie ihm in die Sl­ums fol­ge, sag­te sie. 1950 grün­de­te Mut­ter Teresa ih­ren Or­den, küm­mer­te sich von nun an um die Hun­gern­den, die Kran­ken und die Ster­ben­den. „En­gel der Ar­men“wur­de sie ge­nannt. 1979 er­hielt sie den Frie­dens­no­bel­preis.

Bis ins ho­he Al­ter wid­me­te sie sich den Schutz­su­chen­den, stets ge­klei­det in den gro­ben wei­ßen Sa­ri mit blau­er Bor­de ih­res Or­dens. „Sie hat na­tür­lich die Bi­bel ge­le­sen, aber ihr Haupt­ziel war es, den Ar­men zu die­nen“, sagt Schwes­ter Chris­tie aus ih­rem Or­den. „Nie nahm sie ei­nen Tag Ur­laub, nicht ei­nen Tag ruh­te sie.“Wo­her sie die Kraft da­für nahm? „Ich fül­le mei­nen Tank mit Ge­be­ten“, war die Ant­wort von Mut­ter Teresa.

Die cha­ris­ma­ti­sche Ka­tho­li­kin muss­te sich auch Kri­tik an­hö­ren. Ihr Haupt­ziel sei es, die Ar­men zum Chris­ten­tum zu be­keh­ren, lau­te­te ei­ner der Haupt­vor­wür­fe. Die Men­schen in ih­ren Ster­be­häu­sern be­stä­ti­gen das al­ler­dings nicht. Und Kin­der in den Wai­sen­häu­sern des Or­dens wer­den nicht ge­tauft, da­mit Ad­op­tiv­el­tern sie in ih­rem je­wei­li­gen Glau­ben er­zie­hen kön­nen.

An­de­re Kri­ti­ker be­män­gel­ten, der Or­den hel­fe nicht da­bei, die Ur­sa­chen der Ar­mut zu be­sei­ti­gen. Dies kehr­te Mut­ter Teresa in die Auf­for­de­rung um, Ent­wick­lungs­pro­jek­te zu star­ten. „Je­der soll das tun, was in sei­nen Kräf­ten steht“, sag­te sie.

Papst Jo­han­nes Paul II. sag­te, Mut­ter Teresa ha­be die Ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts ge­prägt. „Mu­tig hat sie das Le­ben ver­tei­digt, hat al­len mensch­li­chen We­sen ge­dient, in­dem sie ih­nen Wür­de und Re­spekt ent­ge­gen­brach­te, und hat den­je­ni­gen, die vom Le­ben be­siegt wor­den wa­ren, die Zärt­lich­keit Got­tes spü­ren las­sen.“Am 5. Sep­tem­ber 1997 starb Mut­ter Teresa mit 87 Jah­ren.

ARCHIVFOTO: DPA

Papst Jo­han­nes Paul II. mit Mut­ter Teresa

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