Der teu­ers­te Knast der Welt

US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma will Ge­fan­ge­nen­la­ger Gu­an­tá­na­mo zü­gig schlie­ßen – Kon­gress er­höht Wi­der­stand

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Frank Herr­mann

WA­SHING­TON - Es ist ein Pau­ken­schlag, aber noch lan­ge nicht das En­de des La­gers Gu­an­tá­na­mo auf Ku­ba. Nach den Ab­sich­ten des Pen­ta­gons sol­len in­ner­halb der nächs­ten Wo­chen 17 Ge­fan­ge­ne auf ein­mal aus dem Camp ent­las­sen wer­den, die größ­te Grup­pe, seit Ba­rack Oba­ma ins Wei­ße Haus ein­zog. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ash­ton Car­ter hat be­reits grü­nes Licht ge­ge­ben.

Den­noch, der Re­gie­rung Oba­mas läuft die Zeit da­von. Dem Prä­si­den­ten blei­ben noch 13 Mo­na­te, um sein Ver­spre­chen zu er­fül­len und das Ge­fäng­nis zu schlie­ßen. An deut­li­chen Wor­ten man­gelt es ihm nicht: Nach sei­ner Über­zeu­gung „schwächt Gu­an­tá­na­mo un­se­re na­tio­na­le Si­cher­heit, in­dem es Res­sour­cen bin­det, un­se­rem Ver­hält­nis mit Ver­bün­de­ten und Part­nern scha­det und Ex­tre­mis­ten an­sta­chelt“. Dass er sich im letz­ten sei­ner acht Amts­jah­re zu ei­ner Art Be­frei­ungs­schlag ent­schließt und sich über al­le Wi­der­stän­de der Le­gis­la­ti­ve hin­weg­setzt, ist theo­re­tisch noch im­mer mög­lich, nur gibt es kaum ei­nen in Wa­shing­ton, der da­mit rech­net.

Ein Pro­blem ist: Das Oval Of­fice kann sich nicht da­zu durch­rin­gen, die 39 Ge­fan­ge­nen, die aus dem Je- men stam­men und seit lan­gem zur Frei­las­sung vor­ge­se­hen sind, in ih­re Hei­mat zu­rück­zu­schi­cken. Der Je­men ist ein Bür­ger­kriegs­land und man be­fürch­tet, die Rück­keh­rer könn­ten sich wie­der dschi­ha­dis­ti­schen Grup­pie­run­gen an­schlie­ßen. Al­so müs­sen die Män­ner vor­erst in Gu­an­tá­na­mo blei­ben. Ei­ni­ge von ih­nen sit­zen be­reits seit dem 11. Ja­nu­ar 2002 dort ein, dem Tag, an dem das Ge­fäng­nis, da­mals noch aus den be­rüch­tig­ten Git­ter­kä­fi­gen des Camps X-Ray be­ste­hend, er­öff­net wur­de.

Von den üb­ri­gen Häft­lin­gen gel­ten 27 als Ter­ror­ver­däch­ti­ge, die zwar aus Man­gel an Be­wei­sen nicht vor ein Ge­richt ge­stellt wer­den kön­nen, gleich­wohl für zu ge­fähr­lich ge­hal­ten wer­den, als dass man sie auf frei­en Fuß set­zen könn­te. Das Pen­ta­gon nennt sie „un­be­fris­tet In­haf­tier­te“. Ge­gen sechs, al­len vor­an Kha­lid Scheich Mo­ham­mad, den mut­maß­li­chen Draht­zie­her der An­schlä­ge am 11. Sep­tem­ber 2001, wird vor ei­ner Mi­li­tär­kom­mis­si­on ver­han­delt. Das Ver­fah­ren zieht sich schon seit drei­ein­halb Jah­ren oh­ne ab­seh­ba­res En­de hin. 22 Gu­an­tá­na­mo-In­sas­sen sol­len ir­gend­wann vor ei­nen Rich­ter in Uni­form ge­stellt wer­den.

Um das La­ger räu­men zu kön­nen, müss­te Ba­rack Oba­ma al­so mehr als 50 In­sas­sen aufs ame­ri­ka­ni­sche Fest­land ver­le­gen – wo­mit er im Par­la­ment ge­gen Wän­de läuft. Be­reits 2009 spiel­te er mit dem Ge­dan­ken, ei­ne Haft­an­stalt in Thom­son, ei­nem Mis­sis­sip­pi-Dorf in Il­li­nois, zu ei­nem Hoch­si­cher­heits­trakt aus­zu­bau­en, um sie als Gu­an­tá­na­mo-Er­satz zu nut­zen. Prompt sperr­te der Kon­gress hier­für die be­nö­tig­ten Mit­tel. Drei wei­te­re Va­ri­an­ten im In­land sind noch im Ge­spräch.

Re­gel­mä­ßig hat die Le­gis­la­ti­ve Pas­sa­gen in Haus­halts­ge­set­ze ein­flie­ßen las­sen, nach de­nen für den Trans­fer von Häft­lin­gen aus Ku­ba kein Geld aus­ge­ge­ben wer­den darf. Es sind bei wei­tem nicht nur die Re­pu­bli­ka­ner, die sich ge­gen ei­ne Über­stel­lung nach Kan­sas, South Ca­ro­li­na oder Co­lo­ra­do sträu­ben, auch wenn aus ih­ren Rei­hen die lau­tes­ten Pro­tes­te kom­men. Auch die meis­ten De­mo­kra­ten schlos­sen sich dem Vo­tum der Re­pu­bli­ka­ner an.

Mit der­sel­ben Re­gel­mä­ßig­keit, wie der Kon­gress ei­nen Strich durch Oba­mas Rech­nung macht, bringt der Prä­si­dent den Spar­fak­tor ins Spiel: Je­de Al­ter­na­ti­ve zu Gu­an­tá­na­mo wä­re deut­lich bil­li­ger. Gu­an­tá­na­mo, so viel steht au­ßer Zwei­fel, ist der teu­ers­te Knast der Welt.

FOTO: DPA

In oran­ge­far­be­nen Over­alls ge­klei­de­te Häft­lin­ge kni­en im Camp X- Ray auf dem US-Ma­ri­ne­stütz­punkt Gu­an­tá­na­mo Bay auf Ku­ba.

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