Win­ter­korn wei­ter bei VW an­ge­stellt

Ge­werk­schafts­krei­se for­dern den ehe­ma­li­genVor­stands­chef zum Ver­zicht auf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Felix Fri­e­ler und Be­ne­dikt von Im­hoff

FRANKFURT/BER­LIN (dpa) - Auch nach sei­nem Rück­tritt in­fol­ge der Ab­gas-Af­fä­re läuft der hoch do­tier­te Ver­trag des ehe­ma­li­gen VW-Chefs Mar­tin Win­ter­korn wei­ter. Der Kon­trakt ist ei­nem Be­richt zu­fol­ge bis En­de 2016 ver­ein­bart und bis­lang nicht auf­ge­löst wor­den – die­se Re­ge­lung sei deut­lich güns­ti­ger als ei­ne Auf­lö­sung des Ver­trags. In Kon­zern­krei­sen wur­de am Frei­tag ein ent­spre­chen­der Be­richt von „Han­dels­blatt“und dem ZDF-Ma­ga­zin „Fron­tal 21“be­stä­tigt. Man ha­be sich mit Win­ter­korn dar­auf ge­ei­nigt, den Ver­trag erst zum Ab­schluss des kom­men­den Jah­res aus­lau­fen zu las­sen und ent­spre­chend der Ver­ein­ba­rung aus­zu­be­zah­len, hieß es in den Me­dien­be­rich­ten. Ein VW-Spre­cher woll­te sich auf An­fra­ge nicht da­zu äu­ßern.

Ver­trags­auf­lö­sung wä­re teu­rer Der VW-Be­triebs­rat teil­te auf An­fra­ge mit, dass man sich zu Ver­trags­an­ge­le­gen­hei­ten nicht äu­ßern kön­ne. Aus Ge­werk­schafts­krei­sen im VWUm­feld hieß es, dass ei­ne Auf­lö­sung von Win­ter­korns Ver­trag teu­rer ge­wor­den wä­re. Dies hän­ge mit der Be­mes­sungs­grund­la­ge zu­sam­men. Den Ver­trag wei­ter­lau­fen zu las­sen be­deu­te auch, dass in die Bo­nus­zah­lun­gen die Son­der­be­las­tun­gen aus dem Die­sel-Skan­dal ein­flie­ßen.

Die Bo­nus­zah­lun­gen sind un­ter an­de­rem an die Hö­he des VW-Er­geb­nis­ses ge­kop­pelt. Die Ge­win­ne aber dürf­ten in die­sem Jahr we­gen der im­men­sen Kos­ten für den Ab­gas-Skan­dal deut­lich ge­rin­ger aus­fal­len. Wei­ter hieß es in den Ge­werk­schafts- Der Volks­wa­gen- Kon­zern hat für die Ver­tre­tung sei­ner In­ter­es­sen in den USA in der Die­sel- Af­fä­re den Star­an­walt Ken­neth Fein­berg en­ga­giert. „ Sei­ne gro­ße Er­fah­rung im Um­gang mit solch kom­ple­xen Din­gen wird uns da­bei hel­fen, nach vor­ne zu schrei­ten und die Din­ge im Sin­ne un­se­rer Kun­den zu rich­ten“, sag­te der Ame­ri­ka- Chef von Volks­wa­gen, Micha­el Horn. Fein­bergs Auf­ga­be wer­de es sein, ein Pro­gramm zur Ab­wick­lung von An­sprü­chen zu kre­ieren, die sich aus der Die­sel- Af­fä­re so­wohl bei Zwei- Li­ter- Ma­schi­nen wie auch bei Drei- Li­ter- Mo­to­ren er­ge­ben. Fein­berg gilt als Ex­per­te für gro­ße Ent­schä­di­gungs­fäl­le. Er hat­te näm­lich die Ent­schä­di­gungs­re­ge- krei­sen mit Blick auf Win­ter­korn: „Mo­ra­lisch stellt sich aus un­se­rer Sicht die Fra­ge, ob ein frei­wil­li­ger Ver­zicht nicht an­ge­bracht wä­re.“

Der 68-jäh­ri­ge Win­ter­korn war mit zu­letzt über 15 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­ge­halt der best­be­zahl­te Ma­na­ger ei­nes Dax-Un­ter­neh­mens. Deut­lich mehr als zehn Mil­lio­nen Eu­ro lun­gen für die Op­fer der Ter­ror­at­ta­cken vom 11. Sep­tem­ber 2001 aus­ge­ar­bei­tet – au­ßer­dem auch für die Be­trof­fe­nen der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko nach ei­ner Ex­plo­si­on auf der Platt­form „ Deep­wa­ter Ho­ri­zon“des bri­ti­schen BP- Kon­zerns. Zu­letzt hat­te der 70 Jah­re al­te Ju­rist die Um­stän­de ei­ner Rück­ruf­ak­ti­on für Ge­ne­ral Mo­tors ge­ma­nagt. VW be­rei­tet für das kom­men­de Jahr den Rück­ruf von Mil­lio­nen von Fahr­zeu­gen mit Die­sel­mo­to­ren vor, bei de­nen die Ab­gas­mes­sun­gen mit Hil­fe ei­ner Soft­ware ma­ni­pu­liert wur­den. Al­lein in den USA dro­hen dem Volks­wa­gen- Kon­zern Kla­gen in mehr­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he. ( dpa) da­von wa­ren Bo­nus­zah­lun­gen. Win­ter­korn hat­te im Sep­tem­ber we­gen des Ab­gas-Skan­dals bei VW sein Amt nie­der­ge­legt. Als Vor­stands­chef über­neh­me er die Ver­ant­wor­tung für die be­kannt ge­wor­de­nen Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten, hat­te der Ma­na­ger da­mals mit­ge­teilt. Sein Rück­tritt er­fol­ge „im In­ter­es­se des Un­ter­neh­mens, Um nach dem Ab­gas-Skan­dal wei­te­ren Scha­den vom Un­ter­neh­men ab­zu­wen­den, holt VW ei­ne neue in­ter­ne Auf­pas­se­rin nach Wolfsburg.

( 49) wech­selt vom Zu­lie­fe­rer ZF Fried­richs­ha­fen an die Spit­ze der VW- Kon­zern­re­vi­si­on, wie der Kon­zern mit­teil­te. Wer­ner soll bei VW zu ei­ner neu­en Un­ter­neh­mens­kul­tur bei­tra­gen. ( dpa/ sz) ob­wohl ich mir kei­nes Fehl­ver­hal­tens be­wusst bin“. Der Auf­sichts­rat hat­te ihm da­mals be­schei­nigt, kei­ne Kennt­nis von den Ma­ni­pu­la­tio­nen ge­habt zu ha­ben.

Die Deut­sche Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DWS) sieht in der Fort­set­zung des Ver­tra­ges mit Win­ter­korn kei­nen Skan­dal. „Ein Vor­stand hat in der Re­gel zwei Ver­trä­ge mit ei­nem Un­ter­neh­men: ei­nen Vor­stands­ver­trag und ei­nen Ar­beits­ver­trag“, er­klär­te DSW-Prä­si­dent Ulrich Ho­cker. Dass der Ar­beits­ver­trag noch wei­ter­lau­fe, sei je­den­falls nicht un­üb­lich.

Un­klar ist, ob Win­ter­korn noch ei­ne zu­sätz­li­che Ab­fin­dung be­kommt. Laut Ge­schäfts­be­richt des Kon­zerns wä­re ei­ne sol­che Zah­lung aber auf ma­xi­mal zwei Jah­res­ver­gü­tun­gen be­grenzt. Ne­ben ei­ner Ab­fin­dung steht VW-Vor­stän­den auch noch ein so­ge­nann­tes Ru­he­ge­halt zu, so­zu­sa­gen die Ma­na­ger-Ren­te. Hier hat Win­ter­korn theo­re­tisch An­spruch auf 70 Pro­zent sei­nes Grund­ge­halts.

Win­ter­korns Fest­ver­gü­tung lag 2014 bei 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro, hin­zu ka­men ho­he Bo­nus­zah­lun­gen. Ins­ge­samt hat­te VW für sei­ne Al­ters­be­zü­ge zu­letzt gut 28,5 Mil­lio­nen Eu­ro re­ser­viert.

FOTO: DPA

Der Ver­trag von Mar­tin Win­ter­korn läuft erst En­de des Jah­res 2016 aus.

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Hil­trud Wer­ner

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