„Vie­le ste­cken mich in ei­ne Schub­la­de“

Die Lin­daue­rin Ja­ni­na Neoral über ih­re Ne­ben­rol­le in der Se­rie „Köln 50667“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL -

RA­VENS­BURG - Lan­ge Dreh­ta­ge und viel Im­pro­vi­sa­ti­on: Die 25-jäh­ri­ge Me­di­en­ge­stal­te­rin aus Lin­dau hat im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr zwei Wo­chen für die RTL-II-Se­rie „Köln 50667“vor der Ka­me­ra ge­stan­den. Wie sie die Zeit emp­fun­den hat und wie sie sich ih­re Zu­kunft vor­stellt, dar­über hat sie mit Sa­rah Schleib­lin­ger ge­spro­chen. Wie ka­men Sie auf die Idee, sich als Ne­ben­dar­stel­le­rin bei „Köln 50667“zu be­wer­ben? Mich hat ein­fach ge­reizt, wie es hin­ter den Ku­lis­sen des Fern­se­hens zu­geht. Und ei­gent­lich ha­be ich mich gar nicht di­rekt bei die­ser Sen­dung be­wor­ben, son­dern bei ei­nem all­ge­mei­nen Cas­ting der „Köln 50667“Pro­duk­ti­ons­fir­ma mit­ge­macht. Wenn man sich das Un­ter­neh­men an­schaut und sieht, wel­che Se­ri­en es pro­du­ziert, weiß man in et­wa, wel­che Rol­len ver­ge­ben wer­den. Übers In­ter­net ha­be ich dann er­fah­ren, dass in Stuttgart ge­cas­tet wird – das war En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res. Wie muss man sich so ein Cas­ting vor­stel­len? Man be­kommt vor dem Cas­ting ei­nen Text aus­ge­hän­digt – die Rol­len dar­in soll­te man sich gut ein­prä­gen. Zu­sam­men mit ei­ni­gen an­de­ren Be­wer­bern soll­ten wir dann, je­weils ein­zeln, die Ge­schich­te mit dem Cas­tin­gteam durch­spie­len. Wert wur­de vor al­lem dar­auf ge­legt, dass Emo­tio­nen wie Freu­de, Wut oder Trau­er ge­zeigt wer­den und dass man die Ge­schich­te et­was in­di­vi­dua­li­siert. Ei- gent­lich fällt mir das Re­den, auch vor Frem­den, nicht schwer. Trotz­dem war es ko­misch, vor so vie­len Men­schen in ei­ne an­de­re Rol­le zu schlüp­fen. Man­che Be­wer­ber wa­ren des­halb auch sehr ner­vös und konn­ten sich nicht mehr so gut auf das Spie­len kon­zen­trie­ren, das hat man ge­merkt. Wa­ren die Dreh­ta­ge so, wie Sie es sich vor­ge­stellt ha­ben? Vor Be­ginn der Dreh­ar­bei­ten wuss­te ich nicht so rich­tig, was auf mich zu­kom­men wür­de. Ich muss sa­gen, dass ich über­rascht war, wie lan­ge es dau­ert, so­gar ganz kur­ze Sze­nen in den Kas­ten zu be­kom­men. Be­vor es los­geht, be­spre­chen al­le Be­tei­lig­ten ei­ner Sze­ne noch­mal, wer wo steht und wel­che In­hal­te un­be­dingt vor­kom­men müs­sen, weil sie für die wei­te­re Hand­lung re­le­vant sind. Der Text an Die Se­rie „ Köln 50667“ist ei­ne Se­rie, die der Fern­seh­sen­der RTL II seit An­fang Ja­nu­ar 2013 Mon­tag bis Frei­tag täg­lich aus­strahlt. Der Na­me be­zieht sich auf die Post­leit­zahl der Köl­ner Alt­stadt. „ Köln 50667“ge­hört zur Ka­te­go­rie der so­ge­nann­ten Scrip­ted- Rea­li­ty­For­ma­te: Hand­lun­gen und Cha­rak­te­re der Sen­dun­gen sind fik­tiv, sie wir­ken aber durch den do­ku­men­ta­ri­schen Stil sehr re­al. Da­mit das Ge­zeig­te au­then­tisch wirkt, wa­ckelt die Ka­me­ra oft, es wird sich ist frei – mir ge­fällt das, weil man auch Wort­spie­le und Wit­ze mit ein­brin­gen kann. Sie ha­ben in der Se­rie die Ste­war­dess Ame­lie Kopp ge­spielt – wie ähn­lich ist Ih­nen die Rol­le? Ame­lie ist in der Se­rie we­der zi­ckig noch ein Biest – da hat­te ich ziem­lich Glück. So­wohl Ame­lie und ich ha­ben mit Vor­ur­tei­len zu kämp­fen: Vie­le Men­schen fin­den Scrip­ted-Rea­li­ty­For­ma­te nicht gut, wes­halb mich vie­le in ei­ne Schub­la­de ste­cken, oh­ne mich zu ken­nen. In „Köln 50667“ist Ame­lie ei­ni­ge Zeit mit dem et­was fül­li­ge­ren Jan zu­sam­men. Weil die bei­den sich äu­ßer­lich so sehr un­ter­schei­den, ver­ste­hen an­de­re Cha­rak­te­re in dem For­mat nicht, wie so ei­ne Be­zie­hung zu­stan­de kom­men kann – ob­wohl ei­ne Be­zie­hung nicht auf Äu­ßer­lich­kei­ten be­ruht. schnell zwi­schen ver­schie­de­nen Hand­lun­gen hin und her ge­wech­selt und die Darstel­ler kom­men­tie­ren die Ge­scheh­nis­se. Kri­ti­ker wer­fen den Ma­chern vor, die Gren­zen zwi­schen Fik­ti­on und Do­ku­men­ta­ti­on zu ver­wi­schen. Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass vie­le jun­ge Zu­schau­er glau­ben, die ge­zeig­ten Hand­lun­gen sei­en wirk­lich pas­siert. Sen­der hal­ten da­ge­gen: Es ge­be vor oder nach ei­ner Sen­dung Hin­wei­se, dass es sich um er­fun­de­ne Ge­schich­ten hand­le. ( sch) Sie spre­chen die Kri­tik an den Rea­li­ty-For­ma­ten an. Es gibt Leu­te, die die Se­rie gut fin­den, man­che nicht. Ich bin nicht der Mei­nung, dass die Hand­lun­gen mit der Rea­li­tät ver­wech­selt wer­den kön­nen, auch wenn das vie­le dem For­mat vor­wer­fen. Es wer­den schließ­lich auch Hin­wei­se ein­ge­blen­det, die ge­nau dar­auf hin­wei­sen. Ziel­grup­pe der Sen­dung sind haupt­säch­lich Ju­gend­li­che zwi­schen zwölf und 18 Jah­ren. Sie er­ken­nen sich auf der ei­nen Sei­te teil­wei­se in den Cha­rak­te­ren wie­der, auf der an­de­ren Sei­te set­zen sie sich mit den Darstel­lern aus­ein­an­der. Sie ha­ben 2014 auch bei der Cas­ting­show „Deutsch­land sucht den Su­per­star“(DSDS) mit­ge­macht. Wo se­hen Sie Ih­re Zu­kunft: Im Ge­sang, im Schau­spiel – oder doch in Ih­rem Be­ruf als Me­di­en­ge­stal­te­rin? Ich bin ein Mensch, der al­les ein­mal aus­pro­bie­ren will. Nur so kann man doch her­aus­fin­den, wel­che Ta­len­te man hat und was ei­nem wirk­lich Spaß macht. DSDS war ei­ne span­nen­de Er­fah­rung, aber ob­wohl Sin­gen mei­ne Lei­den­schaft ist, ha­be ich Hem­mun­gen, vor an­de­ren zu sin­gen. Des­halb wer­de ich es nicht noch ein­mal bei DSDS ver­su­chen. Auch die Zeit bei „Köln 50667“war toll, ich ha­be viel ge­lernt und vie­le neue Freun­de ken­nen­ge­lernt. Mo­men­tan bin ich aber ziem­lich glück­lich mit mei­nem Be­ruf als Me­di­en­ge­stal­te­rin. Aber wer weiß, was kommt – ich schlie­ße nichts aus.

FOTO: DA­NI­EL DRE­SCHER

Hat auch bei „ Deutsch­land sucht den Su­per­star“vor­ge­sun­gen: Ja­ni­na Neoral.

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