Ein Un­ver­wüst­li­cher der Thea­ter­welt

Der Dra­ma­ti­ker Tank­red Dorst wird 90 – und plant be­reits die Auf­füh­rung ei­nes neu­en Stücks

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Na­da Weigelt

BER­LIN (dpa) - Er er­hielt den Ge­or­gBüch­ner-Preis und den Max-Fri­schP­reis, sein Le­bens­werk wur­de mit dem Thea­ter­preis „Der Faust“aus­ge­zeich­net. Jetzt wird Tank­red Dorst 90 Jah­re – und denkt nicht ans Auf­hö­ren. Am heu­ti­gen Ge­burts­tag wird Dorst mit sei­ner Frau und künst­le­ri­schen Ge­fähr­tin Ur­su­la Eh­ler (75) sei­ner Wahl­hei­mat Ber­lin kurz­zei­tig den Rü­cken keh­ren und sich aufs Land zu­rück­zie­hen. „Dort wer­de ich zwei Ta­ge ver­brin­gen und viel­leicht schrei­be ich ein neu­es Stück“, sagt er und lä­chelt ver­schmitzt.

Mehr als 50 Thea­ter­stü­cke hat Tank­red Dorst in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren ge­schrie­ben und gilt da­mit als ei­ner der pro­duk­tivs­ten Au­to­ren des deut­schen Ge­gen­warts­thea­ters. Und als ei­ner, der sich hart­nä­ckig je­dem Schub­la­den­den­ken wi­der­setzt. Es sind un­ter­schied­lichs­te The­men und For­men, die er be­dient: Pos­sen und Pa­ra­beln, Mär­chen und My­then, Psy­chostu­di­en und Po­lit­ge­schich­ten. Als Dorsts Meis­ter­werk gilt bis heu­te das An­ti­kriegs­stück „Mer­lin oder Das wüs­te Land“, das 1981 am Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­haus Pre­mie­re fei­er­te. Die Neu­auf­la­ge der Ar­tussa­ge mit dem Zau­be­rer und Teu­fels­sohn Mer­lin ist mit ih­ren fast 400 Sei­ten, 97 Sze­nen und bis zu zehn St­un­den Auf­füh­rungs­dau­er ei­ne Her­aus­for­de­rung für je­den Thea­ter­ma­cher.

Sein Va­ter, ein Fa­b­rik­be­sit­zer aus dem thü­rin­gi­schen Ober­lind, starb, als er sechs Jah­re alt war. Mit 17 wur­de er kurz vor Kriegs­en­de an die West­front ge­schickt und ge­riet in ame­ri­ka­ni­sche Ge­fan­gen­schaft. Zu­rück in der Hei­mat war er ori­en­tie­rungs­los, bis die Ar­beit an ei­nem Münch­ner Ma­rio­net­ten­thea­ter für Er­wach­se­ne die Wen­de bringt. Schon bei sei­nem ers­ten gro­ßen Stück „Die Kur­ve“, 1960 in Lü­beck ur­auf­ge­führt, wird der WDR auf­merk­sam. Kurz dar­auf be­ginnt die lang­jäh­ri­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Pe­ter Za­dek. Wer­ke wie „Tol­ler“, „Eis­zeit“und „Auf dem Chim­bo­ra­zo“kom­men auf die Büh­ne, es fol­gen „Kor­bes“, „Kar­los“und „Herr Paul“.

Seit An­fang der 1970er-Jah­re ist die ge­lern­te Bild­haue­rin und Bi­b­lio­the­ka­rin Ur­su­la Eh­ler Dorsts Al­ter Ego, und bei den meis­ten Wer­ken auch sei­ne Co-Au­to­rin. „Wenn man Euch zu­sam­men sieht, könn­te man mei­nen, ein St­ein tanzt“, sag­te der Re­gis­seur und Weg­be­glei­ter Hans Neu­en­fels kürz­lich bei der Vor­fei­er des Ge­burts­tags in Ber­lin. Sein jüngs­tes und bis­her un­ver­öf­fent­lich­tes Stück „Das Blau an der Wand“soll un­ter der neu­en In­ten­danz von Wilfried Schulz am Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­haus auf die Büh­ne kom­men. Ob ihm das Al­ter Angst macht? „Nein“, sagt er. „Man weiß ja, dass das Le­ben end­lich ist. Und der Kör­per gibt ei­nem schon recht­zei­tig die Si­gna­le.“

FOTO: IN­GO WA­GNER/ DPA

Tank­red Dorst

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.