Biz­zar­re Fuchs­krank­heit

Chris­ti­ne Wun­ni­cke über Ner­ven­arzt Dr. Shi­ma­mu­ra

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LITERATUR - Von Sa­rah Schleib­lin­ger

elt­sam ist das Wort, das auf Dr. Shi­ma­mu­ra wahr­schein­lich am bes­ten trifft. Die Münch­ner Au­to­rin Chris­ti­ne Wun­ni­cke be­schreibt ih­ren Prot­ago­nis­ten, den ein­zi­gen ja­pa­ni­schen Ner­ven­arzt um 1900, als je­man­den, der sich „vor al­len Krank­hei­ten, vor al­len Men­schen, vor Me­di­zin und Aber­glau­be“ekelt. Er hat es sich zur Auf­ga­be ge­macht, Frau­en zu hei­len, die von der so­ge­nann­ten Fuchs­krank­heit – die­se zeigt sich in hys­te­ri­schen An­fäl­len – be­fal­len sind.

Auf ei­ner Rei­se durch die Pro­vinz schei­tert er dar­an, kramp­fen­de Frau­en zu ku­rie­ren und fängt sich so­gar selbst ei­nen Fuchs ein, den er ge­le­gent­lich un­ter der Bauch­haut spür­te. Um mehr über die selt­sa­me Ner­ven­krank­hei­ten zu er­fah­ren, macht er sich nach Eu­ro­pa auf, um un­ter an­de- rem dem Be­grün­der der Neu­ro­lo­gie, Je­an-Mar­tin Ch­ar­cot, in der Pa­ri­ser Sal­pêtriè­re über die Schul­ter zu schau­en – wohl­ge­merkt mit ge­büh­ren­dem Ab­stand.

Wun­ni­cke schafft es, die Er­in­ne­run­gen des Dr. Shi­ma­mu­ra kurz vor sei­nem Tod so le­ben­dig dar­zu­stel­len, dass sich der Le­ser in ei­ner an­de­ren Welt wie­der­fin­det. Ei­ne Welt, in der ei­ge­ne Ge­set­ze herr­schen und dem Han­deln ei­ne biz­zar­re Lo­gik in­ne­wohnt. Ei­ne Welt, die so vol­ler selt­sa­mer De­tails ist, dass man sie fast glau­ben mag. Und ob­wohl sich ei­ni­ge Sei­ten we­gen der recht tro­cke­nen wis­sen­schaft­li­chen Aspek­te zie­hen, trägt der hu­mo­ris­ti­sche Grund­ton die Ge­schich­te. Chris­ti­ne Wun­ni­cke: Der Fuchs und Dr. Shi­ma­mu­ra, Be­ren­berg Ver­lag, 142 Sei­ten, 20 Eu­ro.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.