Ge­schen­ke kön­nen ent­täu­schen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

Ein be­lieb­tes Spiel kurz vor Hei­lig­abend zwi­schen mei­nem Freund und mir ver­lief nach dem Mot­to „Stell’ dir vor, du hast dir ge­wünscht ... und be­kommst...“Das ba­sier­te auf den zu­meist un­ter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen zwi­schen Kin­dern und El­tern, was gut und sinn­voll ist. Wir ha­ben das bis zum Ex­zess ge­trie­ben und Trä­nen ge­lacht, wenn wir uns aus­mal­ten, wie die Ent­täu­schung beim Aus­pa­cken zu­nimmt. Es gab da­mals ei­nen bil­li­gen De­ckel­plat­ten­spie­ler mit ei­nem et­wa 15 Gramm schwe­ren Ton­arm und ei­nem Laut­spre­cher in be­sag­tem De­ckel, den man bes­ten­falls noch nach Nord­ko­rea hät­te ver­kau­fen kön­nen. Der war als Ju­gend­ge­rät, ob­wohl er Mis­ter Hit hieß, nicht der Hit, aber brauch­bar. Nun lau­te­te der Wunsch al­so „ei­ne Ste­reo­an­la­ge“, was als Sol­ches schon dreist war. Aber die El­tern woll­ten glän­zen­de Au­gen un­ter dem Tan­nen­baum se­hen: Es ist die St­un­de der Be­sche­rung. Das gro­ße Pa­ket un­ter dem Baum ist ver­däch­tig klein, die Bli­cke der El­tern er­war­tungs­vol­ler als die des Soh­nes. Lang­sam folgt er der Auf­mun­te­rung, doch aus­zu­pa­cken und schon Ge­wicht und For­mat des Pa­kets sind ver­däch­tig. Schnipp, das Ge­schenk­band fällt, ratsch, ein ers­tes Eck­chen Pa­pier lässt et­was dar­un­ter zum Vor­schein kom­men, dass, ächz, die schlimms­ten Be­fürch­tun­gen wahr wer­den lässt. Wie jetzt den hei­li­gen Abend vor Miss­stim­mung ret­ten? „Wow, ein Mis­ter Hit, das ist ja Spit­ze, jetzt kann ich mit mei­nen Kum­pels Par­ty ma­chen“, war bei der ent­setz­li­chen Vor­stel­lung, wie sich der ga­bel­ar­ti­ge Ton­arm in die we­ni­gen, ge­lieb­ten Vi­nyl­ril­len frisst, ei­ne Lü­ge, die die Au­fer­ste­hung des Herrn an Os­tern un­mög­lich mach­te. (chw)

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