Stet­tener hilft Flücht­lin­gen in der Tür­kei

Flo­ri­an Beck ar­bei­tet ein Jahr lang für „Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal“an der sy­ri­schen Gren­ze

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von Thi­lo Bergmann

STET­TEN AM KAL­TEN MARKT - Der Stet­tener Flo­ri­an Beck hat ein Jahr lang für die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal an der tür­kisch-sy­ri­schen Gren­ze als Pro­jek­tas­sis­tent ge­ar­bei­tet. In Ki­lis, nur drei Ki­lo­me­ter von der sy­ri­schen Gren­ze ent­fernt, hör­te er Jagd­bom­ber und Ar­til­le­rie­feu­er.

„Es ist schön, wie­der da zu sein“, sagt Flo­ri­an Beck. Der 30-Jäh­ri­ge ist erst An­fang der Wo­che aus der Tür­kei zu­rück­ge­kehrt, noch sind ihm die An­stren­gun­gen der letz­ten Mo­na­te an den Au­gen­rin­gen ab­zu­le­sen. „Das ist ganz nor­mal, das geht bald wie­der weg“, sagt er und lacht. Es füh­le sich gut an, zu­rück zu sein.

Das Le­ben in Ki­lis war an­ders. Am meis­ten in Er­in­ne­rung an sei­ne Zeit blei­ben ihm die Ge­räu­sche der tür­ki­schen Jagd­flug­zeu­ge, die nachts um 3 Uhr über die Häu­ser flo­gen: „Die Fens­ter ha­ben ge­wa­ckelt, und wir ha­ben uns gro­ße Sor­gen ge­macht.“Ge­fähr­lich war es auch, als die Ter­ro­ris­ten des „Is­la­mi­schen Staats“bis an die Gren­ze vor­rück­ten. „Ir­gend­wann kann man am Ge­räusch er­ken­nen, dass Fass­bom­ben ab­ge­wor­fen wer­den“, sagt er.

In der tür­ki­schen Stadt Ki­lis an der Gren­ze zu Sy­ri­en le­ben 100 000 Be­woh­ner und ge­nau­so vie­le Flücht- lin­ge. Aber nicht in La­gern, son­dern auf der Stra­ße und in Pri­vat­woh­nun­gen, er­klärt Beck. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal ko­or­di­niert me­di­zi­ni­sche Hil­fe in der Re­gi­on, Flo­ri­an Beck war als Pro­jek­tas­sis­tent vor Ort. Von Au­gust bis Ja­nu­ar hat er in Deutsch­land für die Or­ga­ni­sa­ti­on ge­ar­bei­tet, von Ja­nu­ar bis De­zem­ber stand der Aus­lands­ein­satz an. Beck hat in Tü­bin­gen stu­diert „Wir sind die Schnitt­stel­le zwi­schen den Part­nern vor Ort und den Geld­ge­bern“, er­klärt Beck sei­ne Ar­beit. Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal be­treibt vor Ort un­ter an­de­rem ein gro­ßes Feld­kran­ken­haus und ein Com­mu­ni­ty Die „ Ki­lis Not­hil­fe für sy­ri­sche Flücht­lin­ge“wird von der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal or­ga­ni­siert. Ki­lis liegt in der Tür­kei, et­wa drei Ki­lo­me­ter von der sy­ri­schen Gren­ze ent­fernt. Dort be­treibt die Or­ga­ni­sa­ti­on mit ih­ren Part­nern vor Ort ein Feld­kran­ken­haus für Sy­rer. Pa­ti­en­ten wer­den dort ver­sorgt, die im staat­li­chen Kran­ken­haus ope­riert wur­den und noch sta­tio­nä­re Pfle­ge oder Phy- Cen­ter (Ge­mein­de­zen­trum). Das Be­son­de­re: Nur neun An­ge­stell­te ar­bei­ten für die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on di­rekt, drei da­von aus dem Aus­land. Die rest­li­chen An­ge­stell­ten in den Pro­jek­ten sind sie­ben Tür­ken und 180 Sy­rer – dar­un­ter Ärz­te, Phy­sio­the­ra­peu­ten, Kran­ken­schwes­tern. „Gut aus­ge­bil­de­te Män­ner und Frau­en, die hier ei­ner sinn­vol­len Ar­beit nach­ge­hen und be­zahlt wer­den“, so Beck. sio­the­ra­pie brau­chen. Au­ßer­dem wird ein „ Com­mu­ni­ty Cen­ter“un­ter­stützt so­wie ei­ne Schu­le für sy­ri­sche Flücht­lings­kin­der. Der Kon­flikt in Sy­ri­en dau­ert in­zwi­schen vier Jah­re. Mehr als 12,2 Mil­lio­nen Sy­rer sind auf hu­ma­ni­tä­re Hil­fe an­ge­wie­sen, da­von le­ben ge­schätz­te 7,6 Mil­lio­nen in Sy­ri­en. Vier Mil­lio­nen Men­schen sind in die Nach­bar­län­der ge­flo­hen. ( sz)

Nach dem tech­ni­schen Gym­na­si­um in Sig­ma­rin­gen hat Flo­ri­an Beck Po­li­tik und Phi­lo­so­phie in Tü­bin­gen stu­diert, spä­ter dann in­ter­na­tio­na­le Frie­dens- und Kon­flikt­for­schung in Frankfurt. „Das ist ei­ne span­nen­de Ar­beit“, sagt der jun­ge Mann und er­gänzt: „Ich ha­be viel über die sy­ri­sche Kul­tur ge­lernt.“

2012 wur­de das Feld­kran­ken­haus auf­ge­baut. Zu Becks Auf­ga­ben ge­hör­te die As­sis­tenz bei der Ver­wal­tung und Ko­or­di­nie­rung der Pro­jek­te. Er ach­te­te mit sei­nen Kol­le­gen auf die Ein­hal­tung von Richt­li­ni­en für die Geld­ge­ber aus Deutsch­land, stell­te An­trä­ge und be­riet die Part­ner vor Ort. Ab Fe­bru­ar wird der 30-Jäh­ri­ge von der Or­ga­ni­sa­ti­ons­zen­tra­le in Köln aus wei­ter für die Ki­lis-Pro­jek­te ar­bei­ten. Eben­falls in Er­in­ne­rung bleibt ihm die lie­be­vol­le Art, wie die Sy­rer mit­ein­an­der um­ge­hen. „Trotz des­sen, was sie erlebt ha­ben und noch er­le­ben wer­den, küm­mern sie sich sehr lie­be­voll um­ein­an­der“, sagt Flo­ri­an Beck. „Selbst schwer­ver­letz­te Kin­der ha­ben ih­re Le­bens­freu­de nicht ver­lo­ren.“ Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Ar­beit von Mal­te­ser In­ter­na­tio­nal gibt es im In­ter­net: www. mal­te­ser­in­ter­na­tio­nal. org

FOTO: KE­REM YÜCEL/ MAL­TE­SER IN­TER­NA­TIO­NAL

Ein Kran­ken­pfle­ger ver­bin­det die Wun­den ei­nes sy­ri­schen Kin­des. Des­sen Mut­ter hilft dem Mann da­bei.

FOTO: BERGMANN

Flo­ri­an Beck

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