Die Weih­nachts­zeit in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen?

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENSCHEN - C. po­e­tsch- rit­ter@ schwa­ebi­sche. de d. gru­pe@ schwa­ebi­sche. de

Hät­te der jun­ge Kol­le­ge ne­ben­an mich recht­zei­tig kon­sul­tiert vor sei­ner weih­nacht­li­chen Bahn­fahrt, er hät­te sich viel Un­bill er­spart. Bei der Schnäpp­chen­jagd auf bahn.de ha­be ich es in­zwi­schen zu ei­ner ge­wis­sen Vir­tuo­si­tät ge­bracht. Mei­ne Fas­zi­na­ti­on für die­ses Me­di­um ist auch dem Um­stand ge­schul­det, dass ich als Bahn­fah­re­rin in ei­ner Zeit so­zia­li­siert wor­den bin, als es noch ei­nes auf­wen­di­gen Kurs­buch­stu­di­ums be­durf­te, um oh­ne Rei­bungs­ver­lus­te et­wa von Ulm nach Nord­deich-Mo­le zu ge­lan­gen.

Für Weih­nach­ten ist es jetzt so oder so zu spät. Denn bei der Fei­er­tags­pla­nung ist im­mer noch mehr Weit­blick ge­fragt als ju­gend­li­che Spon­ta­nei­tät. Ob­wohl: Letz­tens ging noch Sil­ves­ter: ICE ab Ham­burg 16.01 Uhr, an München 21.38 Uhr, 14,25 Eu­ro! Mein Sohn ist mein Ge­währs­mann. Ich selbst ha­be ge­ra­de für mei­nen Ge­burts­tag im Fe­bru­ar ge­bucht: Rö­then­bach/All­gäu – Ber­lin und zu­rück: 52,50 Eu­ro. Mit Sitz­platz!

Zu­ge­ge­ben, ich bin auch schon im All­gäu-Ex­press vor München im Stau ge­stan­den. Und we­gen Be­triebs­stö­run­gen im ICE in Ulm ge­stran­det, da war der letz­te Zug nach Lin­dau schon weg. Da­für hat sich die Bahn aber bei mir ent­schul­digt und mir ein Ho­tel be­zahlt, er­satz­wei­se ein Ta­xi. Hat sich je ei­ner bei Ih­nen ent­schul­digt, wenn Sie spät­abends im Nie­sel­re­gen im Stau am Ka­me­ner Kreuz aus­har­ren muss­ten, ge­schwei­ge denn Her­ber­ge ge­bo­ten? Eben!

Von Chris­tia­ne Pötsch- Rit­ter

Wenn Sie Weih­nach­ten Bahn fah­ren, zählt die Ver­bin­dung. Et­wa die­se: 24.12., von Ra­vens­burg nach Köln, Ab­fahrt 17.45 Uhr, An­kunft 01.56 Uhr, Fahr­zeit acht St­un­den elf Mi­nu­ten, plan­mä­ßig. Vor­teil: Sie kom­men an, ver­mut­lich. Sie kön­nen auch ei­ne frü­he­re Ver­bin­dung neh­men, dann dau­ert die Fahr­zeit auch acht St­un­den, au­ßer­plan­mä­ßig. Bahn­fah­ren zu Weih­nach­ten ist ei­gent­lich nur was für Men­schen, die kei­ne Ver­wand­ten und Freun­de ha­ben. Ein­fach in ei­nen Zug set­zen, mit so vie­len Men­schen ha­ben Sie das Fest noch nie ver­bracht. Und man kommt sich nah, sehr nah. Meist ste­hend.

Die Aus­düns­tun­gen von ge­stress­ten Men­schen wär­men über­dies die See­le. Brau­chen Sie viel Zu­nei­gung, le­gen Sie sich in den Flur und ku­scheln mit schla­fen­den Ne­ben­leu­ten. Als Weih­nachts­es­sen gibt es, so­fern nicht aus­ver­kauft, Voll­korn­schnit­ten und ent­cof­fe­i­nier­ten Kaf­fee für knapp sie­ben Eu­ro, le­cker. Und da Kof­fer und Pa­ke­te nur so durch die Ab­tei­le pur­zeln, fällt auch ein Ge­schenk für Sie ab, ein­fach zu­grei­fen.

Wenn sich der Zug leert, stei­gen sie aus und ver­brin­gen ein­fach zwei Ta­ge am Bahn­hof. Bei der Rück­fahrt tref­fen Sie auf Ih­re neu­en Freun­de, die noch schlech­ter ge­launt sind als bei der Hin­fahrt. Ha­ben Sie aber Ver­wand­te und Freun­de, sol­len die doch zu Ih­nen kom­men, ger­ne mit dem Zug. Dann müs­sen Sie aber das Es­sen warm stel­len.

Von Dirk Gru­pe

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