Rap­per trifft Rap­per

Si­do und Haft­be­fehl ha­ben sich ei­nen in­sze­nier­ten Schlag­ab­tausch ge­lie­fert

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE AM WOCHENENDE - Von Da­ni­el Ha­drys

Es ist der Wahn­sinn. Wirk­lich. Von Su­per­la­ti­ven soll­te man sich nor­ma­ler­wei­se nicht blen­den las­sen. Wenn der Her­stel­ler ei­nes Ener­gy-Drinks zum „Sound­clash“zwi­schen den Rap­pern Si­do und Haft­be­fehl lädt, ist es dem Un­ter­neh­men nach na­tür­lich „die Show des Jah­res“. Als Hip HopFan muss man der Fir­ma, die sich durch Spon­so­ring von Ex­trem­sport­lern, Mu­si­kern oder ei­nes Fuß­ball­ver­eins ins Ge­spräch jun­ger Leu­te bringt, die­ses Mal zu­stim­men.

Si­do, der Jun­ge aus dem Ber­li­ner Block, und Haft­be­fehl, der Ex-Dro­gen­dea­ler aus Of­fen­bach, be­kämp­fen sich in der aus­ver­kauf­ten Es­se­ner Gru­ga­hal­le – mu­si­ka­lisch, auf zwei Büh­nen, die sich ge­gen­über­ste­hen. Ih­ren sti­li­sier­ten „Clash“hat­ten sie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten be­reits im In­ter­net aus­ge­foch­ten. Haft­be­fehl schick­te Si­do ei­nen fal­schen Schwei­zer Jour­na­lis­ten auf den Hals, der ihn mit un­säg­li­chen Fra­gen quäl­te. Si­dos Ra­che: Er er­fand ei­nen Rap­per, Haft­be­fehl wie aus dem Ge­sicht ge­schnit­ten, der von Haft­be­fehls Plat­ten­fir­ma mit dem glei­chen Elan be­wor­ben wur­de wie das Ori­gi­nal. Die Vi­de­os gin­gen vi­ral, das Vor­ge­plän­kel war sehr er­folg­reich.

Die­ser harm­lo­se Streich­aus­tausch wird in der Mehr­zweck­hal­le in der Ruhr­ge­biets­stadt wei­ter­ge­führt. In ei­nem For­mat, das Zu­kunft hat.

Die­ses For­mat heißt: Zwei Büh­nen, die sich ge­gen­über­ste­hen, auf de­nen zwei Künst­ler ste­hen, die sich ver­dient ge­macht ha­ben. Im Fal­le des Sound­clash 2015 heißt das: Haft­be­fehl, der vom sonst eher kon­ser­va­ti­ven Feuille­ton rauf und run­ter ge­lobt wur­de, und Si­do, den ge­läu­ter­ten Rap­per, der in­zwi­schen so­gar mit Andre­as Bou­ra­ni („Auf uns”) ge­mein­sa­me Sa­che („As­tro­naut“) macht, zu­sam­men zu brin­gen.

Es gibt meh­re­re Run­den. Je­der darf zwei ei­ge­ne Songs rap­pen. Haft­be­fehl macht den An­fang mit „Ihr Hu­ren­söh­ne“und „Ich rol­le mit meim Bes­ten“. Si­do legt mit „Bil­der im Kopf“und „Mein Block“nach. Da­nach folgt der „Clash“, der wirk- lich wahn­sin­nig, aber kon­zer­tiert war. Der ei­ne muss die Songs des an­de­ren in­ter­pre­tie­ren. Si­do und Haft­be­fehl batt­len sich, aber je­der merkt (hof­fent­lich), dass sie ei­ner Cho­reo­gra­fie fol­gen. Si­do und Haft­be­fehl müs­sen sich die­sen Auf­ga­ben stel­len, die sie ver­mut­lich seit April ein­stu­die­ren.

Freun­de hel­fen aus Je­der der bei­den Mu­si­ker darf im Lau­fe des Abends ei­ne „Wild­card“ins Feld füh­ren, al­so ei­nen be­freun­de­ten Mu­si­ker, der die Gunst des Pu­bli­kums auf sich zie­hen soll. Haft­be­fehl holt Ol­li Schulz. Si­do holt je­man­den, der gut free­stylt. Nach dem Kon­zert weiß nie­mand, wer das war.

Was aber bleibt: die Schlag­zahl, der Rhyth­mus des Abends war der Wahn­sinn. Wenn auch or­ches­triert. Aber, der Wahn­sinn. In­for­ma­tio­nen un­ter www. red­bull­sound­clash. com 2016 steht Haft­be­fehl auch beim South­si­de auf der Büh­ne. Für das Fes­ti­val, das vom 24. bis 26. Ju­ni in Neu­hau­sen ob Eck steigt, sind au­ßer­dem Rammstein, Mum­ford & Sons, Deich­kind, K. I. Z., Drop­kick Mur­phys, Fritz Kalk­bren­ner, Sub­ways, Wan­da, Boy, Pen­ny­wi­se und The Hi­ves be­stä­tigt. In­fos und Ti­ckets un­ter www. south­si­de. de.

FOTO: CHRIS­TOPH VOY

Zäh­len der­zeit zu den wich­tigs­ten Ver­tre­tern des Deut­schraps: Haft­be­fehl ( links) und Si­do.

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