Vom Glück un­glück­lich zu sein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - un­term­strich@schwa­ebi­sche.de

as tun ge­gen Un­glück­lich­sein? Was ge­gen Er­folg­lo­sig­keit? Zwei zen­tra­le Fra­gen un­se­rer Ge­sell­schaft zu de­nen schon Tau­sen­de Rat­ge­ber ge­schrie­ben wur­den (Wir emp­feh­len: „Glück für Dum­mis“und „Auch als Voll­pfos­ten zum Mil­lio­när“). Trotz­dem blei­ben Glück und Er­folg aber vie­len Men­schen ver­wehrt. Ei­ne Be­we­gung von Sing­le-Män­nern aus Ja­pan bie­tet da­zu nun ei­ne ver­blüf­fen­de Lö­sung. Der Ge­dan­ke: Es ist viel ein­fa­cher un­glück­lich zu sein als glück­lich. Und wenn wir al­le un­glück­lich sind, ist das Le­ben wie­der le­bens­wert.

WDie Grup­pe nennt sich „Lo­ser with Wo­man“(„Ver­lie­rer bei Frau­en“) und ging einst aus der „Re­vo­lu­tio­nä­ren Ver­lie­rer-Li­ga“her­vor. In To­kio hat sie nun ge­gen das Weih­nachts­fest de­mons­triert, mit der Be­grün­dung: „In die­ser Welt wird Geld aus ver­lieb­ten Men­schen ge­saugt und glück­li­che Men­schen för­dern den Ka­pi­ta­lis­mus.“Weih­nach­ten sei das sym­bo­li­sche Er­eig­nis für die­ses Phä­no­men, des­halb die For­de­rung: „Zer­schmet­tert Weih­nach­ten!“Ei­ne be­ste­chen­de Ar­gu­men­ta­ti­on, der wir uns an die­ser Stel­le selbst­ver­ständ­lich an­schlie­ßen.

Ge­ra­de zu Weih­nach­ten, dem Fest der Nächs­ten­lie­be, soll­ten auch Sie auf die Un­glück­li­chen der Welt zu­ge­hen. Sie ha­ben ei­nen Weih­nachts­baum? Kein Pro­blem, mit ein we­nig Ben­zin lässt sich das un­nüt­ze Ding in Rauch ver­wan­deln. Sie ha­ben in ka­pi­ta­lis­ti­sche Ge­schen­ke in­ves­tiert? Der Wert­stoff­hof freut sich über den Plun­der. Und es gibt wohl kein pas­sen­de­res Da­tum für ein Tren­nungs­ge­spräch mit dem Part­ner als Hei­lig­abend. Zei­gen Sie ein Herz für an­de­re: Sei­en auch Sie ein Ver­lie­rer. (dg)

FOTO: AFP

Ver­mumm­tes Un­glück: De­mons­trie­ren­de Singles in To­kio – ei­ner da­von mit ro­sa Hä­kel­tuch.

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