Lich­ter­ket­te mit dunk­len Stel­len

4000 Men­schen in München, aber we­ni­ger Zu­spruch als er­war­tet – Or­ga­ni­sa­tor aus Bad Wald­see be­klagt Sa­bo­ta­ge

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Ulrich Men­de­lin und Agen­tu­ren

MÜNCHEN/RA­VENS­BURG - Ei­ne ge­plan­te Lich­ter­ket­te ge­gen Ter­ror und Ge­walt von München nach Ber­lin ist am Sams­tag nur punk­tu­ell zu­stan­de ge­kom­men. Statt der vom Or­ga­ni­sa­tor für München er­war­te­ten 30 000 Teil­neh­mer ka­men dort nach Po­li­zei­an­ga­ben 4000 mit Ker­zen zu­sam­men. In Ber­lin wa­ren es le­dig­lich 700 statt der an­ge­mel­de­ten 25 000.

Ver­an­stal­ter Horst Fal­len­beck aus Bad Wald­see (Land­kreis Ra­vens­burg) hat­te im Vor­feld von 200 000 an­ge­mel­de­ten Per­so­nen ge­spro­chen, al­ler­dings hat­te es zu­letzt Hin­wei­se auf ei­ne Un­ter­wan­de­rung ört­li­cher Or­ga­ni­sa­ti­ons­grup­pen durch Rechts­ra­di­ka­le und Ver­wir­rung um den Ver­lauf ei­ni­ger Teil­stre­cken ge­ge­ben.

Fal­len­beck klag­te am Sonn­tag im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“von „Dro­hun­gen und Sa­bo­tie­run­gen“. So hät­ten Un­be­kann­te ge­fälsch­te An­mel­dun­gen ver­schickt und im In­ter­net fal­sche Rou­ten ver­öf­fent­licht, um mög­li­che Teil­neh­mer zu ver­wir­ren. „Die­se Ve­r­un­si­che­rung hat funk­tio­niert.“Ein wei­te­rer Grund für die schwa­che Be­tei­li­gung sei die all­ge­mei­ne Stim­mung im Land: „Durch Deutsch­land geht ein viel tie­fe­rer Riss, als ich es für mög­lich ge­hal­ten hät­te.“

Fal­len­beck ver­brach­te den Sams­tag­abend in München, wo die Men­schen­ket­te star­ten soll­te. Dort sei die Stim­mung „für Teil­neh­mer schon be­ein­dru­ckend ge­we­sen“. Zum Auf­takt spiel­te der Pia­nist Da­vi­de Mar­tel­lo auf dem Ma­ri­en­platz John Len- nons „Ima­gi­ne“. Den Song hat­te der Mu­si­ker auch am Tag nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris na­he der Kon­zert­hal­le Bat­a­clan ge­spielt. „Ich se­he die Ak­ti­on als ge­lun­gen an, so­bald ein Mensch mit dem Ge­dan­ken an Frie­den und So­li­da­ri­tät auf die Stra­ße geht“, sag­te der Mu­si­ker. Vom Ma­ri­en­platz aus er­streck­te sich die Ket­te auf et­wa ein­hun­dert Me­tern und zog sich dann mit grö­ße­ren Un­ter­bre­chun­gen nach Nor­den.

Für ei­ne un­un­ter­bro­chen durch halb Deutsch­land lau­fen­de Men­schen­ket­te wä­ren nach Fal­len­becks Schät­zun­gen 650 000 Teil­neh­mer nö­tig ge­we­sen. Al­ler­dings ver­sam­mel­ten sich Men­schen auch an Or­ten, die nicht an der Rou­te la­gen, um ein Zei­chen für Frie­den zu set­zen.

In Bad Wald­see ka­men Schät­zun­gen zu­fol­ge 400 bis 500 Men­schen zu ei­ner Lich­ter­ket­te zu­sam­men, in Lin­dau wa­ren es 60 und in Wan­gen (Land­kreis Ra­vens­burg) et­wa 150. „Frie­den und To­le­ranz sind mir sehr wich­tig“, sag­te ei­ne der Teil­neh­me­rin­nen, Michae­la Rein­wald aus Wan­gen. „Ich wür­de mir wün­schen, dass auch mein knapp zwei­jäh­ri­ger Sohn in Frie­den auf­wach­sen und sein Le­ben le­ben kann.“

Wo es an Teil­neh­mern man­gel­te, wur­den teil­wei­se her­ren­lo­se Ker­zen auf dem Bo­den ab­ge­stellt, um die Lich­ter­ket­te auf die­se Wei­se fort­zu­füh­ren. Be­rich­te von den Lich­ter­ket­ten in Bad Wald­see, Lin­dau und Wan­gen le­sen Sie un­ter: schwa­ebi­sche. de/ lich­ter­ket­te

FOTO: DPA

4000 Men­schen ha­ben in München mit ei­ner Lich­ter­ket­te ein Zei­chen für den Frie­den ge­setzt, un­ter ih­nen Apos­to­los Ma­l­a­mous­sis, Erz­pries­ter des öku­me­ni­schen Pa­tri­ar­chats ( links).

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