Hier ist Vor­sicht ge­bo­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Wolf­gang Mul­ke wirt­schaft@ schwa­ebi­sche. de

Die Le­bens­wirk­lich­keit ver­än­dert sich in ei­nem ra­schen Tem­po. So­wohl be­ruf­lich als auch privat ist im­mer mehr Fle­xi­bi­li­tät ge­fragt, manch­mal er­wünscht, oft ge­nug not­wen­di­ges Übel. Wenn bei­spiels­wei­se Müt­ter Be­ruf und Fa­mi­lie un­ter ei­nen Hut brin­gen wol­len, sind sie auf ein straf­fes Zeit­ma­nage­ment eben­so an­ge­wie­sen wie auf viel­fäl­ti­ge Ar­beits­zeit­mo­del­le. Das stei­fe Kor­sett ei­nes acht­stün­di­gen Ar­beits­ta­ges ge­hört auch des­halb längst der Ver­gan­gen­heit an. Nun wol­len die Ar­beit­ge­ber ger­ne noch wei­ter ge­hen und die Ein­satz­mög­lich­kei­ten ih­rer Be­schäf­tig­ten noch ein­mal er­wei­tern. Die täg­li­che Höchst­gren­ze von zehn St­un­den hal­ten sie für eben­so we­nig zeit­ge­mäß wie die Re­gel, dass die Ar­beit in ei­nem Zeit­block ab­sol­viert wird.

Der Vor­stoß klingt ver­ständ­lich an­ge­sichts des mitt­ler­wei­le für Un­ter­neh­men stark an­ge­wach­se­nen Wett­be­werbs­dru­ckes, der den Be­trie­ben ei­ne ho­he Fle­xi­bi­li­tät ab­for­dert. Doch die Zu­si­che­rung, an den Ar­beits­schutz­ge­set­zen nicht zu rüt­teln, ist un­glaub­wür­dig. Denn wenn es dar­auf an­kommt, set­zen Fir­men ih­re Mit­ar­bei­ter mög­lichst ef­fi­zi­ent ein. Die Le­bens­qua­li­tät und Ge­sund­heit der Be­schäf­tig­ten spielt oft ge­nug kei­ne gro­ße Rol­le. Wenn der ge­setz­li­che Schutz auf­ge­weicht wird, geht das al­lein zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer. Vie­le Be­schäf­tig­te lei­den jetzt schon un­ter Leis­tungs­druck und auf­ge­zwun­ge­ner Mehr­ar­beit. Die­se Phä­no­me­ne wür­den sich bei ei­ner stär­ke­ren Fle­xi­bi­li­sie­rung wei­ter ver­brei­ten.

Wenn über­haupt soll­ten die Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen punk­tu­ell der Le­bens­wirk­lich­keit an­ge­passt wer­den. Doch auch hier ist Vor­sicht ge­bo­ten. Denn ein­mal ver­lo­re­ne Schutz­rech­te las­sen sich nicht oh­ne Wei­te­res wie­der her­stel­len.

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