Na­tur­ta­len­te zei­gen ihr Kön­nen

Thea­ter­stück der Abla­cher Büh­ne fei­ert ei­ne gran­dio­se Pre­mie­re

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KRAUCHENWIES/ INZIGKOFEN/ SIGMARINGEN - Von Ar­no Möhl

ABLACH – Su­per­la­ti­ve müs­sen her, um den Spaß zu be­schrei­ben, den die Schau­spie­ler der Abla­cher Büh­ne bei der Pre­mie­ren­vor­stel­lung am Sams­tag­abend in der voll be­setz­ten Fest­hal­le ver­brei­tet ha­ben. Ir­gend­wie fiel schon bei den Pro­ben auf, dass sich die Schau­spie­ler in die­sem Jahr be­son­ders gut mit dem Gom­bold-Stück „Die un­glaub­li­che Ge­schich­te vom ge­stoh­le­nen Stin­ker­käs“iden­ti­fi­zie­ren konn­ten. Und das war letzt­end­lich auch das Ge­heim­nis des Er­folgs.

Die Rol­len des Stücks pass­ten haar­ge­nau mit den Na­tur­ta­len­ten des En­sem­bles über­ein. Und so war es kein Wun­der, dass von der ers­ten Mi­nu­te an im Saal herz­haft ge­lacht wur­de. So ra­sant, wie sich der Vor­hang öff­ne­te, so ra­sant nahm das Stück an Fahrt auf. Be­reits das Büh­nen­bild, ei­ne un­auf­ge­räum­te Schrei­ner­werk­statt mit Schrei­ner­meis­ter Sepp Häm­mer­le (Mar­kus Kempf), der im Hau­fen Ho­bel­spä­ne sei­nen „Ku­ha­rausch“aus­schlief, war nett an­zu­schau­en. Die Zäh­ne such­te er in den Spä­nen, Hemd und Ho­se auf Halb­mast. Sohn Frank (Jo­han­nes Stro­bel) war von den Spu­ren ei­ner lan­gen Nacht ge­zeich­net. Ver­zwei­felt ver­such­ten bei­de, die Nacht zu re­ka­pi­tu­lie­ren. Be­su­cher schlie­ßen Ak­teu­re schnell in ihr Herz Kam da in Gestalt des Dorf­po­li­zis­ten Sieg­mund Ei­fer­ling (Frank Beck) die Er­lö­sung? Nein, der war auch kei­ne Hil­fe. Sei­ne Mi­mik aber: gran­di­os. Da tauch­te sei­ne re­so­lu­te Frau Kla­ra (Hei­ke Trip­pel) im 60er-Jah­re-Man- tel und Pelz­hut erst­mals auf. „Wo isch der Lump?“. Die Dia­lo­ge schon der ers­ten Vier­tel­stun­de hat­ten es in sich. Die Be­su­cher hat­ten die Ak­teu­re schnell in ihr Herz ge­schlos­sen, gab es doch im Mi­nu­ten­takt wei­te­re Hö­he­punk­te. Pfarr­haus­häl­te­rin The­re­sa Schlot­ter­beck, ge­nannt Old Ter­res (Gabi Stro­bel) in züch­ti­gem Kleid und Hand­däsch­le, war dem Zu­sam­men­bruch na­he.

Ihr Stin­ker­käs „isch gschdo­le“und der sei doch die Leib­spei­se vom bald aus Rom zu­rück­keh­ren­den Pfar­rer. Ein Dieb sei in ih­rem Zim­mer ge­we­sen. Als Be­weis pack­te sie ei­nen Schuh aus der Ta­sche. Meis­ter Häm­mer­le wur­de krei­de­bleich – ihm fehl­te ei­ner. Im­mer mehr Fak­ten tauch­ten auf. Je­der ver­such­te, sei­ne Haut zu ret­ten. Die Töch­ter des Di­ri­gen­ten des Mu­sik­ver­eins, Hu­go Hä­ber­le (Detlef He­rold), Eva und Ti­na (bei­de ge­spielt von Ma­nue­la Kug­ler) schie­nen ei­ne amü­san­te Rol­le zu spie­len. Aus­führ­lich schil­der­te Ti­na mit ame­ri­ka­ni­schem Ak­zent, wie ihr Zim­mer Ziel des nächt­li­chen Män­ner­aus­flugs ge­we­sen sei: „Es war ei­ne very stür­mi­sche Nacht.“Als die Ehe­frau­en, jetzt auch Pau­li­ne Häm­mer­le (Ma­ri­on We­ber), die Män­ner beim Ho­sen­tausch er­wisch­ten, ha­gel­te es er­neut Schlä­ge und wüs­te Be­schimp­fun­gen. Sieg­mund und Sepp ver­such­ten al­les, um den Ver­dacht von sich ab­zu­len­ken. Da kam ih­nen Di­ri­gent Hä­ber­le ge­ra­de recht. In­dem ge­zeigt wird, dass auch ei­ne Ho­se als Fes­sel die­nen kann, wird die­ser als Tä­ter vor­ge­führt.

„Voll wit­zig“kom­men­tie­ren Leo­nie Schu­rer (12) und Lea Matheis (14) die Sze­ne und ei­ne äl­te­re Ham­bur­ge­rin mit viel Thea­ter­er­fah­rung zeigt sich mit han­sea­ti­scher Zu­rück­hal­tung vom Ta­lent der Ak­teu­re „an­ge­nehm über­rascht“.

In ei­nem ful­mi­nan­ten Schluss­spurt, der auch kon­di­tio­nell ei­ni­ges ab­ver­lang­te, hau­ten die Ak­teu­re ei­nen Gag nach dem an­de­ren raus. Ein Bett in der Werk­statt wur­de zum zen­tra­len Tem­pel des Hu­mors. Da fetz­ten sich na­he­zu al­le. Nicht zu­letzt jag­te Hu­go mit Mo­tor­sä­ge die Lieb­ha­ber sei­ner Toch­ter. Am En­de klärt sich al­les auf. Al­le ha­ben über­lebt und nach ei­nem stür­mi­schen Ap­plaus ging das Pu­bli­kum mit bes­ten Er­in­ne­run­gen an ein per­fekt in­sze­nier­tes Volks­stück nach Hau­se. Die nächs­te Vor­stel­lung ist am Sams­tag, 26. De­zem­ber, um 19.30 Uhr. Wei­te­re Bil­der vom Stück gibt es im In­ter­net un­ter

www. schwa­ebi­sche. de

FOTO: AR­NO MÖHL

Die Män­ner ha­ben ge­gen ge­ball­te Frau­en­power nicht die ge­rings­te Chan­ce.

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