Sti­pen­di­um hilft In­ci, Träu­me zu er­fül­len

Gam­mer­tin­ger Gym­na­si­as­tin wird aus dem Pro­gramm „Ta­lent im Land“ge­för­dert

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB/ LAUCHERT -

GAM­MER­TIN­GEN (sz) - Die Gam­mer­tin­ger Gym­na­si­as­tin In­ci Us­an­maz er­hält ein Sti­pen­di­um aus dem Pro­gramm „Ta­lent im Land“(TiL). Jähr­lich be­wer­ben sich Hun­der­te von jun­gen Men­schen aus be­nach­tei­lig­ten Fa­mi­li­en um die­ses Sti­pen­di­um, und nur 50 da­von er­hal­ten es am En­de.

In­cis Ge­schich­te ist ty­pisch für ein Gas­t­ar­bei­ter­kind der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on. Der Groß­va­ter kam in den 70er-Jah­ren nach Deutsch­land, der Va­ter wuchs in Gam­mer­tin­gen auf, die Mut­ter kam nach der Hei­rat aus der Tür­kei. Zu Hau­se spricht man Tür­kisch. Im Kin­der­gar­ten ha­be sie aber schnell Deutsch ge­lernt. In der ers­ten und zwei­ten Klas­se stuf­te die Klas­sen­leh­re­rin In­ci als „ty­pi­sche Haupt­schü­le­rin“ein. „Das hat mich ziem­lich de­mo­ti­viert“, sagt sie heu­te. Doch schon im nächs­ten Schul­jahr kam der Er­folg, und am En­de von Klas­se vier „das per­fek­te Zeug­nis fürs Gym­na­si­um“. Für ih­re El­tern war klar, dass In­ci aufs Gym­na­si­um in Gam­mer­tin­gen ge­hen soll­te. Schließ­lich war dort auch schon der äl­te­re Bru­der.

In der neu­en Schu­le fühl­te sich In­ci gleich wohl, wur­de nicht mehr wie bis­her we­gen ih­rer Na­tio­na­li­tät oder ih­rer Re­li­gi­on ge­hän­selt. An was das ge­le­gen ha­ben könn­te, weiß sie nicht. „An mei­nen Deutsch­kennt­nis­sen si-

TRAU­ER­AN­ZEI­GEN cher nicht. Die wa­ren oft bes­ser als die mei­ner deut­schen Mit­schü­ler. Ich ha­be schon früh ganz viel ge­le­sen“. In­ci en­ga­giert sich an der Schu­le So wur­de aus der „ty­pi­schen Haupt­schü­le­rin“ei­ne heu­te eher un­ty­pi­sche Gym­na­si­as­tin. „Ich bin sehr ehr­gei­zig, ar­bei­te an mir und will im­mer bes­ser wer­den.“Des­halb – und weil das Sti­pen­di­um ei­ne Ent­las­tung für die in­zwi­schen ge­trenn­ten El­tern sein soll­te – hat sich In­ci auch für das Sti­pen­di­um „Ta­lent im Land“be­wor­ben. Ein Kum­pel aus dem Iran, der in Reut­lin­gen wohnt, brach­te sie auf die Idee. Den end­gül­ti­gen Aus­schlag für die Be­wer­bung gab aber die Re­ak­ti­on Vor­aus­set­zung für das Sti­pen­di­um „ Ta­lent im Land“( TiL) ist der Be­such ei­ner min­des­tens sieb­ten Klas­se auf ei­ner ba­den- würt­tem­ber­gi­schen Schu­le. Vor dem Be­wer­ber müs­sen noch zwei Schul­jah­re lie­gen. Ge­sucht sind Schü­ler, die mo­ti­viert in der Schu­le sind und das Abitur oder die FH- Rei­fe er­rei­chen wol­len ( un­ab­hän­gig da­von, wel­che Schul­art sie der­zeit be­su­chen). Doch nicht nur schu- ei­ner Mit­schü­le­rin. „Ich stand vor dem TiL-Pla­kat am Schwar­zen Brett im GymGam. Da sag­te mei­ne Nach­ba­rin, guck doch nicht so auf das Pla­kat, du bist eh kein Ta­lent im Land.“

Jetzt ist sie es. Da­vor lag aber ein auf­wen­di­ges Be­wer­bungs­ver­fah­ren, des­sen Vor­aus­set­zung zu­nächst ein­mal die so­zia­le Be­dürf­tig­keit ist. Wei­te­re Kri­te­ri­en sind gu­te Schul­no­ten und schu­li­sches und au­ßer­schu­li­sches En­ga­ge­ment. Mit al­lem kann In­ci auf­war­ten. Sie en­ga­giert sich am GymGam als Streit­schlich­te­rin und in der Thea­ter-AG. Sie nimmt Kla­vier­un­ter­richt, gibt Nach­hil­fe und ar­bei­tet eh­ren­amt­lich mit Ju­gend­li­chen in Ma­ria­berg. Künf­tig will sie sich auch po­li­tisch be­tä­ti­gen. li­sches, son­dern auch au­ßer­schu­li­sches En­ga­ge­ment ist ge­fragt. Au­ßer­dem sind be­son­de­re Ta­len­te im Be­reich Mu­sik, Sport, Kunst und so wei­ter er­for­der­lich. Die Aus­wahl der 50 Sti­pen­dia­ten er­folgt in ei­nem mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren. Der nächs­te Be­wer­bungs­zeit­raum star­tet im Fe­bru­ar 2016 und läuft bis zum 31. März. An­mel­dung er­folgt über das TiL- Netz:

www. ta­len­tim­land. de

Dass sich In­ci, nach Ab­spra­che mit ih­rem Va­ter, ganz oh­ne frem­de Hil­fe fürs Sti­pen­di­um be­wor­ben hat, passt zu ihr. „Pro­bier es“, ha­be ihr Va­ter ge­sagt. Von der Ju­ry der ers­ten Aus­wahl­run­de, die aus Päd­ago­gen und Pro­gramm­ver­trau­ten be­steht, wur­den 100 Ju­gend­li­che vor­aus­ge­wählt, die zu ei­nem per­sön­li­chen Ge­spräch ein­ge­la­den wur­den. Mit der Ein­la­dung zum Ge­spräch nach Stuttgart hat sie ih­re El­tern dann über­rascht. Doch dort kam die Er­nüch­te­rung. „Die an­de­ren Teil­neh­mer ka­men mir so schlau und ge­bil­det vor.“Vor der Ju­ry ha­be sie sich aber gleich wohl­ge­fühlt. „Die At­mo­sphä­re war an­ge­nehm. Ich ha­be ver­sucht, mich als ziel­stre­big und stark zu prä­sen­tie­ren. Die­se Ein­stel­lung war wohl aus­schlag­ge­bend für das Sti­pen­di­um.“

Im kom­men­den Schul­jahr wird In­ci die Kurs­stu­fe am Gym­na­si­um Gam­mer­tin­gen be­su­chen. Dann wird sie zwei Jah­re lang bis zum Abitur fi­nan­zi­ell ge­för­dert. Ein be­glei­ten­des Se­mi­nar­pro­gramm und in­di­vi­du­el­le Be­ra­tung sol­len ihr hel­fen, ih­re Be­ga­bun­gen wei­ter zu ent­fal­ten und ih­re Zu­kunft selbst in die Hand zu neh­men. Ih­re El­tern sind stolz auf sie und auf das, was sie schon er­reicht hat. „Sie wol­len, dass ich es ein­mal bes­ser ha­be als sie, dass ich mei­ne Träu­me und Zie­le ver­wirk­li­chen kann.“

FOTO: PRIVAT

In­ci Us­an­maz hat sich ganz oh­ne Hil­fe für das Sti­pen­di­um be­wor­ben.

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