Ei­ne un­sen­ti­men­ta­le Lie­bes­be­zie­hung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LITERATUR - Von Clau­dia Korn­mei­er (dpa)

ou Lei hat es nicht grund­los nach New York ver­schla­gen: „Sie woll­te nie wie­der ver­haf­tet wer­den. Sie woll­te dort sein, wo je­der so il­le­gal wie sie selbst war und in der Men­ge ver­schwand“, schreibt der ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­ler At­ti­cus Lish in sei­nem Ro­man „Die Vor­be­rei­tung auf das nächs­te Le­ben“. Der Ti­tel zitiert ei­nen Sinn­spruch, der über dem Ein­gang ei­ner Mo­schee steht, die Zou Lei in New York ir­gend­wann be­sucht – auf der Su­che nach ei­ner Lö­sung ih­rer Pro­ble­me als il­le­ga­le Ein­wan­de­rin.

Die zwei­te Haupt­fi­gur des Ro­mans ist der Ve­te­ran Brad Skin­ner. Er ist ge­ra­de zum drit­ten Mal aus dem Irak zu­rück­ge­kom­men und sucht in New York nach der Lust am Le­ben. Er klam­mert sich an die Idee, dass sie schon wie­der kom­men wür­de, „wenn er nur or­dent­lich ei­nen drauf­macht“. Und so streunt er ziel­los durch die Stadt, von ei­ner Bar in den nächs­ten Strip-Club. Ver­trinkt sei­ne Dol­lars aus der Ge­fah­ren­zu­la­ge. Raucht Ta­bak und Gras. Mit Schmerz­ta­blet­ten und Red Bull hält er sich am Lau­fen, mit Schlaf­ta­blet­ten kommt er zur Ru­he.

Auf ei­nem sei­ner ziel­lo­sen Streifzüge durch die Stadt ver­irrt Skin­ner sich in ein ab­bruch­rei­fes Haus. Dort trifft er Zou Lei. Sie, die Toch­ter ei­nes Sol­da­ten, ist fas­zi­niert da­von, dass er in der Ar­mee war. Sie zeigt ihm die per­fek­te Lie­ge­stüt­ze, er führt sei­ne Mus­keln vor. Sie ver­ab­re­den ein Wie­der­se­hen. In den USA hoch­ge­lobt Ih­re Lie­bes­ge­schich­te spielt in ab­ge­le­ge­nen Fast­food-Re­stau­rants, in ei­ner un­ter­ver­mie­te­ten Kel­ler­woh­nung zwi­schen Piz­za­schach­teln, Fit­ness­zeit­schrif­ten und Por­no-Hef­ten, in den chi­ne­si­schen Gar­kü­chen, in de­nen Zou Lei ar­bei­tet.

In den USA lan­de­te der Ro­man auf der Best­sel­ler­lis­te. Die Kri­ti­ken über­schlu­gen sich. „Das ist viel­leicht die schöns­te und un­sen­ti­men­tals­te Lie­bes­ge­schich­te die­ses Jahr­zehnts“schrieb die „New York Ti­mes“. Das Le­ben sei­ner Ro­man­fi­gu­ren ist Lish, der 1971 ge­bo­ren wur­de, nicht fremd. Er hat wie Zou Lei ver­schie­dens­te Jobs hin­ter sich. Heu­te lebt er mit sei­ner Frau in New York.

Zou Lei und Skin­ner wer­den ihr Le­ben nicht glück­lich ver­hei­ra­tet in der Me­tro­po­le an der ame­ri­ka­ni­schen Ost­küs­te ver­brin­gen, die für vie­le ein Sehn­suchts­ort ist. Dass ih­re un­sen­ti­men­ta­le Lie­bes­be­zie­hung kein Hap­py End neh­men wird, zeich­net sich früh ab. At­ti­cus Lish: Vor­be­rei­tung auf das nächs­te Le­ben, Ar­che, 539 Sei­ten, 24,99 Eu­ro.

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