Ver­track­te Ge­schich­te

Der neue Ro­man von Clemens Setz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LITERATUR - Von Do­mi­nik Prandl

le­mens Setz greift in sei­nem neu­en Ro­man wie­der ein The­ma jen­seits der All­tags­welt der meis­ten Men­schen auf. Die Haupt­fi­gur ist Na­ta­lie: Pfle­ge­rin in ei­nem Wohn­heim für Men­schen mit Be­hin­de­rung. Ein­dring­lich wer­den die Be­woh­ner in ih­ren Ei­gen­ar­ten be­schrie­ben. Ganz nah ist man aber im­mer Na­ta­lie, die sich selbst als „geis­tes­krank“und da­mit als ge­eig­net für ih­ren Job be­schreibt.

So rich­tig sym­pa­thisch ist kei­ne der Ro­man­fi­gu­ren. Auch Na­ta­lie stößt den Le­ser mit ih­ren Fan­ta­si­en im­mer wie­der ab. Sie flüch­tet sich in ei­ne ei­ge­ne Welt, in der es et­wa neu­ar­ti­ge Haus­tie­re gibt. Wör­ter so­wie Ge­räu­sche wer­den von Na­ta­lie im­mer wie­der in neue Kon­tex­te ge­stellt. Ge­dan­ken­ex­pe­ri­men­te, zum Bei­spiel die Exis­tenz ei­nes spie­gel­ver­kehr­ten Men­schen, las­sen die Wirk­lich­keit nie un­an­ge­tas­tet.

Mo­der­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en spie­len, ty­pisch für Setz, eben­so ei­ne ent­schei­den­de Rol­le in Na­ta­lies Le­ben. Das iPho­ne, Sky­pe oder auch der Fern­se­her hel­fen ihr, sich sub­jek­tiv in der Wirk­lich­keit ein­zu­rich­ten. An die mo­der­ne Le­bens­welt ist fol­ge­rich­tig auch die Spra­che des Au­tors an­ge­passt, die oft ins Poe­ti­sche glei­tet. Et­wa, wenn die Tem­pe­ra­tur als „su­per­markt-ge­trän­ke­ab­tei­lungs­kühl“be­schrie­ben wird.

Ver­trackt ist die Ge­schich­te um ei­nen mi­so­gy­nen Roll­stuhl­fah­rer na­mens Herr Dorm, der re­gel­mä­ßig von Herrn Holl­berg be­sucht wird, ob­wohl er des­sen Le­ben zer­stört hat. Die Be­zie­hung zwi­schen bei­den zu ver­ste­hen ist nicht nur der Wunsch von Pfle­ge­rin Na­ta­lie. Clemens J. Setz: Die St­un­de zwi­schen Frau und Gi­tar­re, Ro­man, Suhr­kamp, 1020 Sei­ten, 29,95 Eu­ro.

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