Be­drü­cken­de End­zeit­vi­si­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LITERATUR - Von Bern­hard Hampp

as um Got­tes Wil­len ist hier pas­siert? Fünf al­te Schul­freun­de, die ein Wo­che­n­en­de auf der Berg­hüt­te ver­bracht ha­ben, stei­gen ins Tal und fin­den ei­ne Welt vor, in der nichts mehr ist wie frü­her. Ab­ge­brann­te Häu­ser, zer­trüm­mer­te Au­tos, ver­kohl­te Fa­b­ri­ken, auf­ge­dun­se­ne Lei­chen. Aber die Fra­ge nach dem „War­um“stellt sich den Män­nern, die mü­de, frie­rend und hung­rig durch das Ti­ro­ler Voral­pen­land strei­fen, nicht mehr.

Sie wol­len über­le­ben – wo­zu ei­gent­lich? „Wir sind ein über meh­re­re Kör­per ver­teil­ter Wil­le ge­wor­den, und ne­ben dem Teil die­ses Wil­lens, den je­der von uns in sich trägt, ist kein Raum mehr für ir­gend­et­was an­de­res. Wir wol­len le­ben“, sagt der Er­zäh­ler. Im­mer wei­ter quä­len sie sich, nur um im­mer mehr Zer­stö­rung und Hoff­nungs­lo­sig­keit zu er­fah­ren. Nachts er­in­nern sie sich an ei­ne Zeit zu­rück, in der ih­nen noch Satt­heit und Über­druss das Le­ben quä­lend er­schie­nen ließ. Am Tag wer­den sie zu Ver­ge­wal­ti­gern und Kan­ni­ba­len.

Der 37-jäh­ri­ge Heinz Hel­le hat mit „Ei­gent­lich müss­ten wir tan­zen“ei­ne End­zeit­vi­si­on ge­schaf­fen, die in Zei­ten, da Krieg und Flucht im­mer prä­sen­ter wer­den, be­drü­ckend ak­tu­ell scheint. Nüch­tern ist die Spra­che, manch­mal sar­kas­tisch. Eben so, wie jun­ge Män­ner mit­ein­an­der spre­chen. Hel­le wirft in sei­ner düs­te­ren Apo­ka­lyp­se ein­dring­lich die Fra­gen nach den Gren­zen des mensch­li­chen Wil­lens und der Freund­schaft auf. Heinz Hel­le: Ei­gent­lich müss­ten wir tan­zen, Suhr­kamp, 173 Sei­ten, 19,95 Eu­ro.

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