Veh ist be­dient, Kieß­ling be­liebt, Lab­ba­dia im Zwie­spalt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Jür­gen Schat­t­mann

Bald ist Weih­nach­ten, an­geb­lich das Fest der Lie­be, in Wahr­heit al­ler­dings die Zeit, in der die meis­ten To­des­fäl­le nach Strei­tig­kei­ten in der Fa­mi­lie ge­zählt wer­den. Die Ge­schen­ke sind meis­tens nicht Schuld dar­an, eher das ge­mein­sa­me Vor­le­ben, trotz­dem baut ein klu­ger Mann vor und lässt sich auf Miss­ver­ständ­nis­se gar nicht erst ein. Ar­min Veh et­wa, der Trai­ner von Ein­tracht Frankfurt, sag­te nach dem 2:1 im Kel­ler­du­ell ge­gen Bre­men: „Das war das schöns­te Weih­nachts­ge­schenk für mich. Jetzt brau­che ich keins mehr.“Denn was ist ei­ne häss­li­che Kra­wat­te un­term Baum ge­gen drei Punk­te auf Gras? Die Ein­tracht stopp­te mit dem Sieg ei­ne Kri­se, die an die Ab­stiegs­sai­son 2010/11 er­in­ner­te. Von zwölf Spie­len in der Li­ga hat­te sie zu­letzt nur ei­nes ge­won­nen, im Po­kal bla­mier­te sie sich bei Erz­ge­bir­ge Aue. „Die­ser Sieg tut ein­fach gut“, mein­te Veh.

Ge­nau­so, wie es gut tut, ge­liebt zu wer­den und, was viel wich­ti­ger ist, selbst zu lie­ben. Leverkusen Stür­mer Ste­fan Kieß­ling­war sich zu­letzt nicht mehr ganz so si­cher, ob er Bay­er als Bank­drü­cker so mag. Der 31-Jäh­ri­ge woll­te nach neun Jah­ren weg, aber dann durf­te er wie­der spie­len, traf prompt und plötz­lich ist vie­les, was vor­her schlecht war, wie­der gut. Nach dem 1:0-Sieg in In­gol­stadt, den Ne­ben- mann Chicha­ri­to be­sie­gel­te, be­kam Kieß­ling von den Fans ein Tri­kot mit der Auf­schrift „Für im­mer 11“über­reicht und war über­wäl­tigt: „Es ist be­ein­dru­ckend, was in der letz­ten Wo­che pas­siert ist, be­son­ders von­sei­ten der Fans. Ein su­per­schö­nes Ge­fühl, Gän­se­haut pur.“Ge­liebt wer­den ist fein. Was ihn da­zu be­wog, selbst zu lie­ben, al­so zu blei­ben, klang we­ni­ger ro­man­tisch: „Das über­zeu­gen­de Ar­gu­ment war, dass Ru­di Völ­ler ge­sagt hat, ich lass dich nicht aus dem Ver­trag.“An­geb­lich wur­de Kieß­ling aber auch ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung über 2017 hin­aus of­fe­riert, zu­dem ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung nach der Kar­rie­re. Es gibt schlech­te­re Ver­bo­te.

Es gibt auch schlech­te­res, als zum „Ham­bur­ger des Jah­res“ge­wählt zu wer­den. „Ham­bur­ger des Jah­res“, das ist nicht et­wa ei­ne Mar­ke­ting-Ak­ti­on von McDo­nalds, son­dern ei­ne Kür des TV-Sen­ders „Ham­burg 1“. Wen traf es dies­mal? Na­tür­lich Bru­no Lab­ba­dia, der „ei­nen fast schon tot­ge­glaub­ten HSV“re­ani­miert ha­be, so der Sen­der. Lei­der war Lab­ba­dia nach dem 0:1 ge­gen den FC Augs­burg gar nicht mehr in Fei­er­lau­ne. Trotz sei­ner 22 Zäh­ler könn­te der HSV noch in die ge­wohn­te Ab­stiegs­ge­fahr ge­ra­ten, wenn er so wei­ter­macht. Drei der letz­ten vier Par­ti­en im ei­ge­nen Sta­di­on hat er ver­lo­ren. „Wie bei den letz­ten Heim­spie­len – täg­lich grüßt das Mur­mel­tier – ha­ben wir es wie­der ver­passt, un­se­re ei­ge­nen Chan­cen zu nut­zen“, klag­te Lab­ba­dia, und die Klub­le­gen­de Uwe See­ler mahn­te Ver­stär­kun­gen im Win­ter an: „Es wä­re gut, wenn noch was kom­men wür­de, aber wir brau­chen nicht nur ei­nen Stür­mer.“

Beim FC Augs­burg da­ge­gen herrscht ei­ne in­zwi­schen fast schon chro­ni­sche Ju­bel­stim­mung. Dank des Tors von Jan Mora­vek, der nach zwei Kreuz­band­ris­sen 395 Ta­ge lang au­ßer Ge­fecht war, ha­ben die Schwa­ben nun 13 Zäh­ler aus fünf Par­ti­en ge­holt – zu­vor wa­ren es gan­ze sechs aus zwölf Spie­len ge­we­sen. Kei­ne Fra­ge: Der FCA ist das Team der St­un­de. Dank der neun Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­plus – den Ba­ba-Trans­fer für mehr als zwan­zig Mil­lio­nen noch nicht ein­ge­rech­net – wird es zu­dem bald Ver­stär­kun­gen ge­ben. Prä­si­dent Klaus Hof­mann er­klär­te das Bud­get für of­fen – das Buf­fet wird an Sil­ves­ter be­stimmt fol­gen.

Auch die fi­nan­zi­ell eher knap­pen Knap­pen wol­len noch shop­pen ge­hen. „Sie glau­ben es nicht, aber wir ha­ben tat­säch­lich ein Fest­geld­kon­to“, sag­te Schal­kes Ma­na­ger Horst Heldt nach dem 1:0 ge­gen Hof­fen­heim. Trai­ner An­dré Brei­ten­rei­ter for­dert Er­satz für den nach Wolfsburg ent­flo­he­nen Ju­li­an Drax­ler. „Wir wol­len in der Rück­run­de mit neu­en Stars an­grei­fen“, kün­dig­te er an, denn: Der Ka­der sei quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv in man­chen Pha­sen nicht aus­rei­chend. Was soll da wohl erst Hof­fen­heim sa­gen? Im­mer­hin: Das Schluss­licht, das eher un­glück­lich ver­lor, dürf­te sich trös­ten, dass es in Mä­zen Diet­mar Hopp den sol­ven­tes­ten Weih­nachts­mann der Li­ga hat. Und in Huub Ste­vens ei­nen Trai­ner, der weiß, wor­auf’s an­kommt: Die Ta­bel­le nach 17 Spie­len in­ter­es­sie­re ihn nicht, sag­te der Hol­län­der: „Die Ta­bel­le nach 34 Spiel­ta­gen ist wich­tig.“Da spricht ei­ner aus Er­fah­rung.

FOTO: AFP

Er­folg­rei­ches Stür­mer­duo: Ja­vier Her­nan­dez ali­as Chicha­ri­to und Ste­fan Kieß­ling fei­ern Le­ver­ku­sens Sieg in In­gol­stadt.

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