Zu­mut­bar und sinn­voll

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Chris­toph Pla­te c.pla­te@schwa­ebi­sche.de

Es gab für ein paar Mo­na­te ei­ne Zeit, in der es aus­reich­te zu sa­gen, man sei ein Sy­rer, und schon ge­lang­te man ins Land. Die ver­ein­fach­te Re­gis­trie­rung wur­de ein­ge­führt, um die schie­re Zahl sy­ri­scher Flücht­lin­ge be­wäl­ti­gen zu kön­nen. Und da die­se Men­schen so leicht nach Deutsch­land ge­lang­ten, le­dig­lich ei­nen Fra­ge­bo­gen aus­fül­len muss­ten, ent­wi­ckel­te sich in der Tür­kei ein äu­ßerst lu­kra­ti­ver Schwarz­markt für sy­ri­sche Iden­ti­täts­do­ku­men­te. Für ein paar Hun­dert Eu­ro konn­te man so vom Ira­ker zum Sy­rer wer­den.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) will die­se ver­ein­fach­te Re­gis­trie­rung sinn­vol­ler­wei­se wie­der ab­schaf­fen. Dass aber die Si­cher­heits­ex­per­ten von SPD und CDU aus­ge­rech­net in der nach­rich­ten­schwa­chen Zeit vor Weih­nach­ten die Wie­der­ein­füh­rung der Ein­zel­fall­prü­fung for­dern, wirkt ein biss­chen ver­dreht, denn die­se hät­te erst gar nicht auf­ge­ho­ben wer­den dür­fen. Auch wenn 99 Pro­zent der sy­ri­schen Flücht­lin­ge lie­bens­wer­te und schutz­be­dürf­ti­ge Men­schen sind, hilft doch die Ein­zel­fall­prü­fung da­bei je­ne her­aus­zu­fi­schen, die kom­men, um für das Re­gime von Ba­schar al-As­sad zu spit­zeln oder die – was auch im Süd­wes­ten schon ge­schah – Sym­pa­thie für die Ter­ror­an­grif­fe von Pa­ris zeig­ten. Wenn es ein we­nig län­ger dau­ert, den sy­ri­schen Ein­zel­fall zu über­prü­fen, ist das ei­ne zu recht­fer­ti­gen­de Här­te. So wird den Bür­gern das Ge­fühl zu­rück­ge­ge­ben, dass Po­li­zei und die Nach­rich­ten­diens­te wis­sen, wer da kommt.

Et­was welt­fremd wirkt die For­de­rung der Si­cher­heits­ex­per­ten aus der Gro­ßen Ko­ali­ti­on, man mö­ge die Se­ri­en­num­mern je­ner Päs­se si­cher­stel­len, die dem Is­la­mi­schen Staat in die Hän­de ge­fal­len sein sol­len. Sy­ri­sche oder li­by­sche Päs­se las­sen sich kin­der­leicht fäl­schen, der Preis de­fi­niert die Qua­li­tät.

Es ist die­ser Ta­ge viel die Re­de da­von, nicht je­ne Feh­ler zu wie­der­ho­len, die vor 60 Jah­ren bei der An­kunft der Gas­t­ar­bei­ter ge­macht wur­den. Das wird kaum pas­sie­ren. Aber es gilt, neue Feh­ler zu ver­mei­den. Und nicht ge­nau nach­zu­fra­gen, ist schon im­mer ein Feh­ler ge­we­sen.

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