AfD-Chef Meu­then dis­tan­ziert sich von Hö­cke – ein biss­chen

Streit in der AfD um den Um­gang mit Björn Hö­cke – Füh­ren­de Par­tei­mit­glie­der wol­len den Thü­rin­ger Rechts­au­ßen los­wer­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Si­mon Haas und Agen­tu­ren

RA­VENS­BURG/STUTTGART - Von Fest­tags­frie­den ist bei der AfD die­ser Ta­ge we­nig zu spü­ren. Schuld dar­an sind die um­strit­te­nen Äu­ße­run­gen des Thü­rin­ger Lan­des­chefs Björn Hö­cke. Füh­ren­de AfD-Mit­glie­der ha­ben ihm jetzt den Par­tei­aus­tritt na­he­ge­legt. Zu­letzt war Hö­cke we­gen bio­lo­gis­ti­scher Theo­ri­en über Mi­gran­ten in die Kri­tik ge­ra­ten. Auf­fäl­lig zu­rück­hal­tend gab sich in­des Jörg Meu­then, AfD-Spit­zen­kan­di­dat für die Land­tags­wahl. Ehe­ma­li­ge Par­tei­freun­de ver­mu­ten da­hin­ter Kal­kül.

Er sei nicht glück­lich mit Hö­ckes Aus­sa­gen zum „le­bens­be­ja­hen­den afri­ka­ni­schen Aus­brei­tungs­typ“, sag­te Jörg Meu­then der dpa in ei­ner kur­zen Stel­lung­nah­me. Im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“woll­te er die­se am Mon­tag al­ler­dings nicht wei­ter kom­men­tie­ren. Trotz sei­ner Ent­glei­sun­gen ha­be Hö­cke ei­ne zwei­te Chan­ce ver­dient, so Meu­then wei­ter. Aber: „Ver­än­dert er sein Ver­hal­ten nicht und wa­ren das kei­ne Aus­rut­scher, ist die AfD nicht die rich­ti­ge Par­tei für ihn.“

Deut­li­cher wur­de Meu­thens Par­tei­kol­le­ge Jörn Kru­se: Der Ham­bur­ger Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de nann­te Hö­cke ei­nen „Wie­der­ho­lungs­tä­ter“und des­sen Äu­ße­run­gen „ein­deu­tig ras­sis­tisch“. Es müs­se ei­nen „öf­fent­li­chen Auf­ruhr“ge­ben, ver­lang­te er in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“. Auch Bay­ern-Chef Petr Bys­tron will Hö­cke kei­ne zwei­te Chan­ce ge­ben: In der AfD herr­sche die Mei­nung vor, dass Hö­ckes Äu­ße­run­gen „kei­ne Aus­rut­scher“ge­we­sen sei­en. „Wenn er sol­che Sa­chen ver­brei­ten will, muss er sich ei­ne an­de­re Platt­form su­chen.“

Auch die Bun­des­spre­che­rin Frau­ke Pe­try ist ge­nervt von Hö­cke. Denn das Image ih­rer Par­tei wird im­mer stär­ker von dem Thü­rin­ger Rechts- au­ßen ge­prägt, der in der Asyl­de­bat­te re­gel­mä­ßig mit Stamm­tisch­pa­ro­len pro­vo­ziert. Von Süd­west-Chef Jörg Meu­then, der seit No­vem­ber gleich­be­rech­tig­ter Co-Bun­des­vor­sit­zen­der ist, kann Pe­try aber of­fen­bar we­nig Schüt­zen­hil­fe er­war­ten. Meu­then ge­gen Pe­try Wie die Deut­sche Pres­se­agen­tur am Mon­tag aus AfD-Krei­sen er­fuhr, hat sich Meu­then in der ver­gan­ge­nen Vor­stands­sit­zung so­gar ge­gen den Vor­schlag von Co-Bun­des­spre­che­rin Frau­ke Pe­try aus­ge­spro­chen, Hö­cke di­rekt zur Nie­der­le­gung sei­ner Par­tei­äm­ter auf­zu­for­dern. In der of­fi­zi­el­len Stel­lung­nah­me heißt es jetzt nur noch, Hö­cke sol­le „prü­fen, in­wie­weit sei­ne Po­si­tio­nen sich noch in Über­ein­stim­mung mit de­nen der AfD be­fin­den“. Dass der Hoch­schul- pro­fes­sor aus Ba­den-Würt­tem­berg ein Wolf im li­be­ra­len Pelz ist, hal­ten ehe­ma­li­ge Par­tei­freun­de aber für un­wahr­schein­lich. Sie ver­mu­ten viel­mehr, dass Meu­then drei Mo­na­te vor der Land­tags­wahl be­wusst Rück­sicht auf die Hö­cke-An­hän­ger in sei­nem Lan­des­ver­band neh­me.

Zu de­nen zählt bei­spiels­wei­se Du­brav­ko Man­dic. Er ist Mit­glied des Lan­des­schieds­ge­rich­tes. Bernd Köl­mel, ehe­ma­li­ger AfD-Vor­sit­zen­der in Ba­den-Würt­tem­berg, er­in­nert sich: „Vor ei­nem Jahr rief mich Meu­then völ­lig ent­setzt an, weil Man­dic auf Face­book ge­schrie­ben hat­te, US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma sei ein 'Quo­ten­ne­ger'“Was den Ex-AfD­ler är­gert: „Jetzt sitzt Meu­then im Bun­des­vor­stand der AfD und das Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren ge­gen Man­dic wird sang- und klang­los ein­ge­stellt.“

FOTO: DA­NI­EL DRE­SCHER

Jörg Meu­then übt nur zah­me Kri­tik an Hö­cke.

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