Ein klas­si­scher Ko­s­tüm­film

So­phie Barthes hat „Ma­dame Bo­va­ry“neu ver­filmt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Britta Schul­te­jans (dpa)

las­si­ker­ver­fil­mun­gen sind im­mer ein Ri­si­ko: Die Ge­schich­te ist be­kannt, die Er­war­tun­gen sind hoch – und Fil­me gab es meist auch schon in Hül­le und Fül­le. Das hat Re­gis­seu­rin So­phie Barthes nicht da­von ab­ge­hal­ten, Gus­ta­ve Flau­berts Klas­si­ker „Ma­dame Bo­va­ry“von 1857 neu zu in­sze­nie­ren.

Da­bei hat sie sich für ei­ne sehr klas­si­sche, düs­te­re Ins­ze­nie­rung ent­schie­den, für ei­nen Ko­s­tüm­film, wie er im Bu­che steht. Da­mit ver­langt sie dem Zu­schau­er zwar ab, sich auf un­ge­wöhn­lich lang­sa­mes Tem­po ein­zu­las­sen, aber das lohnt sich stre­cken­wei­se durch­aus. Und das liegt in ers­ter Li­nie an der Haupt­dar­stel­le­rin: Die Aus­tra­lie­rin Mia Wa­si­kow­s­ka scheint Ge­schmack ge­fun­den zu ha­ben an Ko­s­tüm­rol­len. Sie war zu­letzt als „Ja­ne Ey­re“zu se­hen.

Als „Ma­dame Bo­va­ry“ver­steht sie es, dem Zu­schau­er Ver­ständ­nis und Mit­leid eben­so zu ent­lo­cken wie ab­so­lu­tes Un­ver­ständ­nis und Wut. Sie spielt ei­ne Fi­gur zwi­schen un­bän­di­ger Le­bens­lust, Nai­vi­tät und skru­pel­lo­ser Selbst­sucht. So er­zählt sie die be­kann­te Ge­schich­te der jun­gen Em­ma Bo­va­ry, die aus der läh­men­den Ein­tö­nig­keit ih­res Le­ben in der Pro­vinz an der Sei­te des Arz­tes Charles Bo­va­ry flüch­ten will und sich da­bei in Af­fä­ren ver­strickt.

Der zwei­te gro­ße Plus­punkt des Films ist Rhys Ifans (Hugh Grants ex­zen­tri­scher Mit­be­woh­ner aus „Not­ting Hill“) als Kre­dit­hai Mon­sieur Lheu­reux. Sei­ne Fi­gur wech­selt zwi­schen zwar durch­schau­ba­rem, aber nicht min­der ver­füh­re­ri­schem Charme und töd­li­cher Kom­pro­miss­lo­sig­keit. Schließ­lich ver­gif­tet die Ma­dame sich am En­de mit Ar­sen.

Ihr Selbst­mord ist nicht nur der Schluss­punkt, son­dern auch der Be­ginn des Films, ei­ne dra­ma­ti­sche Klam­mer, die dem Zu­schau­er bei al­ler an­fäng­li­chen Le­bens­freu­de das dro­hen­de, dunk­le En­de im­mer vor Au­gen hält. Der Schwach­punkt des Films: ih­re Män­ner. Hen­ry Lloy­dHug­hes et­wa bleibt als Charles Bo­va­ry so blass wie sei­ne Rol­le. „Ma­dame Bo­va­ry“, Re­gie: So­phie Barthes, Groß­bri­tan­ni­en/ Bel­gi­en, 118 Mi­nu­ten, FSK ab 6 Jah­ren.

FOTO: WAR­NER BROS.

Mia Wa­si­kow­s­ka ( li.) ist ei­ne um­wer­fen­de Em­ma Bo­va­ry, Hen­ry Lloy­dHug­hes als ihr Mann Charles bleibt da­ge­gen blass.

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