Kurz­fris­ti­ge Diä­ten nüt­zen we­nig

Ärz­te for­dern mehr Prä­ven­ti­on bei Adi­po­si­tas – Zahl der Be­trof­fe­nen steigt wei­ter an

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - GESUNDHEIT -

RA­VENS­BURG (sz) - Die Fei­er­ta­ge ste­hen be­vor, und da­zu ge­hört auch das fest­li­che Ta­feln. Das soll hier nie­man­dem ver­miest wer­den. Aber so si­cher wie das Schlem­men zum Jah­res­en­de, ist auch das Jam­mern zum Jah­res­an­fang. Die Ho­se zwickt, die Blu­se spannt, der mitt­le­re Ring ist un­schön an­ge­wach­sen. Diä­t­emp­feh­lun­gen und Fit­nesstipps ma­chen dann die Run­de, aber der Er­folg ist sel­ten von Dau­er.

Die­se Er­fah­run­gen sind heu­te All­ge­mein­gut, denn ein Pro­blem mit der Fi­gur hat über die Hälf­te der Bun­des­bür­ger. Wie die jüngs­ten Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes er­ge­ben, wa­ren 2013 52 Pro­zent der Er­wach­se­nen über­ge­wich­tig. Acht Jah­re zu­vor wa­ren es noch et­was we­ni­ger als 50 Pro­zent. Män­ner sind da­bei stär­ker von Über­ge­wicht be­trof­fen als Frau­en. Im Jahr 2013 wa­ren 62 Pro­zent der Män­ner und 43 Pro­zent der Frau­en zu dick. Auch rund 15 Pro­zent der Kin­der und Ju­gend­li­chen sind über­ge­wich­tig.

Wie bei der dies­jäh­ri­gen Ta­gung der Deut­schen Adi­po­si­tas-Ge­sell­schaft (DAG) in Ber­lin be­tont wur­de, nimmt mit zu­neh­men­der Ver­brei­tung der Adi­po­si­tas auch die Zahl der Men­schen zu, die an schwer­wie­gen­den Fol­ge­krank­hei­ten lei­den. Zu die­sen ge­hö­ren vor al­lem Her­zK­reis­lauf-Er­kran­kun­gen, be­stimm­te Krebs­ar­ten wie Le­ber- und Darm­krebs so­wie Dia­be­tes mel­li­tus (Zu­cker­krank­heit) vom Typ 2. Mehr als sechs Mil­lio­nen Men­schen sind in Deutsch­land an Dia­be­tes er­krankt. Erb­an­la­ge und Le­bens­stil för­dern Über­ge­wicht Zwar hat Adi­po­si­tas auch ei­ne ge­ne­ti­sche Grund­la­ge, die­se wird aber laut DAG durch man­geln­de Be­we­gung so­wie ka­lo­ri­en­rei­che, we­nig sät­ti­gen­de Er­näh­rung ge­för­dert. Um ein re­du­zier­tes Kör­per­ge­wicht dau­er­haft hal­ten zu kön­nen, müss­ten be­trof­fe­ne Per­so­nen le­bens­lang auf ei­nen ge­sun­den Le­bens­stil ach­ten.

„Kurz­fris­ti­ge Re­duk­ti­ons­diä­ten ver­rin­gern nur für ei­ne kur­ze Zeit das Kör­per­ge­wicht und scha­den lang­fris­tig mehr, als sie nüt­zen. Ge­wicht­hal­ten nach er­folg­rei­cher Ge­wichts­ab­nah­me ist meist nur mit Un­ter­stüt­zung des so­zia­len Um­felds und ei­ner lang­fris­ti­gen, ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­schen Be­treu­ung mög­lich. Auch chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe sei­en mög­lich. Die­se kä­men für Kin­der al­ler­dings nicht in­fra­ge, sag­te bei der Jah­res­ta­gung Mar­tin Wa­b­itsch, Prä­si­dent der DAG so­wie ärzt­li­cher Lei­ter des Hor­mon­zen­trums und des en­do­kri­no­lo­gi­schen For­schungs­la­bors an der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Kin­der- und Ju­gend­me­di­zin in Ulm. „Wis­sen­schaft­ler und The­ra­peu­ten sind da­her mehr denn je ge­for­dert, in­ter­dis­zi­pli­när zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, um ver­bes­ser­te Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men und neue the­ra­peu­ti­sche An­sät­ze zu ent­wi­ckeln, die die­sem wach­sen­den Pro­blem ent­ge­gen- wir­ken“, so Wa­b­itsch wei­ter. Au­ßer­dem müs­se auch die Po­li­tik re­agie­ren. „Wir wer­den die Adi­po­si­ta­se­pi­de­mie nur mit Hil­fe der Po­li­tik ein­däm­men kön­nen, denn wir ha­ben es mit ei­nem kom­ple­xen, ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Phä­no­men zu tun.“

Wich­tig sei es auch, mehr über die mo­le­ku­la­ren und bio­che­mi­schen Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Le­bens­stil, Adi­po­si­tas und de­ren Fol­ge­er­kran­kun­gen zu er­fah­ren, sag­te An­net­te Schür­mann, Spre­che­rin des Deut­schen Zen­trums für Dia­be­tes­for­schung. Auf die­se Wei­se sei es mög­lich, neue Be­hand­lungs­stra­te­gi­en zu ent­wi­ckeln. Wenn man die Fra­ge be­ant­wor­ten kön­ne, war­um nicht je­der adi­pö­se Mensch au­to­ma­tisch auch an ei­ner Stoff­wech­sel­stö­rung lei­de, lie­ßen sich Per­so­nen leich­ter iden­ti­fi­zie­ren, die be­son­ders ge­fähr­det sind, an Dia­be­tes zu er­kran­ken. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen im In­ter­net auch un­ter www.adi­po­si­tas­ge­sell­schaft. de

FOTO: COLOURBOX

Für man­che Men­schen ist der Blick auf die Waa­ge ei­ne Mut­pro­be.

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