Mit­som­mer­nachts­fest im Win­ter

Kat­zen­jam­mer brau­chen kei­ne Büh­nen­show, um das Pu­bli­kum zum Tan­zen zu brin­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE - Von Karin Geu­pel

STUTTGART - Al­les was es über Kat­zen­jam­mer zu le­sen gibt, klingt nett: Da ist die Re­de von vier sym­pa­thi­schen Nor­we­ge­rin­nen, die ins­ge­samt mehr als zehn In­stru­men­te, dar­un­ter Ba­l­a­lai­ka und Ak­kor­de­on, be­herr­schen. Ih­re be­kann­tes­ten Lie­der „I Will Dan­ce (When I Walk Away)“oder „La­dy Grey“klin­gen mit Akus­tik­gi­tar­ren und Glo­cken­spiel pop­pig-fröh­lich und nach zehn Jah­ren Band­be­ste­hen zäh­len die Mu­si­ke­rin­nen mit ih­rer un­be­schwert fröh­li­chen Art im­mer noch zu New­co­mern. Die Harm­lo­sig­keit kom­plett macht schließ­lich die In­for­ma­ti­on, dass die Frau­en in ei­ner nor­we­gi­schen Ta­l­ent­show ent­deckt wur­den.

Au­ßen­ste­hen­de, die noch nie auf ei­nem Kat­zen­jam­mer-Kon­zert wa­ren, könn­ten da leicht zu dem Schluss kom­men, dass nett eben doch nicht das Rich­ti­ge für ein Rock­kon­zert ist. Nett ist ja be­kannt­lich – Sie wis­sen schon.

Dass sie viel mehr als nur nett sein kön­nen, zei­gen Kat­zen­jam­mer bei ih­rem Kon­zert am Frei­tag­abend in der Stutt­gar­ter Por­sche-Are­na schon bei den ers­ten Klän­gen. Der vier­stim­mi­ge Ge­sang ge­paart mit tie­fen Trom­mel­schlä­gen scheint da wie ei­ne Wand auf die Zu­schau­er zu­zu­ra­sen und plötz­lich ist man mit­ten drin in ei­nem rau­schen­den Mit­som­mer­nachts­fest in Skan­di­na­vi­en. Die gu­te Lau­ne der Band über­trägt sich schon bei den ers­ten zwei Lie­dern auf die rund 5000 Men­schen im Saal und dann gibt es über zwei St­un­den lang kein Hal­ten mehr. Bei mit­tel­al­ter­li­chen Rhyth­men springt das Pu­bli­kum wild durch die Ge­gend. Und beim chan­son­ar­ti­gen „Mo­ther Su­pe­ri­or“tanzt das ein oder an­de­re Pär­chen im Pu­bli­kum auch ein­fach mal ei­nen Wie­ner Wal­zer.

An­ne Ma­rit Berg­heim, Solveig Hei­lo, Tu­rid J. Ho­ne­rud und Ma­ri­an­ne Sveen schaf­fen es, trotz stän­di­ger In­stru­men­ten­wech­sel, al­les leicht und spon­tan wir­ken zu las­sen. Da wird dann auch mal ein Roa­die auf die Büh­ne ge­winkt, weil Ma­ri­an­ne Sveen eben­falls spon­tan ei­nen Wie­ner Wal­zer auf der Büh­ne tan­zen möch­te. Und da das oh­ne Mu­sik der an­de­ren schlecht geht, spie­len die ein­fach wei­ter und freu­en sich an der Aus­ge­las­sen­heit ih­rer Band­kol­le­gin.

Ga­lopp durch die Gen­res Von Ska über Blues bis zu lang­sa­men Bal­la­den ha­ben die Nor­we­ge­rin­nen wirk­lich fast je­des Mu­sik­gen­re im Ge­päck. Und ob­wohl die Show der Mu­si­ke­rin­nen sich aus­schließ­lich auf die Büh­ne be­schränkt und auf­grund der vie­len In­stru­men­ten­wech­sel kaum In­ter­ak­ti­on mit dem Pu­bli­kum statt­fin­det, stei­gert sich die Stim­mung von Song zu Song. Kat­zen­jam­mer brau­chen we­der gro­ße Vi­deo­lein­wän­de, noch ei­ne gro­ße Büh­nen­show. Ih­re Stim­men, die mit­rei­ßen­den Rhyth­men und ih­re gu­te Lau­ne rei­chen voll­kom­men.

Le­dig­lich zu den vier Zu­ga­ben gibt es dann doch noch et­was Kon- fet­ti und Luft­bal­lons für die Zu­schau­er. Viel­leicht war das zur Ablen­kung ge­dacht, falls sich die Zu­schau­er dann doch fra­gen soll­ten, was da jetzt noch kom­men soll.

Die gro­ßen Hits hat­ten Kat­zen­jam­mer zu die­sem Zeit­punkt näm­lich längst ge­spielt. Gleich zu An­fang kam das gut mit­sing­ba­re „Rock, Pa­per, Scis­sors“und „I Will Dan­ce“(When I Walk Away) wur­de ge­nau­so wie die ak­tu­el­le Sing­le „My Own Tu­ne“ein­fach ir­gend­wo im Haupt­pro­gramm ver­steckt. Kein Pro­blem aber für die Band, denn zu die­sem Zeit­punkt hät­te das Pu­bli­kum wohl auch „Al­le mei­ne Ent­chen“ge­fei­ert. So war es dann auch nicht ver­wun­der­lich, dass das Pu­bli­kum die Frau­en sehr un­gern von der Büh­ne ver­ab­schie­de­te und sie mi­nu­ten­lang fei­ert, als schon längst die Mu­sik für den Ab­bau an­ge­fan­gen hat­te.

Ein Kon­zert von Kat­zen­jam­mer ist al­so viel mehr als nur nett, es ist ein Fest für Ge­hör­sinn und Tanz­bei­ne.

FOTO: PAAL AUDESTAD

Bei Kat­zen­jam­mer wirkt al­les leicht und spon­tan.

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