Kri­tik an Be­hör­den nach Schlamm­la­wi­ne

In der süd­chi­ne­si­schen Stadt Shen­zhen schwin­det Hoff­nung auf Über­le­ben­de

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Jörn Petring

PE­KING (dpa) - Ei­nen Tag nach dem Ab­rut­schen ei­nes Schutt­ber­ges in Shen­zhen be­fürch­ten Chi­nas Be­hör­den Dut­zen­de To­te. Ei­ne La­wi­ne aus Bau­ab­fäl­len und Schlamm hat­te am Sonn­tag mehr als 30 Wohn­häu­ser und Fa­b­rik­ge­bäu­de un­ter sich be­gra­ben. Wie die Nach­rich­ten­agen­tur Xin­hua be­rich­te­te, wur­den am Mon­tag­abend noch min­des­tens 85 Men­schen ver­misst. Fast 3000 Ret­ter such­ten nach Ver­schüt­te­ten. 13 Men­schen konn­ten Hel­fer bis zum Abend ber­gen.

„Es ist klar, dass die­ses Un­glück hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn die Re­gie­rung frü­her et­was un­ter­nom­men hät­te“, sagt ein An­woh­ner. In dem In­dus­trie­park türm­ten sich am Mon­tag rot­brau­ne Ge­röll­mas­sen. Ret­ter sag­ten, die Über­le­bens­chan­cen un­ter dem Schutt sei­en in­zwi­schen äu­ßerst ge­ring.

Hal­de soll­te still­ge­legt wer­den In Shen­zhen sind vie­le Men­schen wü­tend: Sie ha­ben den Ver­dacht, dass das Un­glück hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen. Star­ke Re­gen­fäl­le sol­len nach ers­ten Er­kennt­nis­sen der Be­hör­den die La­wi­ne aus­ge­löst ha­ben. Sie lös­ten sich von ei­ner ge­wal­ti­gen Hal­de aus Bau­schutt und aus­ge­ho­be­ner Er­de. „Zu groß“und „zu steil“sei die­ser Schutt­berg ge­we­sen, teil­ten of­fi­zi­el­le Stel­len am Tag nach der Ka­ta­stro­phe mit. Die „South Chi­na Morning Post“zi­tier­te aus ei­nem Re­gie­rungs­be­richt, wo­nach die Hal­de be­reits im Fe­bru­ar hät­te still­ge­legt wer­den sol­len. Den­noch soll noch bis kurz vor dem Un­glück Bau­schutt dort an­ge­lie­fert wor­den sein.

Vie­le Men­schen in der Ge­gend hät­ten sich schon län­ger vor dem Müll­hau­fen ge­fürch­tet: „Ich fah­re dort ge­le­gent­lich vor­bei, um Es­sen aus­zu­lie­fern. Es war klar, dass frü­her oder spä­ter et­was pas­sie­ren muss­te“, kri­ti­siert Herr Sun, der ein Re­stau­rant in der Nä­he des In­dus­trie­parks be­treibt: „Jetzt ist es wie ein zwei­tes Tian­jin.“

Der Na­me der Ha­fen­stadt Tian­jin steht für ei­nes der schlimms­ten Un­glü­cke die­ses Jah­res in Chi­na: Mehr als 170 Men­schen wa­ren in der nord­ost­chi­ne­si­schen Ha­fen­stadt im Au­gust nach der Ex­plo­si­on ei­nes Che­mie­l­a­gers ums Le­ben ge­kom­men. Die Be­trei­ber hat­ten Si­cher­heits­vor­schrif­ten nicht ein­ge­hal­ten, kor­rup­te Be­am­te sa­hen dar­über hin­weg.

In Chi­nas In­dus­trie kommt es im­mer wie­der zu ähn­lich tra­gi­schen Un­fäl­len. We­gen des star­ken Wirt­schafts­wachs­tums in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten blie­ben in vie­len In­dus­trie­zwei­gen Si­cher­heits­vor­schrif­ten und vor al­lem de­ren Kon­trol­le auf der Stre­cke. Nach der Ka­ta­stro­phe in Tian­jin ging die Re­gie­rung zwar hart ge­gen Re­gel­ver­stö­ße vor. Der Un­fall in Shen­zhen ist aber er­neut ein deut­li­ches Si­gnal, dass noch im­mer vie­ler­orts mit Vor­schrif­ten lasch um­ge­gan­gen wird.

Pe­king CHI­NA

Guang­zhou

Shen­zhen

100 km

GUANG­DONG

Hong­kong

Qu­el­le:

FOTO: DPA

Er­de und Schutt scho­ben in Shen­zhen Dut­zen­de Ge­bäu­de mit sich und be­gru­ben an­de­re voll­stän­dig.

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