Rö­mer ma­chen oh­ne Mu­se­um wei­ter

Auch künf­tig soll es Ak­tio­nen ge­ben – Grup­pen ge­hen erst ein­mal ei­ge­ne We­ge

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

EN­NETACH - Die Schlie­ßung des Rö­mer­mu­se­ums in En­netach be­deu­tet auf kei­nen Fall das Aus der Rö­mer­grup­pe. Bei­de Sei­ten der Grup­pe, die sich im ver­gan­ge­nen Jahr zer­strit­ten hat­te, si­gna­li­sier­ten, für das kom­men­de Jahr Ak­ti­vi­tä­ten zu pla­nen und sich neu auf­zu­stel­len. Ver­mut­lich wer­den bei­de La­ger zu­nächst ge­trenn­te We­ge ge­hen. Auf lan­ge Sicht, da sind sich die bei­den Ver­tre­ter der Grup­pen, Jür­gen Schaf­fer und Wolf­gang Fran­ke, al­ler­dings ei­nig, sei aber nur ei­ne Rö­mer­grup­pe sinn­voll.

Jür­gen Schaf­fer, der als Mit­glied der Frei­en Bür­ger im Ge­mein­de­rat sitzt, hat bei der Ent­schei­dung über die Schlie­ßung des Rö­mer­mu­se­ums kei­ne Stim­me ab­ge­ge­ben, son­dern sich ent­hal­ten. Dass er die Schlie­ßung sehr be­dau­ert, ver­hehlt er al­ler­dings nicht. Auch wenn es die Rö­mer­grup­pe schon vor dem Bau des Mu­se­ums ge­ge­ben ha­be, hät­te sich mit der Zeit ei­ne in­ten­si­ve Zu­sam­men­ar­beit ent­wi­ckelt, von der bei­de Sei­ten pro­fi­tiert hät­ten. „Ge­ra­de was die ge­schicht­li­chen Hin­ter­grün­de an­ging, hat­ten wir durch die Mu­se- um­s­lei­te­rin viel Rück­halt“, sagt er. Ju­dith Sei­fert und ihr Mann sei­en selbst in der Rö­mer­grup­pe ak­tiv ge­we­sen und man sei ei­ne „gu­te Trup­pe“ge­we­sen. „Es sind Freund­schaf­ten ge­schlos­sen wor­den, die wir nicht auf­ge­ben, nur weil das Mu­se­um schließt“, be­tont er. Das Ehe­paar Sei­fert wol­le sich auch wei­ter in die Grup­pe ein­brin­gen.

„Es fällt dann na­tür­lich das Mu­se­um als Dreh- und An­gel­punkt der Ak­ti­vi­tä­ten weg“, sagt Jür­gen Schaf­fer. Wol­le die Stadt bei­spiels­wei­se noch mit den Rö­mern auf Mes­sen wer­ben, wenn es kein Mu­se­um mehr ge­be? Auch vie­le päd­ago­gi­sche An­ge­bo­te, bei de­nen die Rö­mer­grup­pe das Mu­se­um un­ter­stützt hät­te, sei­en nicht so ein­fach al­lein auf die Bei­ne zu stel­len.

Auch ha­be die Mu­se­ums­lei­te­rin Ak­tio­nen wie das Rö­mer­fest aus dem Mu­se­ums­bud­get mit­fi­nan­zie­ren kön­nen. „Wir müs­sen uns nun Ge­dan­ken ma­chen, wie wir uns auf­stel­len“, so Schaf­fer. Or­ga­ni­sa­to­risch und fi­nan­zi­ell. Es wer­de bei­spiels­wei­se dar­über nach­ge­dacht, sich ei­nem be­ste­hen­den Ver­ein an­zu­schlie­ßen. Kon­kre­te Plä­ne ge­be es aber noch nicht. Man wol­le sich zu­sam­men­set­zen und auch dar­über spre­chen, wie die Mu­se­ums­füh­rer und ihr Wis­sen in Ak­ti­vi­tä­ten in­te­griert wer­den kön­nen.

Ide­en lie­gen in der Schub­la­de Wolf­gang Fran­ke hält der­weil die Grün­dung ei­nes Ver­eins oder den An­schluss an ei­nen be­ste­hen­den für nicht not­wen­dig. „Das ist doch nur un­nö­ti­ge Ar­beit“, sagt er. „Das Schö­ne an un­se­rer In­ter­es­sen­ge­mein­schaft ist doch, dass wir voll­kom­men frei sind.“Die Grup­pe um Fran­ke hat­te sich im ver­gan­ge­nen Jahr we­gen di­ver­ser Un­stim­mig­kei­ten ein we­nig aus der Rö­mer­grup­pe zu­rück­ge­zo­gen. „Da­bei hat uns al­les im­mer sehr viel Spaß ge­macht. An­ge­fan­gen von den Mes­sen über Fes­te und ei­ge­ne Ak­tio­nen“, sagt er. Er sieht die Schlie­ßung des Mu­se­ums als Start­schuss für ei­nen Neu­an­fang der Rö­mer­grup­pe. „Die wol­len wir auf kei­nen Fall fal­len las­sen, da­für ma­chen wir das zu ger­ne.“

Vie­le hät­ten sich wie er Ko­s­tü­me und Aus­stat­tung auf ei­ge­ne Kos­ten an­ge­schafft. „Jetzt bren­nen al­le dar­auf, wie­der durch­zu­star­ten und et- was auf die Bei­ne zu stel­len.“In der Schub­la­de lä­gen bei­spiels­wei­se noch Ide­en, die sich beim ver­gan­ge­nen Rö­mer­fest nicht um­set­zen lie­ßen. „Wir schaf­fen das auch oh­ne fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung von der Stadt“, ist Fran­ke si­cher. „Wir pa­cken al­le mit an und dann läuft das schon.“Um zu zei­gen, dass es die Rö­mer wei­ter gibt, könn­te er sich et­wa ei­nen spon­tan or­ga­ni­sier­ten Stand auf dem Wo­chen­markt in Men­gen vor­stel­len.

Dass es ir­gend­wann ei­ne Aus­spra­che zwi­schen den bei­den La­gern der Grup­pe ge­ben soll­te, hält Fran­ke für zwin­gend not­wen­dig. „Es muss ein Ge­spräch ge­ben, denn auf Dau­er kön­nen zwei Rö­mer­grup­pen kei­ne Lö­sung sein.“Schon al­lein we­gen der ge­mein­sa­men Aus­rüs­tung müss­te es ei­ne Klä­rung ge­ben. Er­zwin­gen kön­ne man na­tür­lich nichts. „Die Grup­pe muss von selbst wie­der zu­sam­men­wach­sen, das geht nicht von jetzt auf gleich.“Am En­de ent­schei­de je­der Rö­mer für sich, mit wem für ihn ei­ne ge­mein­sa­me Grup­pe mög­lich sei und mit wem nicht. Auch Jür­gen Schaf­fer ist da rea­lis­tisch. „Zwei se­pa­ra­te Grup­pen kann ich mir nur schwer vor­stel­len“, sagt er.

FOTO: ARCHIV

Nur weil das Rö­mer­mu­se­um in En­netach schließt, muss sich die Rö­mer­grup­pe nicht auf­lö­sen. Wei­te­re Ak­ti­vi­tä­ten wer­den ge­plant.

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