Neue Fest­hal­le an glei­cher Stel­le geht nicht

Hoch­was­ser­schutz­be­stim­mun­gen brin­gen Ve­rin­gen­stadt in ei­ne schwie­ri­ge Si­tua­ti­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB/ LAU­CHERT - Von Ignaz Stös­ser

VE­RIN­GEN­STADT - Die Hoch­was­ser­ge­fah­ren­kar­ten des Lan­des und die da­mit ver­bun­de­nen Be­stim­mun­gen brin­gen die Stadt Ve­rin­gen­stadt in ei­ne un­an­ge­neh­me Si­tua­ti­on: Die Stadt darf die drin­gend sa­nie­rungs­be­dürf­ti­ge Turn- und Fest­hal­le nicht ab­rei­ßen und an der glei­chen Stel­le neu er­rich­ten. Es sei denn mit Schutz­maß­nah­men, aber die sind teu­er.

Zwar ge­be es zur Sa­nie­rung der Hal­le noch kei­ne Plä­ne, und es sei auch noch nicht ent­schie­den, ob die Stadt ei­ne neue Hal­le bau­en möch­te, doch ei­ne ge­wis­se Ein­schrän­kung in der Ent­schei­dungs­frei­heit sei das schon, sagt Bür­ger­meis­ter Ar­min Christ. Die Fest­hal­le stammt aus dem Jahr 1964, und der Bür­ger­meis­ter will die Be­ra­tun­gen über die Sa­nie­rung oder den Neu­bau mög­lichst bald auf die Ta­ges­ord­nung set­zen. „Wir wer­den uns über­le­gen müs­sen, ob wir die Hal­le even­tu­ell an ei­ner an­de­ren Stel­le bau­en kön­nen“, so Christ. Die neu­en Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Hoch­was­ser se­hen vor, dass je­ne

TRAU­ER­AN­ZEI­GEN Be­rei­che des Stadt­ge­biets, die bei ei­nem so­ge­nann­ten Jahr­hun­dert­hoch­was­ser be­trof­fen sind, nur mit ei­ner ent­spre­chen­den Hoch­was­ser­schutzo­der mit ei­ner Aus­gleichs­maß­nah­me wie­der be­baut wer­den dür­fen.

Aber nicht nur die Fest­hal­le, son­dern auch das Schul­ge­bäu­de und das ehe­ma­li­ge Kin­der­gar­ten­ge­bäu­de sind be­trof­fen. Wäh­rend an der Schu­le der­zeit kei­ne Sa­nie­rung vor­ge­se­hen ist, soll das Kin­der­gar­ten­ge­bäu­de ab­ge­ris­sen wer­den, weil es ma­ro­de ist. Wie­der­be­bau­ungs­plä­ne des Grund­stücks gibt es der­zeit nicht. Aber die Hoch­was­ser­be­stim­mun­gen las­sen ei­ne mög­li­che Be­bau­ung in noch wei­te­re Fer­ne rü­cken. Auch im Wohn­ge­biet Ti­rol gibt es Flä­chen, die bei ei­nem Jahr­hun­dert­hoch­was­ser über­schwemmt wer­den. Für pri­va­te Bau­her­ren gilt die glei­che Re­gel: Be­ste­hen­de Ge­bäu­de kön­nen sa­niert wer­den, wenn je­mand aber ab­rei­ßen und neu bau­en will, muss er die ent­spre­chen­den Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men be­ach­ten. Ein­schrän­kung für die Stadt Bür­ger­meis­ter Christ be­tont, dass die­se Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men nur beim so­ge­nann­ten Jahr­hun­dert­hoch­was­ser zum Tra­gen kom­men. „Was wir 2013 in Ve­rin­gen­stadt hat­ten, gilt als ex­tre­mes Hoch­was­ser und war schlim­mer als ein Jahr­hun­dert­hoch­was­ser“, sagt er. Wenn die Hoch­was­ser­schutz­be­stim­mun­gen für all die Flä­chen gel­ten soll­ten, die 2013 über­schwemmt ge­we­sen sei­en, wä­re das für die Ent­wick­lung der Stadt ei­ne gro­ße Ein­schrän­kung. Da­mit sich ein ex­tre­mes Hoch­was­ser nicht wie­der­holt, plant die Stadt ge­mein­sam mit wei­te­ren neun Kom­mu­nen, die an der Lau­chert lie­gen, wei­te­re Hoch­was­ser- sagt Bür­ger­meis­ter

Ar­min Christ. schutz­maß­nah­men und ein Früh­warn­sys­tem. Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um hat be­reits die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung der Maß­nah­men zu­ge­sagt.

Die Hoch­was­ser­ge­fah­ren­kar­ten gibt es für man­che Re­gio­nen Ba­denWürt­tem­bergs be­reits seit et­wa zwei Jah­ren. Für die Alb-Lau­chert-Ge­gend wur­den sie nach dem Hoch­was­ser von 2013 über­ar­bei­tet. Sie kön­nen jetzt von je­der­mann im In­ter­net ein­ge­se­hen wer­den. Die Kar­ten kön­nen so weit her­an­ge­zoomt wer­den, dass je­der er­ken­nen kann, ob sein Grund­stück von ei­nem even­tu­el­len Hoch­was­ser be­trof­fen ist. Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um will die Kom­mu­nen dar­über hin­aus in den kom­men­den Ta­gen auch mit ge­druck­ten Kar­ten ver­sor­gen. Ve­rin­gen­stadt räumt den Bür­gern die Mög­lich­keit ein, die­se Kar­ten im Rat­haus ein­zu­se­hen.

Die Teil­or­te Her­men­tin­gen und Ve­rin­gen­dorf wa­ren zwar vom Hoch­was­ser 2013 be­trof­fen, doch bei ei­nem Jahr­hun­dert­hoch­was­ser wer­den die Or­te laut Bür­ger­meis­ter Christ nur ge­ring­fü­gig tan­giert. Da­durch ge­be es hier bei Bau­vor­ha­ben kaum Ein­schrän­kun­gen.

„Was wir 2013 in Ve­rin­gen­stadt hat­ten, gilt als ex­tre­mes

Hoch­was­ser“,

FO­TO: SA­BI­NE RÖSCH

Ve­rin­gen­stadt ver­sucht mit di­ver­sen Maß­nah­men, die Hoch­was­ser­ge­fahr für die Stadt zu mi­ni­mie­ren. Die Lau­chert wur­de aus­ge­bag­gert. Den Aus­hub ha­ben Land­wir­te und ver­schie­de­ne Fir­men über­nom­men (un­ser Bild). Die neu­en Hoch­was­ser­schutz­be­stim­mun­gen kom­men der Stadt aber nicht ge­le­gen: Die Fest­hal­le liegt in ei­ner aus­ge­wie­se­nen Über­flu­tungs­zo­ne, in der stren­ge­re Bau­vor­schrif­ten gel­ten.

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