Ge­spannt auf die Au­gen der klei­nen Ve­re­na

Biathlon-Re­kord­welt­meis­te­rin Mag­da­le­na Neu­ner über Weih­nach­ten, den Wett­kampf auf Schal­ke und ih­re Er­ben

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

WALL­GAU - Re­kord­welt­meis­te­rin Mag­da­le­na Neu­ner ver­folgt die Auf­trit­te der deut­schen Bi­ath­le­ten mit gro­ßer Freu­de. Im Interview mit dem Sport-In­for­ma­ti­ons-Di­enst (SID) ver­rät die 28-Jäh­ri­ge aber auch, dass Toch­ter Ve­re­na mitt­ler­wei­le der ab­so­lu­te Mit­tel­punkt in ih­rem Le­ben ist. Frau Neu­ner, die deut­schen Bi­ath­le­tin­nen trump­fen der­zeit groß auf. War das so zu er­war­ten? Das ist na­tür­lich su­per und ein Stück weit schon über­ra­schend. Denn sie lie­fern nun ja schon über meh­re­re Wett­kämp­fe tol­le Ren­nen ab. Ich fin­de es po­si­tiv über­ra­schend und su­per­schön. Cha­peau an die Mä­dels. Glau­ben Sie, dass Staf­fel-Welt­meis­te­rin Lau­ra Dahl­mei­er in Ih­re Fuß­stap­fen tre­ten kann? Ich glau­be, sie kann das. Aber ich bin bei so et­was im­mer vor­sich­tig. Lau­ra ist Lau­ra. Ich ha­be es da­mals auch nicht ge­mocht, als man frag­te, ob ich die neue Uschi Disl bin. Aber Lau­ra hat es drauf. Ihr Vor­teil ist, dass sie ei­ne ex­trem gu­te Schüt­zin ist und über die Gren­zen ge­hen kann. Das ha­be ich bei mir auch im­mer ge­sagt, dass mich das von den an­de­ren un­ter­schie­den hat. Und was ist mit Mi­ri­am Göss­ner? Ich ha­be mich für sie ge­freut, dass es so toll in Hoch­fil­zen ge­lau­fen ist. Der drit­te Rang im Sprint war un­heim­lich wich­tig. Sie braucht das für ihr Selbst­be­wusst­sein. Im Lau­fen ist sie ja fast schon wie­der da, wo sie ein­mal war. Und beim Schie­ßen fehlt ein­fach nur ein biss­chen die Cool­ness. Ste­hen die deut­schen Män­ner trotz Über­flie­ger Si­mon Sch­empp da­her ein biss­chen im Schat­ten der Frau­en? Das glau­be ich nicht un­be­dingt, ich fin­de bei­de Teams enorm stark. Si- mon Sch­empp bei­spiels­wei­se ist in be­ste­chen­der Form und ein kla­res Ass im Är­mel. Auch Erik Les­ser hat, den­ke ich, noch nicht al­les ge­zeigt, was er kann. Das ist ganz all­ge­mein be­trach­tet ei­ne star­ke Mann­schaft. Sie dür­fen sich an der Klas­se der Deut­schen haut­nah wie­der beim Sta­di­on-Event auf Schal­ke freu­en (am 28. De­zem­ber). Ein be­son­de­rer Ort? De­fi­ni­tiv, ich ha­be die Ren­nen auf Schal­ke in ver­schie­dens­ten Rol­len erlebt. Und ich fin­de, dass sich der Wett­kampf enorm ge­macht hat. Ich freue mich rie­sig auf die neue Stre­cke und auf die vie­len Zu­schau­er. Das wird wie­der ei­ne Wahn­sinns­stim­mung. Biathlon ist, was Zu­schau­er an­geht, ja durch­aus ver­wöhnt. Aber Schal­ke ist noch mal ei­ne an­de­re Num­mer. Für die Ath­le­ten ist es et­was Be­son­de­res, wie die Fuß­bal­ler in ein Sta­di­on ein­zu­lau­fen. Zu­dem bie­tet es Men­schen, die viel­leicht nicht zum Welt­cup kön­nen, die Mög­lich­keit, ein Ren­nen zu se­hen. Soll­ten al­so meh­re­re Events wie das auf Schal­ke in den Wett­kampf­ka­len­der auf­ge­nom­men wer­den? Nein, ich fin­de es gut, wie es ist. Es ist gut, die­ses ei­ne Ren­nen um die Jah­res­wen­de zu ha­ben, da­mit auch die Sport­ler mal et­was an­de­res er­le­ben. Und vor dem Ren­nen auf Schal­ke am 28. De­zem­ber wird be­sinn­lich Weih­nach­ten ge­fei­ert? Ja, auf je­den Fall. Es ist schön, dann ein­fach Zeit mit der Fa­mi­lie zu ver­brin­gen. Ich fei­er’ zu­sam­men mit mei­nem Mann und un­se­rer Toch­ter, es wird sich die­ses Jahr viel um die Klei­ne dre­hen. Und ich bin schon auf ih­re Au­gen ge­spannt, wenn es zur Be­sche­rung kommt. Al­so sind al­le Ge­schen­ke be­sorgt? Bis auf ein paar Klei­nig­kei­ten ha­be ich al­les bei­sam­men. Wir ha­ben das aber in der Fa­mi­lie – bis auf mein Kind und die Pa­ten­kin­der – ex­trem re­du­ziert. Es wird nicht mehr so viel ge­schenkt, son­dern lie­ber viel Zeit mit­ein­an­der ver­bracht. Denn das ist oft zu kurz ge­kom­men. Wie schaut der All­tag der Mag­da­le­na Neu­ner sonst aus? Füh­ren Sie das nach dem Biathlon pro­phe­zei­te „Nor­ma­lo-Le­ben“? Im Gro­ßen und Gan­zen füh­re ich ein nor­ma­les Le­ben. Zwei Ta­ge bin ich in der Wo­che un­ter­wegs, um bei Spon­so­ren­ter­mi­nen auf mei­ne Art und Wei­se zu ar­bei­ten. Aber ich kann das per­fekt mit dem Fa­mi­li­en­le­ben ver­ein­ba­ren und viel Zeit mit mei­ner Toch­ter ver­brin­gen. Ich kann al­les im­mer selbst ent­schei­den, das ge­nie­ße ich un­heim­lich. Mag­da­le­na Neu­ner, zwei­fa­che Olym­pia­sie­ge­rin und zwölf­fa­che Welt­meis­te­rin im Biathlon, legt Wert auf ei­ne re­li­giö­se Er­zie­hung ih­rer 2014 ge­bo­re­nen Toch­ter Ve­re­na An­na. „ Sie wird im Glau­ben er­zo­gen, aber nicht streng ka­tho­lisch“, sag­te die neue ARD- Win­ter­sport­ex­per­tin der „ Bild am Sonn­tag“. Ihr sei wich­tig, dass ih­re Toch­ter im Glau­ben Halt fin­den kön­ne. „ Dass sie weiß: Da ist je­mand, der uns führt.“Es sei für Kin­der auch schön, ge­mein­sam ein Ge­bet zu spre­chen. Ve­re­na sol­le auch wis­sen, dass es zu Weih­nach­ten den hei­li­gen Ni­ko­laus und das Je­sus­kind ge­be und nicht den Weih­nachts­mann, der die Ga­ben durch den Schorn­stein brin­ge. Sie wol­le ih­re Toch­ter nicht da­zu zwin­gen, „ ka­tho­li­scher als ka­tho­lisch zu wer­den“, sag­te die frü­he­re Ath­le­tin. „ Das Schöns­te ist, wenn sich die Kin­der selbst da­für in­ter­es­sie­ren.“

FOTO: IMAGO

Vor­freu­de auf die „ Biathlon World Team Chal­len­ge 2015“im Schal­keS­ta­di­on: Mag­da­le­na Neu­ner.

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