Viel Ei­gen­lob bei Kli­nik­fi­nan­zie­rung

Land er­höht Mit­tel für Kran­ken­haus­bau – Mi­nis­te­rin sieht Süd­wes­ten gut auf­ge­stellt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTTGART - Das Land för­dert den Kran­ken­haus­bau im Süd­wes­ten 2016 mit 255 Mil­lio­nen Eu­ro, fünf Mil­lio­nen mehr als noch in die­sem Jahr. Mit dem Geld sol­len un­ter an­de­rem die Sa­nie­rung des Bet­ten­hau­ses C am Tutt­lin­ger Kli­ni­kum (an­ge­mel­de­te Kos­ten: 21,9 Mil­lio­nen Eu­ro), der Neubau des Lo­gis­tik­zen­trums am Kli­ni­kum Fried­richs­ha­fen (21,4 Mil­lio­nen Eu­ro) so­wie die Sa­nie­rung der Ge­burts­hil­fe und des Pfle­ge­be­reichs des OSK-Kli­ni­kums in Wan­gen (6,7 Mil­lio­nen Eu­ro) un­ter­stützt wer­den. Das St­auf­er­kli­ni­kum Schwä­bisch Gmünd soll für knapp 13,4 Mil­lio­nen Eu­ro ei­ne neue Not­auf­nah­me er­hal­ten. Der Groß­teil der Lan­des­gel­der soll 2016 al­ler­dings nach Karls­ru­he, Bruch­sal und in den Raum Stuttgart flie­ßen.

Ins­ge­samt gibt es ein kla­res SüdNord-Ge­fäl­le in der För­de­rung: Wäh­rend die bei­den nörd­li­chen Re­gie­rungs­be­zir­ke Stuttgart und Karls­ru­he 17 Pro­jek­te ge­för­dert be­kom­men, sind es in den Re­gie­rungs­be­zir­ken Frei­burg und Tü­bin­gen ins­ge­samt nur vier. Alt­pe­ter er­klär­te, in der Ver­gan­gen­heit sei un­ter an­de­rem Ra­vens­burg gut be­dacht wor­den. Zu­dem ge­he sie da­von aus, dass es bald mehr An­trä­ge aus Ober­schwa­ben ge­ben wer­de – nach der Neu­ord­nung der Kli­ni­k­land­schaft im Land­kreis Bi­be­rach er­war­tet das Mi­nis­te­ri­um in den nächs­ten Mo­na­ten För­der­an­trä­ge.

Bleibt bei den für 2016 be­wil­lig­ten Pro­jek­ten Geld über, könn­te auch St. Eli­sa­beth in Ra­vens­burg zum Zu­ge kom­men – das OSK-Kran­ken­haus hat beim Land ei­ne 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Auf­sto­ckung um 36 Bet­ten an­ge­mel­det. Kommt Ra­vens­burg im kom­men­den Jahr nicht zum Zu­ge, ha­be es 2017 „höchs­te Prio­ri­tät“, ver­sprach So­zi­al­mi­nis­te­rin Ka­trin Alt­pe­ter (SPD). „Wir ha­ben Wort ge­hal­ten“Die Mi­nis­te­rin zog ei­ne durch­wegs po­si­ti­ve Re­gie­rungs­bi­lanz in Sa­chen Kran­ken­haus: Wäh­rend die al­te Re­gie­rung zwi­schen 2006 und 2011 et­wa 996,1 Mil­lio­nen Eu­ro an Lan­des­mit­teln in den Kran­ken­haus­bau ge­steckt ha­be, sei­en es un­ter Grün-Rot in die- ser Le­gis­la­tur 1,47 Mil­li­ar­den, al­so 47,5 Pro­zent mehr. Der von den Kran­ken­haus­trä­gern ge­mel­de­te In­ves­ti­ti­ons­stau sei von 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro bei Alt­pe­ters Amts­an­tritt auf 213 Mil­lio­nen ab­ge­schmol­zen. „Wir ha­ben Wort ge­hal­ten und den In­ves­ti­ti­ons­stau ab­ge­baut – bei gleich­zei­tig ho­her Qua­li­tät der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung“, bi­lan­zier­te die Mi­nis­te­rin. We­ni­ger Kli­ni­ken, we­nig Bet­ten Ins­ge­samt sei das Land sei­ner Ver­ant­wor­tung ei­ner zu­kunfts­fes­ten Kli­ni­k­land­schaft ge­recht ge­wor­den, sag­te Alt­pe­ter: Zwi­schen 2000 und 2014 schrumpf­te die Zahl der Kran­ken­haus­stand­or­te von 291 auf 253. Ba­denWürt­tem­berg hat mit 524 Bet­ten je 100 000 Ein­woh­ner nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums die ge­rings­te Bet­ten­dich­te al­ler 16 Bun­des­län­der, bei den sta­tio­nä­ren Kos­ten je Ein­woh­ner lag der Süd­wes­ten im Jahr 2013 auf Platz vier. Für Alt­pe­ter sind dies Be­le­ge, dass das Land sei­ner Ver­ant­wor­tung für wirt­schaft­lich ge­sun­de Kli­ni­ken ge­recht ge­wor­den sei. Nun sei der Bund, der für ei­ne aus­kömm­li­che Fi­nan­zie­rung im lau­fen­den Be­trieb zu­stän­dig sei, am Zug. Tief­ro­te Zah­len in Stuttgart Das Land sieht sich auch nicht zu­stän­dig bei ope­ra­ti­ven Schief­la­gen wie in Stuttgart. Da för­dert das Land auch im kom­men­den Jahr In­ves­ti­tio­nen ins kom­mu­na­le Kli­ni­kum, ob­wohl die städ­ti­schen Kran­ken­häu­ser im lau­fen­den Ge­schäft mas­siv Geld ver­bren­nen: Am Frei­tag be­rich­te­te die „Bild“-Zei­tung von ei­nem Jah­res­ver­lust von 26 Mil­lio­nen Eu­ro, die Kran­ken­haus­ge­sell­schaft geht „nur“von 19,9 Mil­lio­nen Eu­ro Mie­sen im Jahr aus. Au­ßen­stän­de in Mil­lio­nen­hö­he ha­ben sich die Stutt­gar­ter mit der Be­hand­lung ly­bi­scher Pri­vat­pa­ti­en­ten ein­ge­han­delt, weil die­se teils ih­re Rech­nun­gen nicht be­zahl­ten.

„Das Be­triebs­kosten­er­geb­nis ob­liegt dem Trä­ger“, er­klär­te Alt­pe­ter zwar und spielt die Ver­ant­wor­tung da­mit an den Stutt­gar­ter Ge­mein­de­rat zu­rück. Doch äu­ßer­te sie Un­ver­ständ­nis für die Pa­ti­en­ten­su­che in Nord­afri­ka. Ziel der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung sei ei­ne „qua­li­ta­tiv gu­te und flä­chen­de­cken­de“Ver­sor­gung.

FOTOS: MAYER/ RASEMANN/ GER­ARDS

Die Kli­ni­ken in Fried­richs­ha­fen ( oben), Wan­gen ( Mit­te) und Tutt­lin­gen (un­ten) kön­nen mit Geld aus dem Jah­res­kran­ken­haus­bau­pro­gramm 2016 rech­nen.

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