Bei­spiel­haft für die NPD

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Mar­kus Riedl m. riedl@ schwa­ebi­sche. de

Man kann leb­haft dar­über dis­ku­tie­ren, ob ein hal­bes Jahr auf Be­wäh­rung an­ge­mes­sen ist für je­man­den, der sich sei­ne per­ver­se Über­zeu­gung samt KZ-Um­ris­sen für al­le Le­bens­zeit als Tat­too in die Haut ste­chen lässt. Man kann das Ur­teil ge­gen Mar­cel Z. als zu mil­de emp­fin­den oder als aus­rei­chend. Doch dar­um geht es im Kern nicht.

Viel wich­ti­ger ist, dass durch den Pro­zess das We­sen der rechts­ex­tre­men NPD ein­mal mehr au­gen­fäl­lig wird. Durch die Ver­ur­tei­lung von Mar­cel Z., der un­ter an­de­rem im Kreis­tag Bar­nim sitzt, wur­de deut­lich, wes’ Geis­tes Kind auch die Amts­trä­ger die­ser Par­tei sind. Er ver­kör­pert mit sei­nem Tat­too die­se wi­der­li­che An­samm­lung von Rechts­ex­tre­men und Neo­na­zis, die im­mer wie­der in Wort und Tat zei­gen, wie sie zu Frei­heit, Rechts­staat und De­mo­kra­tie ste­hen. Wer sein Kreuz bei der NPD macht, wählt nicht den Pro­test, son­dern den Rechts­ex­tre­mis­mus.

Dass es durch ein NPD-Ver­bot plötz­lich kei­ne Neo­na­zis mehr in Deutsch­land gä­be, darf aber be­zwei­felt wer­den. Viel­mehr gilt es, zi­vil­ge­sell­schaft­lich und straf­recht­lich ge­gen rechts­ex­tre­me Um­trie­be vor­zu­ge­hen. Ob Ge­gen­de­mos bei NPD-Auf­mär­schen oder Straf­an­zei­gen ge­gen fa­schis­ti­sche Ti­ra­den wie im Fall Mar­cel Z. – es gibt ge­nug Mög­lich­kei­ten, wenn man nur den nö­ti­gen Mut hat.

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