Den Staat um­krem­peln

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

Seit No­vem­ber stellt die na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ve Par­tei Recht und Ge­rech­tig­keit ( PiS) in Po­len die Re­gie­rung. All­zu kon­ser­va­tiv im Wort­sinn hat sie sich bis­her nicht ge­zeigt: Statt Al­tes zu be­wah­ren, be­setzt sie vie­le zen­tra­le Pos­ten in Po­li­tik und Jus­tiz neu – trotz mas­si­ver Pro­tes­te von Ju­ris­ten und der Op­po­si­ti­on. Ein Über­blick:

Ver­fas­sungs­ge­richt: Vor dem Macht­wech­sel hat­te das al­te li­be­ral­kon­ser­va­ti­ve Par­la­ment noch schnell meh­re­re neue Ver­fas­sungs­rich­ter ge­wählt. Doch Po­lens Prä­si­dent An­drzej Du­da, der selbst von der PiS no­mi­niert wor­den war, woll­te die de­si­gnier­ten Rich­ter nicht ver­ei­di­gen. Kaum an der Macht, ver­ab­schie­de­te die neue Re­gie­rung im Schnell­durch­gang ein Ge­setz, wo­nach sie fünf neue Rich­ter wäh­len darf. Prompt wur­den die auch von Du­da ver­ei­digt. Der­zeit wird im Par­la­ment über ein wei­te­res Ge­setz ver­han­delt: Ver­fas­sungs­rich­ter dürf­ten dem­nach Ur­tei­le nur noch mit Zwei­drit­tel­mehr­heit statt ein­fa­cher Mehr­heit fäl­len. Zu­dem müss­ten 13 von 15 ( statt bis­her neun) Rich­tern im Plenum an­we­send sein. Laut Op­po­si­ti­on wür­de das Ge­richt da­durch im Grun­de ar­beits­un­fä­hig wer­den.

Begna­di­gung: Prä­si­dent Du­da be­gna­dig­te im No­vem­ber den Ex- Chef der An­ti­kor­rup­ti­ons­be­hör­de, Ma­ri­usz Ka­min­ski. Der war in ers­ter In­stanz we­gen Amts­miss­brauchs zu drei Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den und leg­te da­ge­gen Be­ru­fung ein. Du­da ent­schied je­doch nach ei­ge­ner Aus­sa­ge, „ die Jus­tiz von die­ser An­ge­le­gen­heit zu ent­bin­den“. Ka­min­ski ist ein pro­mi­nen­tes Mit­glied der re­gie­ren­den PiS; Du­da war es bis zu sei­ner Wahl zum Prä­si­den­ten eben­falls.

Na­to- Eklat: In ei­ner nächt­li­chen Ak­ti­on Mit­te De­zem­ber setz­te die neue Re­gie­rung den Lei­ter ei­nes neu­en Na­to- Kom­pe­tenz­zen­trums für Spio­na­ge­ab­wehr in Warschau ab. Der pol­ni­sche Au­ßen­mi­nis­ter Wi­told Wasz­c­zy­kow­ski sag­te im Rund­funk, die dort ar­bei­ten­den Sol­da­ten hät­ten die Si­cher­heits­prü­fung nicht be­stan­den.

Rot- Weiß statt Blau- Gelb: Eher sym­bo­li­scher Na­tur war ei­ne Ak­ti­on von Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Bea­ta Szydlo kurz nach ih­rer Wahl: Auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz ließ sie die sonst üb­li­chen EU- Fah­nen ge­gen pol­ni­sche aus­tau­schen. Schließ­lich ge­he es um na­tio­na­le The­men, sag­te Szydlo. ( dpa)

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