Zwei­ge­teil­tes Land

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Chris­toph Pla­te c. pla­te@ schwa­ebi­sche. de

Oh­ne Po­len gä­be es heu­te kein frei­es Eu­ro­pa. Der Kampf ge­gen die so­wje­ti­sche Fremd­herr­schaft hat – ver­kürzt ge­sagt – auch zum Fall der Ber­li­ner Mau­er ge­führt. Das his­to­ri­sche Be­wusst­sein für die ei­ge­ne Stär­ke ist vie­len Po­len in die Wie­ge ge­legt wor­den. Das ne­ben Frank­reich wich­tigs­te Nach­bar­land für Deutsch­land war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein Vor­zei­ge­mo­dell für die Vor­zü­ge, die ein ge­ein­tes Eu­ro­pa bringt.

In kei­nem an­de­ren ost­eu­ro­päi­schen Land ha­ben die För­der­gel­der aus Brüssel, die Sti­pen­di­en und die Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men mit west­li­chen Part­nern zu ei­nem der­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung ge­führt. Aber die Seg­nun­gen des Booms und der eu­ro­päi­schen Idee ka­men vor al­lem im Wes­ten des Lan­des an. In vie­len Ort­schaf­ten im Os­ten, an der Gren­ze zu Weiß­russ­land und der Ukrai­ne, emp­fan­den sich die Bür­ger als Ver­lie­rer der po­li­ti­schen Mo­der­ni­sie­rung.

Die Spre­cher der schein­bar Ver­nach­läs­sig­ten sind nun in Warschau an der Macht. Sie bau­en nicht nur die Jus­tiz um, sie ver­su­chen Thea­ter­stü­cke zu ver­bie­ten und die Film­för­de­rung zu be­ein­flus­sen. Ja­roslaw Kac­zyn­ski und sei­ne na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ve PiS wün­schen Über­sicht­lich­keit und Uni­for­mi­tät.

Die EU prüft be­reits kri­tisch, was Kac­zyn­ski aus die­sem Land macht. Eu­ro­pa bleibt aber vor al­lem die Hoff­nung auf je­ne Po­len, die sich nicht gän­geln las­sen wol­len.

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