CDU und SPD im­mer ähn­li­cher, die AfD wächst

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von An­ne-Bea­tri­ce Clas­mann

ären die Um­fra­ge­wer­te der SPD in die­sem Jahr ei­ne Herz­strom­kur­ve, der Pa­ti­ent wür­de wohl bald für tot er­klärt. Die Wer­te schwank­ten im Jah­res­ver­lauf kaum. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten lie­gen seit Jah­res­be­ginn in der Wäh­ler­gunst kon­ti­nu­ier­lich zwi­schen 24 und 26 Pro­zent. Ähn­lich sta­bil ist es bei der Link­s­par­tei, die im Jah­res­ver­lauf zwi­schen acht und zehn Pro­zent os­zil­liert. „Die ein­zi­ge Dy­na­mik im Par­tei­en­spek­trum se­hen wir zur­zeit an der Gren­ze zwi­schen der AfD und den Kon­ser­va­ti­ven“, sagt der Ber­li­ner Po­li­to­lo­ge und ehe­ma­li­ge SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Nils Die­de­rich.

Doch die Fra­ge, was heut­zu­ta­ge kon­ser­va­tiv ist – oder wo rechts auf­hört und links be­ginnt, ist gar nicht so ein­fach zu be­ant­wor­ten. Laut ei- ner ak­tu­el­len Be­fra­gung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts In­fra­test Di­map ver­or­te­ten die Wäh­ler die CDU erst­mals links der Mit­te. Im rech­ten Spek­trum se­hen sie au­ßer der CSU nur noch die Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) – und ganz weit rechts die NPD. Die AfD hat auf dem Feld, das sie be­spielt, kaum Kon­kur­ren­ten. Ganz an­ders da­ge­gen die SPD, de­ren Po­si­tio­nen aus Sicht der Wäh­ler nur et­was wei­ter rechts lie­gen als die der Grü­nen und un­we­sent­lich wei­ter links als die der CDU von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel.

Die Uni­on er­reicht ih­ren bes­ten Wert in den Um­fra­gen zur Par­tei­en­prä­fe­renz für den Bun­des­tag Mit­te März mit 43 Pro­zent. An­schlie­ßend geht sie auf Tal­fahrt – wenn auch auf ho­hem Ni­veau. Die von Kanz­le­rin Mer­kel (CDU) ein­ge­for­der­te „Will­kom­mens­kul­tur“für Flücht­lin­ge wird da­ge­gen nicht nur von Rechts- ex­tre­men ab­ge­lehnt, son­dern auch von ei­nem Teil der kon­ser­va­tiv den­ken­den Bür­ger kri­ti­siert.

Die AfD, die nach der Ab­spal­tung ih­res li­be­ral-kon­ser­va­ti­ven Flü­gels bei der so­ge­nann­ten Sonn­tags­fra­ge im Som­mer von fünf auf drei Pro­zent ab­rutscht, liegt dank ih­rer ab­leh­nen­den Hal­tung in Sa­chen Zu­wan­de­rung zum Jah­res­en­de bei min­des­tens acht Pro­zent. Die Par­tei, die in­zwi­schen von Frau­ke Pe­try ge­lei­tet wird, ern­tet für ih­re For­de­rung nach we­ni­ger Zu­wan­de­rung und mehr Grenz­kon­trol­len vor al­lem in den öst­li­chen Bun­des­län­dern und in Bay­ern gro­ßen Zu­spruch. „Die AfD schwimmt auf ei­ner Wo­ge von Skep­sis, die Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik aus­ge­löst hat. Des­halb ist es im Mo­ment eher wahr­schein­lich, dass sie 2017 in den Bun­des­tag ein­zie­hen wird“, ana­ly­siert Die­de­rich. An ein Come­back der FDP auf Bun­des­ebe­ne glaubt er da- ge­gen nicht: „Die ein­zi­ge freie Po­si­ti­on, die sie be­set­zen könn­te, wä­re die ei­nes kon­se­quen­ten Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus, und da­für gibt es im Mo­ment kein gro­ßes In­ter­es­se.“

Dass sich an der Ver­tei­lung der Wäh­ler­gunst 2016 viel än­dern wird, ist aus Sicht von Par­tei­en­for­schern nicht ab­seh­bar. Es sei denn, es kä­men plötz­lich deut­lich we­ni­ger Flücht­lin­ge nach Deutsch­land, oder die AfD wür­de sich durch mas­si­ve in­ter­ne Que­re­len wie­der ein­mal selbst scha­den. Ak­tu­ell ste­hen die Zei­chen bei der AfD al­ler­dings auf Wachs­tum. Nach­dem die Par­tei in ih­rer An­fangs­pha­se Mit­glie­der von Uni­on, SPD und Link­s­par­tei ab­ge­wor­ben hat­te, kom­men der­zeit nach An­ga­ben von Par­tei­spre­cher Chris­ti­an Lüth vor al­lem Men­schen zur AfD, die bis­her kei­ner Par­tei an­ge­hör­ten. Die zweit­größ­te Grup­pe stell­ten ent­täusch­te Ex-Mit­glie­der der CDU. (dpa)

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