Vie­le Fir­men igno­rie­ren die neue Frau­en­quo­te

Kul­tur­wan­del in Füh­rungs­eta­gen lässt auf sich war­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Ras­mus Buch­stei­ner

BER­LIN - Ab Ja­nu­ar 2016 gilt es: 101 Groß­un­ter­neh­men in Deutsch­land sind ver­pflich­tet, die ge­setz­li­che Frau­en­quo­te von 30 Pro­zent in ih­ren Auf­sichts­rä­ten zu er­fül­len und sich Ziel­vor­ga­ben zu set­zen, was Frau­en in den Vor­stän­den be­trifft. Nun zeigt sich, dass ei­ni­ge Kon­zer­ne – dar­un­ter Top-Un­ter­neh­men wie Por­sche, Fre­se­ni­us, Eon oder die Com­merz­bank – 2016 kei­ne Frau­en in den Vor­stand be­ru­fen wol­len. Vie­le Fir­men er­rei­chen die ge­setz­lich vor­ge­ge­be­ne 30- Pro­zent-Quo­te für Auf­sichts­rä­te bis­her nicht. Der An­teil der Ma­na­ge­rin­nen in den obers­ten Kon­troll­gre­mi­en der Dax-30-Un­ter­neh­men be­trug im Au­gust 26,7 Pro­zent. Da­bei gibt es er­staun­li­che Un­ter­schie­de: Vorn liegt Hen­kel mit ei­nem Frau­en­an­teil von 44 Pro­zent, Fre­se­ni­us und Fre­se­ni­us Me­di­cal Care hat­ten nicht ei­ne ein­zi­ge Frau im Auf­sichts­rat. Die deut­sche Wirt­schaft steht nun vor der St­un­de der Wahr­heit: In vie­len Un­ter­neh­men steht 2016 und 2017 die Neu­be­set­zung von Füh­rungs­gre­mi­en an. Schaf­fen sie die Quo­te nicht, dro­hen Sank­tio­nen: Wird das 30-Pro­zent-Ziel ver­fehlt, müs­sen Auf­sichts­rats­plät­ze, die ei­gent­lich Män­ner er­hal­ten soll­ten, ent­spre­chend un­be­setzt blei­ben („Lee­rer Stuhl“).

Die ge­setz­li­che Frau­en­quo­te ist ein Pres­ti­ge­pro­jekt der SPD in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on. An­ge­la Mer­kel und die Uni­on hat­ten das Vor­ha­ben eher zäh­ne­knir­schend mit­ge­tra­gen. Die zu­stän­di­gen Res­sort­chefs, Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig und Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (bei­de SPD), nah­men ges­tern die Wirt­schaft noch ein­mal in die Pflicht. „Ich er­war­te von den Un­ter­neh­men, dass sie es ernst mei­nen mit der von ih­nen selbst so häu­fig ge­prie­se­nen Viel­falt in den Füh­rungs­eta­gen.“Es ge­hö­re zum „Ein­mal­eins des Ma­nage­ments“, sich Zie­le zu set­zen und al­les dar­an zu set­zen, die­se Zie­le auch zu er­rei­chen“. Jus­tiz­mi­nis­ter Maas schloss sich dem Ap­pell an. Frau­en sei­en ein Ge­winn für je­des Un­ter­neh­men. „Nur wer geis­tig im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert ste­cken ge­blie­ben ist, glaubt an die Mär, es gä­be nicht ge­nug ge­eig­ne­te Frau­en“, so der Jus­tiz­mi­nis­ter. „Das ist ei­ne jäm­mer­li­che Aus­re­de.“Noch nie ha­be es ei­ne so gut aus­ge­bil­de­te Ge­ne­ra­ti­on von Frau­en ge­ge­ben wie heu­te: „Das muss sich end­lich auch in den Chef­eta­gen wi­der­spie­geln.“

Die Wirt­schaft ha­dert wei­ter mit der schwarz-ro­ten Quo­ten-Re­ge­lung. „Ei­ne star­re Quo­te ist und bleibt ein er­heb­li­cher Ein­griff in die un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit“, heißt es vom Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI). Es ge­be aber spür­ba­re Fort­schrit­te bei den An­stren­gun­gen der Un­ter­neh­men, die Vor­ga­ben zu er­fül­len. Spür­ba­re Fort­schrit­te? Ab­ge­se­hen von den 101 Groß­un­ter­neh­men, die jetzt ver­pflich­tet sind, die 30-Pro­zent-Quo­te zu er­rei­chen, gibt es auch noch rund 3500 Un­ter­neh­men, die sich jetzt selbst Ziel­vor­ga­ben für die Re­prä­sen­ta­ti­on von Frau­en in ih­ren Füh­rungs­gre­mi­en set­zen müs­sen. Die­se „Selbst­ver­pflich­tun­gen“sind bis­lang nicht son­der­lich am­bi­tio­niert. Man­che Fir­men ar­bei­ten mit der Ziel­vor­ga­be Null.

FOTO: DPA

Ma­nue­la Schwe­sig

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