So ist das Haus­tier auch nach Herr­chens Tod gut ver­sorgt

Wer sich recht­zei­tig Ge­dan­ken um die Ver­sor­gung macht, kann sei­nem Tier vie­les er­spa­ren

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - TIERE - Von Ju­lia Ruhnau

BONN (dpa) - Im Fall der Fäl­le hat es si­cher nicht obers­te Prio­ri­tät, trotz­dem soll­te es gut über­legt sein: Was pas­siert ei­gent­lich mit dem ei­ge­nen Haus­tier, wenn man stirbt? „Je­des Tier lei­det an dem Ver­lust sei­ner Be­zugs­per­son“, sagt Lea Schmitz vom Deut­schen Tier­schutz­bund. Bei Tie­ren, die ei­ne en­ge Bin­dung zum Men­schen auf­bau­en, zum Bei­spiel Hun­de, sei dies be­son­ders deut­lich. Da­mit der ei­ge­ne Tod für die Vier­bei­ner nicht schlim­mer als nö­tig wird, kön­nen Be­sit­zer vor­sor­gen.

Das be­ginnt schon vor dem Kauf: „Man soll­te dar­an den­ken, dass man sich mit 85 Jah­ren kei­nen Wel­pen mehr holt“, rät Jes­si­ca Juds vom Tier­schutz­ver­ein Sa­del­kow in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Auch bei Ar­ten, die lan­ge le­ben, et­wa Schild­krö­ten oder gro­ße Pa­pa­gei­en­ar­ten, ist die Pla­nung be­son­ders wich­tig, be­tont Schmitz.

Ein ers­ter Schritt ist, dass die Tie­re kurz­fris­tig ver­sorgt sind. Da­zu ge­hört, Fut­ter und Was­ser in den Napf zu fül­len, be­vor die Be­sit­zer das Haus ver­las­sen. Au­ßer­dem ist mit­un­ter ein Zet­tel in der Geld­bör­se sinn­voll, auf dem steht, dass zu Hau­se ein Tier war­tet, sagt Juds. Das hilft auch, wenn man bei­spiels­wei­se ins Kran­ken­haus muss. Auch so­zia­le Kon­tak­te zu den Nach­barn oder zu Be­kann­ten auf der täg­li­chen Gas­si­rou­te sind gut – sie den­ken im Not­fall viel­leicht an das zu­rück­ge­blie­be­ne Tier.

Be­son­ders wich­tig ist aber, sich lang­fris­tig Ge­dan­ken zu ma­chen, was mit dem Haus­tier ge­sche­hen soll. Dar­über soll­te man aus­führ­lich mit An­ge­hö­ri­gen und Freun­den spre­chen. „Wir ha­ben schon Tie­re be­kom­men, weil sie durch die Erb­schaft an Fa­mi­li­en­mit­glie­der ge­gan­gen sind und die sie nicht neh­men konn­ten“, er­zählt Juds. Auch wenn kein Tes­ta­ment exis­tiert, lan­den die Tie­re viel­leicht im Heim. Sie wer­den dann durch das zu­stän­di­ge Ve­te­ri­när­amt ver­mit­telt. An Auf­la­gen knüp­fen Wer das nicht will, hat meh­re­re Mög­lich­kei­ten. Zum ei­nen kön­nen Be­sit­zer in ih­rem Tes­ta­ment fest­le­gen, wer von den Er­ben das Tier be­kom­men soll. Da­mit es gut ver­sorgt ist, macht es Sinn, das Er­be an Auf­la­gen zu knüp­fen: Da­für legt man im Tes­ta­ment fest, was die Er­ben zu tun ha­ben, zum Bei­spiel Tier­arzt­be­su­che oder die Ga­be be­stimm­ter Me­di­ka­men­te. „Wenn die Leu­te das nicht ma­chen, be­kom­men sie das Er­be nicht“, er­klärt Stefanie Her­zog, Er­brechts­ex­per­tin beim Deut­schen An­walt­ver­ein.

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit ist, je­man­den als Ver­mächt­nis­neh­mer ein- zu­set­zen. Das ist hilf­reich, wenn Be­sit­zer ihr Tier Men­schen an­ver­trau­en wol­len, die kei­ne Er­ben sind. Durch das Ver­mächt­nis wird si­cher­ge­stellt, dass sie die Ver­sor­gung über­neh­men und das Tier bei­spiels­wei­se nicht von An­ge­hö­ri­gen ins Tier­heim ge­ge­ben wird. Auch da­bei ist es mög­lich, das Ver­mächt­nis an Auf­la­gen zu bin­den. Wer sein Tier auch fi­nan­zi­ell gut ver­sorgt wis­sen will, kann ein Zweck­ver­mächt­nis auf­set­zen und ei­nen Be­trag fest­le­gen, der an Aus­ga­ben für das Tier ge­bun­den ist.

Rechts­an­wäl­tin Her­zog rät, in Tes­ta­ment oder Ver­mächt­nis im­mer auch Er­satz­per­so­nen an­zu­ge­ben. Schließ­lich kön­ne es vor­kom­men, dass die Um­stän­de sich än­dern und die ei­gent­li­chen Er­ben das Tier nicht neh­men kön­nen. Egal, wie sie sich ent­schei­den – Be­sit­zer soll­ten mit den je­wei­li­gen Be­kann­ten oder Ver­wand­ten vor­her ge­nau be­spre­chen, was mit dem Haus­tier ge­sche­hen soll. Denn nie­mand ist ge­zwun­gen, ein Er­be an­zu­tre­ten.

Um die Zeit bis zur Tes­ta­ments­ver­kün­dung zu über­brü­cken, kön­nen Tier­hal­ter au­ßer­dem ei­ne Be­treu­ungs­voll­macht aus­stel­len. Dar­in wird fest­ge­legt, wer sich um die Ver­sor­gung des Haus­tie­res küm­mert, wenn man selbst da­zu nicht mehr in der La­ge ist. Her­zog emp­fiehlt, das Do­ku­ment nicht bei den Tes­ta­ments­un­ter­la­gen auf­zu­be­wah­ren, son­dern dem Be­voll­mäch­tig­ten di­rekt zu ge­ben. Ei­ne Lis­te mit Be­son­der­hei­ten oder dem Cha­rak­ter des Tie­res hilft zu­künf­ti­gen Be­treu­ern eben­falls.

Und was, wenn sich nie­mand fin­det, der für die Be­treu­ung auf­kom­men kann oder will? „Hun­de und Kat­zen kön­nen auch an den Tier­schutz­ver­ein ge­hen“, sagt Schmitz. Bei grö­ße­ren oder exo­ti­schen Tie­ren wird das schon schwie­ri­ger. Auch hier soll­ten Be­sit­zer mit dem Wunsch­tier­heim ge­naue Ab­spra­chen tref­fen. Ge­ne­rell ist es aber bes­ser, den Vier­bei­nern mög­lichst we­ni­ge Ve­rän­de­run­gen zu­zu­mu­ten, egal ob Meer­schwein, Schild­krö­te oder Esel. Denn nicht nur der Ver­lust der Be­zugs­per­son, auch ein Orts­wech­sel und neue Art­ge­nos­sen be­deu­ten Stress für ein Tier.

FOTO: DPA

Tier­hal­ter le­gen am bes­ten schrift­lich – et­wa in ei­nem Tes­ta­ment – fest, was nach ih­rem Tod mit dem Haus­tier ge­sche­hen soll.

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