Ra­ke­te meis­tert his­to­ri­sches Ma­nö­ver

Fal­con-9 des Un­ter­neh­mers Elon Musk lan­det nach Flug ins All wie­der auf der Er­de

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Mar­tin Biale­cki

WA­SHING­TON (dpa) - Es ist ein gro­ßer Schritt für die Raum­fahrt: Am Mon­tag­abend (Orts­zeit) ist in den USA zum ers­ten Mal ein Teil ei­ner Trä­ger­ra­ke­te nach dem Flug ins All wie­der auf der Er­de ge­lan­det. Die US-Fir­ma SpaceX schoss die Fal­con-9 200 Ki­lo­me­ter hoch in den Welt­raum. Sie lan­de­te nach ih­rer Mis­si­on heil und auf­recht wie­der an ih­rem Start­platz.

Die et­wa 70 Me­ter ho­he Ra­ke­te star­te­te am Welt­raum­bahn­hof Ca­pe Ca­na­veral (Flo­ri­da). Nach we­ni­gen Mi­nu­ten trenn­te sie ih­re obers­te Stu­fe ab. Die­se setz­te elf Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sa­tel­li­ten im All aus. Da­nach flog die Fal­con-9 zu­rück und lan­de­te elf Mi­nu­ten nach dem Start wie­der in Flo­ri­da. Vor sechs Mo­na­ten noch war ei­ne ähn­li­che Trä­ger­ra­ke­te we­ni­ge Mi­nu­ten nach dem Start ex­plo­diert. Kos­ten für Raum­fahrt sen­ken Keh­ren Ra­ke­ten künf­tig zur Er­de zu­rück, kann man sie wie­der­ver­wen­den. So wür­den Raum­trans­por­te er­heb­lich bil­li­ger. Ein­mal ins All ge­schos­sen, wa­ren die teu­ren Flug­ge­rä­te bis­her nicht mehr zu ge­brau­chen.

Die staat­li­che US-Raum­fahrt­agen­tur Nasa hat­te für ih­re Mis­sio­nen die Space Shut­tles ge­nutzt, die zwar auf der Er­de lan­den konn­ten, aber ih­rer­seits mit Trä­ger­ra­ke­ten ins All be­för­dert wur­den. 2011 lan­de­te zum letz­ten Mal ein Shut­tle. Trans­por­te von As­tro­nau­ten zur In­ter­na- tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS über­nah­men da­nach rus­si­sche So­jus-Ra­ke­ten.

Die am Mon­tag er­folg­reich ge­lan­de­te ers­te Ra­ke­ten­stu­fe ist et­wa so groß wie ein 14-stö­cki­ges Haus. Sie sei der teu­ers­te Teil des ge­sam­ten Flug­ge­rä­tes, schrieb die Tech-Sei­te „The Ver­ge“. Der Grund: Sie trägt die Mo­to­ren und den Treib­stoff in den Welt­raum.

Nach der miss­glück­ten letz­ten Ope­ra­ti­on im Ju­ni stand für SpaceX

Elon Musk, Chef der Fir­ma SpaceX am Mon­tag viel auf dem Spiel. Das Un­ter­neh­men hat Ver­trä­ge mit der Nasa und soll ab 2017 auch As­tro­nau­ten zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS be­för­dern.

Das Un­ter­neh­men hat­te be­reits mehr­fach ver­sucht, ei­ne Ra­ke­te wie­der lan­den zu las­sen, zu­letzt auf schwim­men­den Platt­for­men. Aber ent­we­der kam es zu Bruch­lan­dun­gen, oder die Ra­ke­te kipp­te ins Meer.

SpaceX und die er­folg­reich ge­tes­te­te Fal­con-9 ge­hö­ren Elon Musk, dem Grün­der des Elek­tro­sport­wa­gen-Her­stel­lers Tes­la. „Will­kom­men zu­rück, Ba­by“, twit­ter­te Musk, nach­dem sei­ne Trä­ger­ra­ke­te auf der Er­de auf­ge­setzt hat­te.

Spä­tes­tens seit dem Aus des staat­li­chen Shut­tle-Pro­gramms lie­fern sich ei­ni­ge Su­per­rei­che ein Wett­ren­nen ins All. Sie ver­su­chen mit ih­ren Fir­men, wie­der­ver­wend­ba­re Ra­ke­ten oder Raum­glei­ter zu bau­en. Sie sol­len re­gel­mä­ßig Sa­tel­li­ten, As­tro­nau­ten oder Tou­ris­ten in den Welt­raum brin­gen. Wett­lauf in den Welt­raum Vor we­ni­gen Wo­chen hat­te das Un­ter­neh­men Blue Ori­gin des Ama­zonChefs Jeff Be­zos ei­ne Ra­ke­te nach ei­nem Test­flug er­folg­reich wie­der lan­den las­sen. Sie kam aber längst nicht so hoch und war nicht so schnell wie Fal­con-9. Sie hat­te auch kei­ne Last ins All be­för­dert. Be­zos plant kei­ne aus­ge­dehn­ten Mis­sio­nen ins All, son­dern Flü­ge mit Welt­raum­tou­ris­ten im erd­na­hen Or­bit.

Vir­gin Ga­lac­tic, das Raum­fahrt­Un­ter­neh­men von Mil­li­ar­där Richard Bran­son, ent­wirft und baut Raum­glei­ter für Welt­raum­tou­ris­ten. Das „SpaceShip­Two“war je­doch im Ok­to­ber 2014 ab­ge­stürzt.

Da mit SpaceX und Blue Ori­gin nun zwei Un­ter­neh­men in der La­ge wa­ren, Trä­ger­ra­ke­ten zu­rück­zu­ho­len, könn­te ih­re Lan­dung in ei­ni­gen Jah­ren so nor­mal sein wie ihr Start. Da­für in­ter­es­siert sich ne­ben Tou­ris­tik­un­ter­neh­men und der Wis­sen­schaft vor al­lem das Mi­li­tär. Mit der Uni­ted Launch Al­li­an­ce, ei­nem Jo­int Ven­ture von Bo­eing und Lock­heed Mar­tin, ver­sucht sich ein Un­ter­neh­men mit Er­fah­rung im Rüs­tungs­be­reich am Bau der wie­der­ver­wend­ba­ren Ra­ke­ten.

„Will­kom­men zu­rück, Ba­by“

FOTO: AFP/ SPACEX

Die Ra­ke­te Fal­con- 9 nach ih­rer Lan­dung in Ca­pe Ca­na­veral. Die Be­trei­ber­fir­ma SpaceX ver­öf­fent­lich­te die­ses Bild am Di­ens­tag.

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