All­ge­mein­me­di­zi­ner aus Os­trach hört auf

Vol­ker Hamm hat heu­te letz­te Sprech­stun­de – Kein Nach­fol­ger in Sicht

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Bar­ba­ra Baur

OS­TRACH - Dr. Vol­ker Hamm hat am heu­ti­gen Mitt­woch zum letz­ten Mal Sprech­stun­de. Da­nach ver­ab­schie­det sich der All­ge­mein­me­di­zi­ner in den Ru­he­stand. Sei­ne Pra­xis in Os­trach wird er nach 33 Jah­ren schlie­ßen.

„Trotz in­ten­si­ver Su­che konn­te ich kei­nen Nach­fol­ger fin­den“, sagt Hamm. Er in­se­rier­te sein Ge­such in Fach­zeit­schrif­ten, ließ in Per­so­nal­räu­men in Kran­ken­häu­sern Zet­tel aus­hän­gen und wand­te sich an ei­ne Agen­tur, die auf Pra­xis­über­ga­ben spe­zia­li­siert ist. „Trotz­dem hat sich nichts er­ge­ben“, sagt der 69-Jäh­ri­ge. Der letz­te In­ter­es­sent ha­be vor drei Wo­chen ab­ge­sagt. Dann ha­be er den Ent­schluss ge­fasst, die Pra­xis zu schlie­ßen.

Zum Teil sei die Re­gi­on ein Grund für Ab­sa­gen ge­we­sen. Für man­che sei Os­trach zu weit weg ge­we­sen, an­de­ren ha­be die länd­li­che Re­gi­on nicht zu­ge­sagt. „Da­bei ist ge­ra­de für Fa­mi­li­en und Leu­te, die ger­ne raus ge­hen, die Um­ge­bung ide­al und es gibt auch kul­tu­rel­le An­ge­bo­te“, sagt er. Die Ur­sa­che ver­mu­tet er aber trotz­dem nicht nur dar­in, dass Os­trach ei­ne klei­ne Ge­mein­de ist. „Auch Kol­le­gen in Städ­ten ha­ben Schwie­rig­kei­ten, ei­nen Nach­fol­ger zu fin­den“, er­läu­tert er. „Und die­ses Pro­blem wird im­mer grö­ßer wer­den.“ Fal­sche Vor­stel­lung von Ar­beit Hamm kann nicht ver­ste­hen, dass po­ten­zi­el­le Nach­fol­ger kein In­te­res-

AN­ZEI­GEN se an der Pra­xis hat­ten. „Of­fen­sicht­lich ha­ben vie­le Ärz­te ei­ne fal­sche Vor­stel­lung von der Ar­beit in ei­ner Pra­xis auf dem Land“, sagt er. „Sie den­ken, dass sie dort län­ge­re Ar­beits­zei­ten hät­ten und su­chen eher nach ei­nem Platz in ei­ner Ge­mein­schafts­pra­xis.“Das tref­fe aber nicht zu, denn über Not­fall­pra­xen sei­en die Be­reit­schafts­zei­ten gut ge­re­gelt. Ein Ein­stei­ger hät­te kein gro­ßes Ri­si­ko ge­habt, wenn er sich für sei­ne Pra­xis in der Al­bert-Reis-Stra­ße ent­schie­den hät­te. Denn es sei ein Un­ter­schied, ob ein Arzt in ei­ner be­ste­hen­den Pra­xis be­ginnt oder ei­ne neue Pra­xis er­öff­net. In letz­te­rem Fall müs­se er al­les neu auf­bau­en. Schlie­ßung spricht sich her­um Sei­ne Pa­ti­en­ten hat Vol­ker Hamm über das En­de der Pra­xis in den Sprech­stun­den, mit ei­nem Aus­hang in der Pra­xis und ei­ner An­zei­ge im Mit­tei­lungs­blatt der Ge­mein­de in­for­miert. „Das hat sich dann schnell her­um­ge­spro­chen“, sagt er. Auch auf Hamms Mit­ar­bei­te­rin­nen kommt ei­ne Ve­rän­de­rung zu. „Zwei hö­ren jetzt auch auf, und die drit­te hat schon et­was Neu­es ge­fun­den“, be­rich­tet er.

Heu­te fin­det die letz­te Sprech­stun­de in der Pra­xis statt. Ab dem 7. Ja­nu­ar kön­nen Pa­ti­en­ten ih­re Ak­ten ab­ho­len. Auch Re­zep­te und Über­wei­sun­gen kön­nen nach te­le­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung noch aus­ge­stellt wer­den. Bis Vol­ker Hamm die Tür der Pra­xis ein letz­tes Mal hin­ter sich zu zie­hen kann, steht für ihn noch die Ab­wick­lung von ge­schäft­li­chen Din­gen an.

FOTO: BERND WEISSBROD/ DPA

All­ge­mein­me­di­zi­ner Vol­ker Hamm geht in Ren­te. Weil er kei­nen Nach­fol­ger fin­det, schließt er die Pra­xis.

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