Gauck for­dert of­fe­ne De­bat­te über Flücht­lings­kri­se

Bun­des­prä­si­dent ver­ur­teilt Ge­walt – Kar­di­nal Kasper ruft zu Hil­fe für Flücht­lin­ge auf

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ras­mus Buch­stei­ner und dpa

BER­LIN - Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat zum of­fe­nen Mei­nungs­streit über die Lö­sung der Flücht­lings­kri­se auf­ge­ru­fen, zu­gleich aber vor Hass und Ge­walt ge­warnt. „Brand­stif­tung und An­grif­fe auf wehr­lo­se Men­schen ver­die­nen un­se­re Ver­ach­tung und ver­die­nen Be­stra­fung“, sag­te er in sei­ner Weih­nachts­an­spra­che. Ei­ne of­fe­ne De­bat­te sei aber not­wen­dig, um Lö­sun­gen zu fin­den, die von ei­ner Mehr­heit ge­tra­gen wer­den. „Der Mei­nungs­streit ist kei­ne Stö­rung des Zu­sam­men­le­bens, son­dern Teil der De­mo­kra­tie“, be­ton­te das Staats­ober­haupt in der Fern­seh­an­spra­che, die an die­sem Frei­tag aus­ge­strahlt wer­den soll.

Es müss­ten Lö­sun­gen ge­fun­den wer­den, die den so­zia­len Zu­sam­men­halt nicht ge­fähr­den, das Wohl­er­ge­hen der ei­ge­nen Bür­ger be­rück­sich­ti­gen und die Not der Flücht­lin­ge nicht ver­ges­sen, sag­te Gauck. Ein­mal mehr for­der­te er ei­ne rich­ti­ge Ba­lan­ce bei der Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se. Hel­fen – ja. Die Bür­ger über­for­dern – nein. Er zeig­te sich si­cher, dass Deutsch­land die Flücht­lings­kri­se meis­tern wer­de. „Wir ha­ben ge­zeigt, was in uns steckt – an gu­tem Wil­len und an Pro­fes­sio­na­li­tät, aber auch an Im­pro­vi­sa­ti­ons­kunst.“

Gauck wür­dig­te die frei­wil­li­gen Hel­fer, die zur Be­wäl­ti­gung der Kri­se bei­ge­tra­gen ha­ben. „Sie sind zum Ge- sicht ei­nes warm­her­zi­gen, mensch­li­chen Lan­des ge­wor­den.“Der Bun­des­prä­si­dent be­dank­te sich auch bei den deut­schen Sol­da­ten, die „im ge­fähr­li­chen Kampf ge­gen die Wur­zeln des Ter­rors ein­ge­setzt“sind.

Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Ay­dan Özo­guz for­der­te, so­wohl Gaucks Re­de als auch die Neu­jahrs­an­spra­che der Kanz­le­rin mit ara­bi­schen Un­ter­ti­teln zu sen­den. „Es wä­re schön, wenn die Flücht­lin­ge auch ver­ste­hen könn­ten, wie wir im Land die Si­tua­ti­on er­le­ben“, sag­te Özo­guz. Kasper: Angst ist fal­scher An­satz Der deut­sche Ku­ri­en­kar­di­nal Wal­ter Kasper ruft in­des zu wei­ter in­ten­si­vem En­ga­ge­ment bei der Un­ter­stüt­zung von Flücht­lin­gen auf. In sei­ner Weih­nachts­bot­schaft in der „Schwä­bi­schen Zei­tung“schreibt der frü­he­re Bi­schof von Rot­ten­burg-Stuttgart, von der „Grund­bot­schaft der Bi­bel“. Die­se for­de­re da­zu auf, „Men­schen, die aus Not und Ver­fol­gung kom­men, in Got­tes Na­men Zuflucht zu ge­wäh­ren.“Kasper, der als en­ger Ver­trau­ter von Papst Fran­zis­kus gilt, stellt klar: „Mit Frem­den­feind­lich­keit ret­tet man nicht die christ­li­chen Wer­te Eu­ro­pas, da­mit ver­leug­net man sie.“

Die Weih­nachts­bot­schaft „Fürch­tet euch nicht!“sei Vor­aus­set­zung ei­ner po­li­ti­schen Lö­sung an­ste­hen­der Fra­gen. Angst sei der fal­sche An­satz: „Sie ist ge­nau das, was die Ter­ro­ris­ten wol­len.“

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