Eu­ro­pa­preis für den Mah­ner

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Klaus Nach­baur k. nach­baur@ schwa­ebi­sche. de

Ein Mann aus Ar­gen­ti­ni­en, des­sen Auf­ga­be es ist, die welt­wei­te ka­tho­li­sche Kir­che zu füh­ren, wird mit ei­nem Preis für Ver­diens­te um die Ei­ni­gung Eu­ro­pas ge­ehrt. Das klingt zu­nächst sehr er­staun­lich. Aus zwei un­ter­schied­li­chen Blick­win­keln er­scheint die Aus­zeich­nung für Papst Fran­zis­kus aber durch­aus plau­si­bel. Ers­tens: Ein Eu­ro­pa als iso­lier­te, sa­tu­rier­te, sich selbst ge­nü­gen­de In­sel hat in der Welt des 21. Jahr­hun­derts kei­ne Zu­kunft mehr. Es muss sei­ne Rol­le fin­den in ei­nem im­mer kom­pli­zier­te­ren Ge­flecht viel­fäl­ti­ger glo­ba­ler Ab­hän­gig­kei­ten. Das heißt auch, dass Eu­ro­pa mehr glo­ba­le Ver­ant­wor­tung über­neh­men muss für ei­ne bes­se­re, ge­rech­te­re Welt. Kei­ner mahnt dies so ein­dring­lich an wie der ar­gen­ti­ni­sche Papst.

Zwei­tens: Über­neh­men kann die­se Rol­le nur ein Eu­ro­pa, das sich sei­ner Grund­wer­te be­sinnt und auf de­ren Ba­sis agiert. Im We­sent­li­chen krei­sen all die­se Wer­te um den Be­griff der Men­schen­wür­de. Und wie­der war es Fran­zis­kus, der bei sei­ner Re­de im Eu­ro­pa­par­la­ment die­se Rück­be­sin­nung in dras­ti­schen Wor­ten an­ge­mahnt hat­te. Er hat den Kon­ti­nent mit ei­ner „un­frucht­ba­ren Groß­mut­ter“ver­gli­chen.

Und ob­wohl der Mann „vom En­de der Welt“al­les an­de­re als eu­ro­zen­tris­tisch ge­sinnt ist, muss ihm der Kon­ti­nent als Kul­tur­raum doch am Her­zen lie­gen. Er hät­te die­se Aus­zeich­nung sonst – wie fast al­le an­de­ren an­ge­bo­te­nen – ab­ge­lehnt.

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