Weih­nach­ten – ein Hoff­nungs­strahl

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Kar­di­nal Wal­ter Kasper, Rom Für En­ga­ge­ment, ge­gen Angst, für Barm­her­zig­keit, ge­gen Ge­walt: Auch in un­ru­hi­gen Zei­ten sei die Weih­nachts­bot­schaft deut­lich und hell wie ein Strahl, sagt Kar­di­nal Wal­ter Kasper, der frü­he­re Bi­schof von Rot­ten­burg-Stuttgart

eih­nachts­lich­ter, Weih­nachts­lie­der, weih­nacht­li­che Ge­schen­ke wie je­des Jahr – und doch ist die­ses Jahr vie­les an­ders. Un­se­re Welt ist aus den Fu­gen. Nach fast sie­ben Jahr­zehn­ten Frie­den in Eu­ro­pa ist an Eu­ro­pas Ost­gren­ze wie­der Krieg. In Tei­len der Welt herrscht un­vor­stell­bar grau­sa­me Ge­walt und Ver­fol­gung be­son­ders von Chris­ten. Sech­zig Mil­lio­nen Men­schen sind welt­weit auf der Flucht, über ei­ne Mil­li­on von ih­nen ist im zu En­de ge­hen­den Jahr bei uns in Deutsch­land an­ge­kom­men.

Rund um das Haus, in dem ich in Rom woh­ne, über­nach­ten Men­schen auf der Stra­ße, in Haus­ein­gän­gen oder un­ter Ar­ka­den. 8000 sol­len es al­lein in Rom sein, die vie­len, die je­den Tag als Flücht­lin­ge neu an­kom-

Die­se drei sind in Si­cher­heit. Wa­lid, Li­las und Zein zei­gen bei ei­ner Weih­nachts­fei­er in ei­nem Flücht­lings­heim in Bonn ih­re Ge­schen­ke. men nicht mit­ge­rech­net. Papst Fran­zis­kus hat in die­sen Ta­gen beim rö­mi­schen Haupt­bahn­hof ein Zen­trum der Ca­ri­tas als An­lauf­stel­le für neu an­kom­men­de Asy­lan­ten ein­ge­weiht, in dem bis zu 500 über­nach­ten kön­nen. Kar­di­nal Wal­ter Kasper ( 82/ Foto: R. Rasemann) ist ei­ner der Nach sei­ner Lauf­bahn als Wis­sen­schaft­ler und Pro­fes­sor wur­de er 1989 Bi­schof von Rot­ten­bur­gS­tutt­gart. 1999 wech­sel­te er als Prä­si­dent des Päpst­li­chen Ra­tes zur För­de­rung der Ein­heit der Chris­ten in den Va­ti­kan. Seit 2010 lebt Kasper im Ru­he­stand. Papst Fran­zis­kus be­zeich­ne­te ihn als „ groß­ar­ti­gen Theo­lo­gen“. ( mö)

Das al­les lässt uns die Weih­nachts­ge­schich­te neu und bes­ser ver­ste­hen: Ein jun­ges Paar, sie hoch­schwan­ger, das kei­nen Platz in ei­ner Her­ber­ge fin­det, ein Kind, das in ei­nem Stall auf die Welt kommt und in ei­ne Fut­ter­krip­pe ge­legt wer­den muss. Bald sind sie zu dritt auf der Flucht vor dem blind­wü­ten­den He­ro­des. Weih­nach­ten war schon da­mals kein Mär­chen aus Tau­send­und-ei­ner-Nacht, son­dern Bild des­sen, was auch heu­te ge­schieht. Angst blo­ckiert Die Bot­schaft der En­gel „Frie­de auf Er­den“war und ist kei­ne po­li­ti­sche Lö­sung. Aber das „Fürch­tet euch nicht!“ist die Vor­aus­set­zung zu ei­ner Lö­sung. Denn Angst blo­ckiert und lähmt. Sie ist ge­nau das, was die Ter­ro­ris­ten wol­len, ihr ers­ter trau­ri­ger Er­folg. Die Bot­schaft von Weih­nach­ten ist rea­lis­tisch, aber sie macht kei­ne Angst. Sie macht frei, sie macht Hoff­nung, sie lenkt den Blick nach vor­ne und er­mu­tigt. Denn Gott ist mit uns, ja wie die Weih­nachts­ge­schich­te sagt, im Kind in der Krip­pe ist er mit­ten un­ter uns. Von die­sem Kind geht ein Wär­me­stahl aus in ei­ne kal­te Welt. Ein Herz für Ar­me Da­zu passt, dass zu Be­ginn der Ad­vents­zeit das Jahr der Barm­her­zig­keit er­öff­net wur­de. Barm­her­zig­keit heißt ein Herz für Ar­me ha­ben. Gott hat an Weih­nach­ten ein sol­ches of­fe­nes Herz für je­den Men­schen oh­ne je­de Aus­nah­me ge­zeigt. Mar­tin Lu­ther hat in ei­ner Pre­digt ge­sagt: „Gott ist ein glü­hen­der Back­ofen vol­ler Lie­be.“

Er ist kein Gott der Ge­walt. In sei­nem Na­men Ge­walt zu ver­üben, ist nicht Re­li­gi­on, son­dern Got­tes­läs­te­rung. Gott hat an Weih­nach­ten un­se­re Not ge­teilt, da­mit auch wir, statt nur un­se­ren Be­sitz­stand zu wah­ren, tei­len und, statt nur an uns zu den­ken, uns ein­an­der für­sorg­lich zu­wen­den, um den Wär­me­strom von Weih­nach­ten wei­ter­zu­ge­ben.

Es ist dar­um ei­ne Grund­bot­schaft der Bi­bel, Men­schen, die aus Not und Ver­fol­gung zu uns kom­men, in Got­tes Na­men Zuflucht zu ge­wäh­ren. Mit Frem­den­feind­lich­keit ret­tet man nicht die christ­li­chen Wer­te Eu­ro­pas, da­mit ver­leug­net man sie. Im Aus­land hat man mit Hoch­ach­tung die vie­len jun­gen und äl­te­ren Men­schen re­gis­triert, wel­che sich bei uns als Frei­wil­li­ge en­ga­giert ha­ben. Sie ha­ben Eh­re für uns ein­ge­legt und ein Ge­gen­zeug­nis zur Ge­walt ab­ge­legt.

Im Weih­nachts­lied sin­gen wir: „Es ist ein Ros ent­sprun­gen“aus ei­nem to­ten Wur­zel­stock und „mit­ten im kal­ten Win­ter“. Hoff­nung in ei­ner schein­bar hoff­nungs­lo­sen Welt ist die Bot­schaft, die vom Kind in der Krip­pe aus­geht.

FOTO: DPA

an­ge­se­hens­ten Theo­lo­gen welt­weit.

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