Fern­bus­se drän­gen in die klei­nen Städ­te

Drei Jah­re nach der Markt­frei­ga­be ist der Fern­bus für Vie­le ei­ne Al­ter­na­ti­ve – Wachs­tums­gren­zen auf Haupt­stre­cken

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Burk­hard Fraune

BER­LIN (dpa) - Manch­mal steigt selbst der Bus­un­ter­neh­mer An­dré Schwämm­lein in ein Flug­zeug, wenn er vom ei­nen Sitz sei­nes Un­ter­neh­mens zum an­de­ren muss – Ber­lin und München. Kurz vor Ab­flug am Flug­ha­fen Te­gel zeigt er aber noch schnell die Bord­kar­te auf sei­nem Han­dy, da­mit kein fal­scher Ein­druck ent­steht: Die meis­ten tra­gen die Far­ben von MeinFern­bus Flix­bus, sei­nem Un­ter­neh­men.

Mit ih­rem Zu­sam­men­schluss zu Jah­res­be­ginn ha­ben die bei­den An­bie­ter die Macht­ver­hält­nis­se auf dem boo­men­den deut­schen Fern­bus­markt ge­klärt: Sie do­mi­nie­ren die Au­to­bah­nen – und zu­neh­mend auch die Kreis- und Lan­des­stra­ßen. „In Deutsch­land geht es jetzt dar­um, klu­ge Märk­te zu fin­den“, sagt Schwämm­lein. „Das heißt für uns Verkehr in Mit­tel­städ­te, teil­wei­se auch klei­ne­re Städ­te mit 30 000 Ein­woh­nern.“ 20 Mil­lio­nen Fahr­gäs­te 2015 Denn wer in Deutsch­land mit Fern­bus­sen noch wach­sen will, muss sich in­zwi­schen et­was ein­fal­len las­sen. „Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren die Fahr­gast­zahl zwei­mal ver­dop­pelt, bis auf 16 Mil­lio­nen 2014. In die­sem Jahr wird die Zahl um die 20 Mil­lio­nen lie­gen“, sagt Chris­tia­ne Leo­nard, die Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin des Bun­des­ver­bands Deut­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer. Das heißt: Der Markt ist im drit­ten Jahr nach der Li­be­ra­li­sie­rung deut­lich lang­sa­mer ge­wach­sen.

Für die Kun­den be­deu­tet das: Die al­ler­größ­ten Preis­schlach­ten sind wohl ge­schla­gen. „Im die­sem Jahr sind die Prei­se lang­sam an­ge­stie­gen, das ist für die Be­trei­ber auch durch­aus sinn­voll“, sagt Leo­nard.

Dass es deut­lich teu­rer wird, müs­sen Fahr­gäs­te aber wohl nicht fürch­ten. Der Wettbewerb bleibt in­ten­siv. Dass die Bahn in die­sem Jahr Hun­dert­tau­sen­de Fahr­schei­ne für 19 Eu­ro un­ters Volk warf, är­gert die pri­va­ten Fern­bus­an­bie­ter durch­aus. „Das leis­tet kei­nen Bei­trag zu ei­nem Markt, auf dem der Wettbewerb zwi­schen Pri­va­ten sehr in­ten­siv ist. Ich stel­le in­fra­ge, war­um man als Staats­un­ter­neh­men dort Mil­lio­nen ver­lie­ren muss, und das tun sie“, sagt Schwämm­li­en. Und so lan­ge Sprit so güns­tig ist, müs­sen Bus­se güns­tig sein, um mehr Men­schen aus den Au­tos zu lo­cken.

Da­für sind zen­trums­na­he Hal­te­punk­te ent­schei­dend, be­tont Me­ga­bus-Chef Ed­ward Hodg­son und fügt war­nend hin­zu: „Nur so kann das An­ge­bot an Fern­bus-Rei­se­mög­lich­kei­ten für die deut­schen Ver­brau­cher auch in Zu­kunft ge­währ­leis­tet wer­den.“

Nicht übe­r­all sind die Stra­ßen­rie­sen will­kom­men. Köln et­wa hat Fern- Vor 2013 durf­ten die Bu­s­an­bie­ter der Deut­schen Bahn im Fern­li­ni­en­ver­kehr kei­ne Kon­kur­renz ma­chen. Nach der Markt­öff­nung dräng­ten dann vie­le neue An­bie­ter auf den Markt. Im Ok­to­ber wur­den dem Markt­for­schungs­in­sti­tut Iges zu­fol­ge in Deutsch­land 326 Fern- bus­se aus der In­nen­stadt an den Flug­ha­fen ver­bannt. MeinFern­bus Flix­bus fährt des­halb lie­ber gleich in die Nach­bar­stadt Leverkusen. Ähn­li­che Dis­kus­sio­nen gibt es in Ulm und Stuttgart. Die Bran­che hofft, dass dar­aus kein Flä­chen­brand wird. bus­li­ni­en be­dient, 29 Pro­zent mehr als ein Jahr zu­vor. Ge­mes­sen an den Fahr­plan­ki­lo­me­tern hat MeinFern­bus Flix­bus ei­nen Markt­an­teil von 73 Pro­zent, vor Post­bus ( 11 Pro­zent), der Deut­schen Bahn ( 6 Pro­zent) und Me­ga­bus ( 3 Pro­zent). ( dpa)

Ihr Ver­band be­tont, man sei mit den meis­ten Städ­ten im Kon­sens. Vor al­lem die mit­tel­gro­ßen und die klei­nen Städ­te gin­gen sehr of­fen auf die Un­ter­neh­men zu. Dort­hin führ­ten zu­letzt im­mer mehr neue Li­ni­en ab­seits der gro­ßen Stre­cken wie Ber­linHam­burg. Klein­städ­te und Aus­land als Ziel Ber­lin Li­ni­en Bus, der Fern­bus-Ab­le­ger der Deut­schen Bahn, will sein Li­ni­en­an­ge­bot bis En­de 2016 ver­vier­fa­chen. Die Bahn ist auch mit der Mar­ke IC Bus un­ter­wegs und be­treibt un­term Strich et­wa je­den zehn­ten Fern­bus-Ki­lo­me­ter in Deutsch­land. „Es gibt noch vie­le wei­ße Fle­cken“, be­tont auch Schwämm­lein.

Je­doch: Ein Bus in klei­ne­re Städ­te wie et­wa Ra­vens­burg sei nicht ganz so leicht zu fül­len wie ei­ner von Köln nach Ber­lin. In­zwi­schen er­probt das Un­ter­neh­men auch sai­so­na­le An­ge­bo­te und fährt Ski­fah­rer di­rekt in die Ur­laubs­or­te der Al­pen.

Bis zum Herbst stieg die Zahl der Fern­bus­li­ni­en bin­nen Jah­res­frist um knapp ein Drit­tel auf 326, wie das Ber­li­ner Markt­for­schungs­in­sti­tut Iges er­mit­tel­te. Der Markt wach­se zwar lang­sa­mer, aber nach­hal­ti­ger, sagt Iges-Ge­schäfts­füh­rer Chris­toph Gipp. In­zwi­schen wüch­sen die deut­schen Bus­un­ter­neh­men auch durch in­län­di­sche Ver­bin­dun­gen in den eu­ro­päi­schen Nach­bar­staa­ten. In Frank­reich et­wa, ist der Markt seit Au­gust li­be­ra­li­siert.

Ganz Eu­ro­pa ha­be ei­nen ho­hen Be­darf an Fern­bus­ver­bin­dun­gen, heißt es bei Me­ga­bus. Seit Pa­ris den Fern­bus­ver­kehr im Au­gust frei­gab, sind nach An­ga­ben des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen in die Bus­se ge­stie­gen, drei­mal so vie­le wie im ge­sam­ten Vor­jahr. In­zwi­schen fah­ren 600 Bus­se knapp 150 Zie­le an.

FOTO: DPA

Bran­chen­pri­mus: Mit der Fu­si­on von MeinFern­bus und Flix­Bus An­fang des Jah­res hat sich das neue Un­ter­neh­men zum un­an­ge­foch­te­nen Markt­füh­rer auf­ge­schwun­gen.

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