Ge­ziel­ter Kon­troll­ver­lust der EnBW-Ei­g­ner

We­gen dro­hen­der Mil­li­ar­den­ri­si­ken lö­sen Land und OEW-Land­krei­se ihr Bünd­nis

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTTGART - Es ist ei­ne Schei­dung aus Angst vor dem Er­be: Nach jah­re­lan­ger Zu­sam­men­ar­beit kün­di­gen das Land Ba­den-Würt­tem­berg und die Ober­schwä­bi­schen Elek­tri­zi­täts­wer­ke (OEW) ih­re Zu­sam­men­ar­beit beim Ener­gie­kon­zern EnBW of­fi­zi­ell auf. Mit die­sem dras­ti­schen Schritt wol­len die bei­den Groß­ak­tio­nä­re „mög­li­chen Scha­den vom Land Ba­den-Würt­tem­berg und den neun OEW-Land­krei­sen“ab­wen­den, wie es in der dür­ren Pres­se­mit­tei­lung vom Di­ens­tag­abend hieß. Mehr will man nicht sa­gen: „Die OEW hat mit dem Land ver­ein­bart, dass sie zu die­sem The­ma über die Pres­se­mit­tei­lung hin­aus kei­ne wei­te­ren Stel­lung­nah­men ab­ge­ben“, lässt OEW-Chef und Alb-Do­nau-Land­rat Heinz Seif­fert (CDU) er­klä­ren.

Hin­ter­grund ist ei­ne Ge­set­zes­in­itia­ti­ve des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zur Haf­tung von Atom­ri­si­ken, das ei­gent­lich auf den EnBWKon­kur­ren­ten Eon zu­ge­schnit­ten ist. Eon hat­te an­ge­kün­digt, den durch die Ener­gie­wen­de ge­beu­tel­ten Kon­zern auf­spal­ten zu wol­len. Es geht um Mil­li­ar­den Die Sor­ge in Ber­lin: Geht die für Atom­strom zu­stän­di­ge Toch­ter nach ei­ni­ger Zeit plei­te, kann sie nicht mehr für die Kos­ten des Atom­aus­stiegs auf­kom­men. Der Auf­wand wird in Deutsch­land auf zwi­schen 29 und 77 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­schätzt, be­zah­len sol­len ihn die vier Ener­gie­kon­zer­ne RWE, Eon, Vat­ten­fall und eben EnBW. Ge­nau kann die Kos­ten nie­mand kal­ku­lie­ren, denn selbst die po­li­ti­sche Su­che nach ei­nem End­la­ger dürf­te noch Jahr­zehn­te dau­ern.

Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) ließ ein Ge­setz schrei­ben, dem­zu­fol­ge be­herr­schen­de Or­ga­ni­sa­tio­nen nach dem Prin­zip „El­tern haf­ten für ih­re Kin­der“zeit­lich un­be­grenzt für Atom­ri­si­ken der Töch­ter auf­kom­men müs­sen. Zum Ent­set­zen der Ba­den-Würt­tem­ber- ger: Denn so trä­fe das Ge­setz auch das Land so­wie die OEW-Land­krei­se, die den Karls­ru­her Kon­zern bis­her mit zu­sam­men 93,5 Pro­zent der An­tei­le ge­mein­sam be­herr­schen. Über die OEW-Be­tei­li­gun­gen könn­ten wie­der­um un­ter an­de­rem die Haus­hal­te der Land­krei­se Alb-Do­nau, Ra­vens­burg, Bo­den­see­kreis, Bi­be­rach und Sig­ma­rin­gen be­trof­fen sein.

Um un­ab­seh­ba­re Haf­tungs­ri­si­ken ab­zu­bie­gen, kün­di­gen bei­de Sei­ten die­se Zu­sam­men­ar­beit nun of­fi­zi­ell auf. Aus dem 93,5 Pro­zent-Block, der Stra­te­gie und Spit­ze des mehr als 19 000 Mit­ar­bei­ter be­schäf­ti­gen­den Kon­zerns be­stimm­te, wer­den nun zwei Par­tei­en mit je 46,75 Pro­zent, al­so oh­ne ei­ge­ne Mehr­heit. Die „denk­bar schlech­tes­te Lö­sung“, wie OEW und Land ein­räu­men. Wi­der­stand in Ber­lin Theo­re­tisch könn­ten sich CDU-do­mi­nier­te Land­krei­se und grün-ro­te Lan­des­re­gie­rung im Kampf um den Kurs und die Macht im Kon­zern nun in die Haa­re be­kom­men. Doch da- nach sieht es (noch) nicht aus: Ein Spre­cher von SPD-Lan­des­fi­nanz­mi­nis­ter Nils Schmid stellt klar, dass man kei­ne EnBW-Ak­ti­en ver­sil­bern wol­le. Es wä­re auch ein mie­ses Ge­schäft: Seit dem Rück­kauf durch den da­ma­li­gen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ste­fan Map­pus 2010 ha­ben die EnBWAn­tei­le mas­siv an Wert ver­lo­ren.

Dem Schwei­gen im Süd­wes­ten steht Ge­schäf­tig­keit in Ber­lin ent­ge­gen: Dort ver­su­chen Land und CDUBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, Ga­b­ri­els Nach­haf­tungs­ge­setz im Sin­ne des Süd­wes­tens zu ent­schär­fen. Ge­bremst ha­ben sie es schon. „Wir ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, dass wir es ger­ne noch in die­sem Jahr ver­ab­schie­det hät­ten“, sagt ein Spre­cher von Fi­nanz­mi­nis­ter Ga­b­ri­el. Doch man sei zu­ver­sicht­lich, das Ge­setz „in den ers­ten Mo­na­ten 2016“durch den Bun­des­tag zu be­kom­men.

Mög­lich, dass die Herr­schafts­klau­sel dann ent­schärft wird. Dann stün­de ei­ner neu­en Ak­tio­närs­ver­ein­ba­rung nichts im Weg. Der Schei­dung in 2015 könn­te al­so 2016 ei­ne neue Ver­nunfts­hei­rat fol­gen.

FOTO: DPA

Kern­kraft­werk Neckar­west­heim: Um mög­li­chen Haf­tungs­ri­si­ken aus dem Rück­bau für Atom­mei­ler zu ent­ge­hen, kün­dig­ten das Land Ba­den- Würt­tem­berg und die OEW- Land­krei­se ih­re Zu­sam­men­ar­beit auf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.