Ver­dacht ge­gen El­tern des to­ten Tay­ler er­här­tet

Kind starb an schwe­ren Hirn­ver­let­zun­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von Tho­mas Mül­ler und Bern­hard Spren­gel

HAM­BURG (dpa) - Vier Ta­ge nach dem Tod des klei­nen Tay­ler aus Ham­burg steht die To­des­ur­sa­che fest. Der Ein­jäh­ri­ge starb in­fol­ge schwers­ter Hirn­ver­let­zun­gen. Das er­gab die Ob­duk­ti­on sei­ner Lei­che, wie die Ham­bur­ger Staats­an­walt­schaft am Mitt­woch mit­teil­te.

„Es be­steht der hoch­gra­di­ge Ver­dacht auf ein so­ge­nann­tes Schüt­teltrau­ma“, sag­te Ober­staats­an­walt Cars­ten Ri­nio. Das vor­läu­fi­ge Er­geb­nis er­här­te die An­nah­me, wo­nach das ein­jäh­ri­ge Kind von sei­ner Mut­ter oder de­ren Le­bens­ge­fähr­ten hef­tig ge­schüt­telt wur­de. Ge­gen die 22-Jäh­ri­ge und ih­ren 26 Jah­re al­ten Freund, der nicht der Va­ter des Jun­gen ist, wird we­gen ei­nes Tö­tungs­de­likts er­mit­telt.

Bei­de sind aber auf frei­em Fuß. Der 26-Jäh­ri­ge ist kurz nach Tay­lers Tod zu ei­ner Ur­laubs­rei­se nach Spa­ni­en auf­ge­bro­chen. „Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Haft­be­fehl lie­gen wei­ter­hin nicht vor“, so Ri­nio. Er­for­der­lich sind so­wohl ein drin­gen­der Tat­ver­dacht als auch Haft­grün­de wie Flucht- oder Ver­dun­ke­lungs­ge­fahr. Zeit­punkt der Tat un­klar Zum ge­nau­en Zeit­punkt der Tat konn­te der Ober­staats­an­walt noch kei­ne An­ga­ben ma­chen. Es wür­den noch wei­te­re Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se der Ob­duk­ti­on er­war­tet, die frü­hes­tens in drei Wo­chen vor­lie­gen sol­len.

Tay­ler war am 12. De­zem­ber ins Kran­ken­haus ge­bracht wor­den und sie­ben Ta­ge spä­ter ge­stor­ben. Da­mit bleibt un­klar, wann und wer das Kind schüt­tel­te und ihm da­mit mut­maß- lich die schwe­ren Ver­let­zun­gen zu­füg­te.

Der Prä­si­dent des Deut­schen Kin­der­schutz­bunds, Heinz Hil­gers, wand­te sich un­ter­des­sen ge­gen schär­fe­re Ge­set­ze. Er for­der­te mehr Un­ter­stüt­zung für Kri­sen­fa­mi­li­en. Der Staat müs­se be­reits schüt­zend tä­tig wer­den, be­vor es zu sol­chen Tra­gö­di­en kom­me, sag­te Hil­gers. Da die Städ­te je­doch viel Geld für die In­ter­ven­ti­on im Kri­sen­fall aus­ge­ben müss­ten, blei­be kein Raum für Schutz­maß­nah­men im Vor­feld. „Da­her for­de­re ich ei­nen Rechts­an­spruch auf frü­he Hil­fen“, sag­te Hil­gers wei­ter. Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) ha­be zwar Re­for­men an­ge­kün­digt. Die­se gin­gen je­doch nicht weit ge­nug. So­zi­al­ar­bei­te­rin be­treu­te Fa­mi­lie Ne­ben der Staats­an­walt­schaft er­mit­telt im Fall von Tay­ler auch die Ham­bur­ger Ju­gend­hil­fein­spek­ti­on. Sie soll klä­ren, ob mög­li­cher­wei­se bei der Be­treu­ung des Kin­des durch das Ju­gend­amt und ei­ne Fa­mi­li­en­hil­fe Feh­ler ge­macht wur­den.

Tay­ler war im Au­gust mit ei­nem Schlüs­sel­bein­bruch ins Kran­ken­haus ge­bracht wor­den. Der Jun­ge kam in ei­ne Pfle­ge­fa­mi­lie. Im Ok­to­ber durf­te er zur Mut­ter zu­rück, aber wei­ter von ei­ner So­zi­al­päd­ago­gin be­treut. Kurz be­vor Tay­ler im De­zem­ber er­neut ins Kran­ken­haus kam, hat­te die­se blaue Fle­cken im Ge­sicht des Kin­des ent­deckt, die­se aber auf Pro­ble­me beim Lau­fen­ler­nen ge­scho­ben. Das hat­ten meh­re­re Me­di­en über­ein­stim­mend be­rich­tet.

FOTO: DPA

Tay­ler leb­te mit sei­ner Mut­ter und sei­nem Bru­der im Ham­bur­ger Stadt­teil Al­to­na.

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