An­ge­klag­ter soll bei rot über Bahn­über­gang ge­fah­ren sein

39-Jäh­ri­ger gibt an, die ro­te Am­pel nicht ge­se­hen zu ha­ben – Rich­ter glaubt den Zeu­gen und dem Sach­ver­stän­di­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Ute Korn-Amann

SIG­MA­RIN­GEN - Ein 39-Jäh­ri­ger soll im Fe­bru­ar die­ses Jah­res bei Rot­licht über den Bahn­über­gang in Sig­ma­rin­gen in der Fürst-Wil­helm-Stra­ße ge­fah­ren sein. Der An­ge­klag­te be­stritt vor dem Amts­ge­richt Sig­ma­rin­gen, dass die Am­pel rot an­ge­zeigt ha­ben soll. Nach der An­hö­rung von zwei Zeu­gen und ei­nes Sach­ver­stän­di­gen kam das Ge­richt zu dem Schluss, dass der 39-Jäh­ri­ge zu­min­dest bei Gelb­licht über den Bahn­über­gang fuhr und ver­ur­teil­te ihn zu ei­ner Stra­fe von 240 Eu­ro und ei­nem Fahr­ver­bot von ei­nem Mo­nat.

Im Fe­bru­ar war der An­ge­klag­te mit sei­ner Frau ge­gen Abend von der Ne­po­muk­brü­cke in Rich­tung Bahn- über­gang mit dem Au­to un­ter­wegs. Auf der Hö­he des Hof­gar­tens ha­be er ge­se­hen, dass ein Po­li­zei­bus an der Bahn­hof­stra­ße stand. Ent­spre­chend ver­rin­ger­te er sei­ne Ge­schwin­dig­keit und fuhr nach ei­ge­nen An­ga­ben „mo­de­rat“über die Glei­se. „Das Rot­licht war nicht da. Wir ha­ben es nicht ge­se­hen“, sag­te der An­ge­klag­te. Die bei­den Po­li­zis­ten, die et­wa in Hö­he des Fuß­gän­ger­über­wegs bei der Ein­mün­dung in die Fürst-Wil­helm-Stra­ße stan­den, ga­ben bei­de an, dass sie ein­deu­tig am Bahn­über­gang das Rot­licht leuch­ten sa­hen und dann das Au­to des An­ge­klag­ten, das über den Bahn­über­gang fuhr. Die Po­li­zei­strei­fe folg­te dem Au­to und hielt es in der Karl­stra­ße zur Kon­trol­le an. „Die Kern­fra­ge ist, was für ein Licht die

AN­ZEI­GE Am­pel zeig­te“, sag­te der vor­sit­zen­de Rich­ter Jür­gen Dor­ner. Licht in die­se An­ge­le­gen­heit soll­te ein Sach­ver­stän­di­ger brin­gen, der sich den Bahn­über­gang per Vi­deo ge­nau an­schau­te und Ge­sprä­che mit den zu­stän­di­gen Bahn­be­am­ten führte. Auf dem Vi­deo, das im Ge­richts­saal ab­ge­spielt wur­de, war er­kenn­bar, dass nach drei Se­kun­den die Gelb­pha­se in die Rot­pha­se über­geht. Nach ei­nem vom Sach­ver­stän­di­gen er­stell­ten Weg-Zeit-Dia­gramm un­ter Be­rück­sich­ti­gung, dass der An­ge­klag­te cir­ca 40 St­un­den­ki­lo­me­ter ge­fah­ren sei, hät­te der An­ge­klag­te zu­min­dest das Gelb­licht se­hen müs­sen und hät­te noch Zeit zum An­hal­ten ge­habt. Es ge­be kei­nen An­halts­punkt, dass auf der Sei­te des Hof­gar­tens die Am­pel- an­la­ge nicht funk­tio­niert ha­ben soll, wenn die Po­li­zei­be­am­ten von der Bahn­hof­stra­ße ein­deu­tig das Rot­licht er­kannt ha­ben woll­ten.

„Al­les stützt sich al­lei­ne auf die Po­li­zei­be­am­ten. Es sind al­les nur Ver­mu­tun­gen und ich plä­die­re auf Frei­spruch“, sag­te Ver­tei­di­ge­rin Su­san­ne Wirth. Rich­ter Dor­ner sah dies hin­ge­gen an­ders: „Es be­steht kein Zwei­fel, dass Sie zu­min­dest bei Gelb­licht über die Glei­se ge­fah­ren sind. An­hal­ten hät­ten sie da noch kön­nen.“Dor­ner ver­ur­teil­te den An­ge­klag­ten zu ei­ner Stra­fe von 240 Eu­ro und ei­nem Mo­nat Fahr­ver­bot. Zu­dem muss er die Kos­ten des Ver­fah­rens tra­gen. Der An­ge­klag­te hat nun die Mög­lich­keit ge­gen das Ur­teil Re­vi­si­on oder Ein­spruch ein­zu­le­gen.

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