Wai­sen­haus soll bald ge­baut wer­den

Krau­chen­wie­ser un­ter­stüt­zen Kin­der und Ju­gend­li­che aus Doua­la/Ka­me­run

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KRAUCHENWIES/ SIGMARINGEN - Von Patrick Laabs

KRAU­CHEN­WIES - Die­se Ge­schich­te ist ei­gent­lich zu schön, um wahr zu sein. Rund 50 Wai­sen, be­hin­der­te und ar­me Kin­der, die der­zeit in ei­nem bau­fäl­li­gen Wai­sen­haus in der ka­me­ru­ni­schen Ha­fen­stadt Doua­la le­ben, ha­ben die Aus­sicht auf ein neu­es, ein an­de­res Le­ben. Für sie soll näm­lich ein neu­es Wai­sen­haus ge­baut wer­den – und das mit­hil­fe vie­ler Spen­der aus dem Land­kreis Sig­ma­rin­gen.

Noch nicht ein­mal ein Jahr ist es jetzt her, als Bob­by Lutz und sei­ne Frau Hel­ga Ko­schi­ne aus Krau­chen­wies be­gon­nen ha­ben, ge­mein­sam mit der Sig­ma­rin­ger Ca­ri­tas für die Kin­der und Ju­gend­li­chen Spen­den­gel­der zu sam­meln – und schon im Som­mer war so­viel Geld da, dass Das „ Wai­sen­haus neue Hoff­nung“in der ka­me­ru­ni­schen Stadt Doua­la wur­de im Jahr 2005 von ei­ner Grup­pe von Frau­en ge­grün­det. Es nimmt Wai­sen, ver­las­se­ne und mit­tel­lo­se Kin­der auf. Die Frau­en ver­su­chen, die Kin­der so­wohl kör­per­lich als auch psy­chisch auf­zu­bau­en. Ak­tu­ell le­ben in dem Wai­sen­haus 53 Kin­der. 15 Be­treu­er, Kö­che und Wä­scher sind rund um die Uhr für die Kin­der und Ju­gend­li­chen im Ein­satz. Das Wai­sen­haus er­hält kei­ner­lei Un­ter­stüt­zung vom Staat, ist al­so aus­schließ­lich auf das En­ga­ge­ment von Spen­dern an­ge­wie­sen. Bob­by Lutz und Hel­ga Ko­schi­ne un­ter­stüt­zen das Wai­sen­haus seit 2012. ( sz) das Lei­tungs­team des Wai­sen­hau­ses am Stadt­rand von Doua­la ein Grund­stück für rund 25 000 Eu­ro er­wer­ben konn­te. Die­ses Grund­stück ist 1000 Qua­drat­me­ter groß. „Es ist schon bru­tal, in welch kur­zer Zeit die Men­schen so­viel Geld für un­ser Pro­jekt ge­spen­det ha­ben“, sagt Bob­by Lutz.

Und da die Spen­den­be­reit­schaft un­ge­bro­chen ist, soll mit dem Bau des neu­en Wai­sen­hau­ses so schnell wie mög­lich be­gon­nen wer­den. „Wir wol­len mit dem Bau be­gin­nen, so­bald uns vor Ort ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung er­teilt wird“, sagt Lutz – und so­bald er frei­lich ein se­riö­ses An­ge­bot ei­nes Bau­un­ter­neh­mens und über­dies ver­läss­li­che An­sprech-

sagt Bob­by Lutz über die bei­den taub­stum­men Ju­gend­li­chen Ester und Lu­do­vic, die gro­ße Fort­schrit­te

ma­chen. Die taub­stum­me Ester ( rechts) fühlt sich im Wai­sen­haus wohl. Den­noch er­reicht sie bald das 19. Le­bens­jahr und muss aus­zie­hen. Sie will Fri­sö­rin wer­den und hat gu­te Chan­cen auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz. part­ner hat, die den Bau über­wa­chen kön­nen. Der­zeit ste­he er bei­spiels­wei­se mit Ver­ant­wort­li­chen des Ro­ta­ry Club Doua­la in Kon­takt, die ihm der Ro­ta­ry Club Sig­ma­rin­gen ver­mit­telt ha­be. Er rech­net mit Ge­samt­kos­ten von rund 75 000 Eu­ro, und sagt: Wir sind auf ei­nem gu­ten Weg.“Das neue Ge­bäu­de soll zwei­stö­ckig sein, ein ka­me­ru­ni­scher Ar­chi­tekt hat es be­reits ge­plant. Soll­te das Geld zu­nächst nicht für den gan­zen Bau aus­rei­chen, soll es ab­schnitts­wei­se er­rich­tet wer­den, sagt Lutz. Je­der Spen­der kann sich sym­bo­lisch mit ei­nem oder meh­re­ren Baustei­nen an dem Bau be­tei­li­gen und er­hält ei­ne ent­spre­chen­de, lie­be­voll ge­stal­te­te Ur­kun­de.

Wie groß die Vor­freu­de der Wai­sen­kin­der auf ihr neu­es Zu­hau­se ist, wann auch im­mer es be­zugs­fer­tig sein wird, lässt sich leicht aus­ma­len. Aber auch schon in den jet­zi­gen Räu­men blüht das Le­ben auf, was nicht zu­letzt an den Spen­dern aus Deutsch­land liegt. 500 Eu­ro flie­ßen je­den Mo­nat in das Wai­sen­haus. Von dem Geld or­ga­ni­sier­ten die Wai­sen­haus-Be­treue­rin­nen un­ter an­de­rem ein Fe­ri­en­pro­gramm für die Kin­der und Ju­gend­li­chen. Seit rund ei­nem Jahr gibt es auch au­ßer­schu­li­schen Mu­sik- und Thea­ter­un­ter­richt. Zu­letzt wur­de auch ein Impf­tag durch­ge­führt in­klu­si­ve ei­nes HIV-Tests. „Lei­der wur­de der Vi­rus bei ei­nem Kind fest­ge­stellt“, sagt Lutz.

Be­geis­tert ist Lutz, der be­reits ei­ni­ge Ma­le selbst im Wai­sen­haus vor Ort war und im Ja­nu­ar wie­der flie­gen wird, von den Ent­wick­lun­gen, die ge­ra­de die bei­den taub­stum­men Ester und Lu­do­vic neh­men. Ge­ra­de Lu­do­vic ha­be sich an­fangs im­mer ab­seits des Tru­bels auf­ge­hal­ten, mitt­ler­wei­le sei er mit­ten­drin. Und Ester muss sich all­mäh­lich mit dem Ge­dan­ken an­freun­den, sich au­ßer­halb des Wai­sen­hau­ses ein ei­ge­nes Le­ben auf­zu­bau­en. Sie wird bald 18 und will Fri­sö­rin wer­den. „Ein Prak­ti­kum hat sie be­reits ge­macht. Die Che­fin hat ihr gu­te Chan­cen ein­ge­räumt, ei­nen Aus­bil­dungs­platz zu be­kom­men“, sagt Lutz nicht oh­ne Stolz. „Schon al­lei­ne für die­se bei­den Men­schen lohnt sich un­ser En­ga­ge­ment“, sagt der Krau­chen­wie­ser, und er­gänzt: „Da be­kommt un­se­re Hil­fe Na­men und Ge­sich­ter.“

„Da be­kommt un­se­re

Hil­fe Na­men und Ge­sich­ter“,

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www. lu­ni­ta. net.

FOTOS: PRIVAT

Die Wai­sen­kin­der aus Doua­la be­dan­ken sich herz­lich bei ih­ren deut­schen Spen­dern.

Lu­do­vic ( Zwei­ter von rechts) ist wie Ester taub­stumm. Er hat sich mitt­ler­wei­le voll und ganz in die Grup­pe in­te­griert, wie auf die­sem Bild mit sei­nen Freun­den un­schwer zu er­ken­nen ist.

Auf die­sem Grund­stück soll das neue Zu­hau­se für rund 50 Wai­sen­kin­der ent­ste­hen. Die Lei­te­rin So­lan­ge freut sich be­reits auf den Tag, an dem die Bag­ger an­rol­len.

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