Pfar­rer freu­en sich trotz vol­ler Ka­len­der auf die Fei­er­ta­ge

Hans Wirk­ner und Mar­tinho Di­as Mér­to­la kom­men an Weih­nach­ten kaum zur Ru­he

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PFULLENDORF/ BAD SAULGAU - Von Se­bas­ti­an Korinth

PFULLENDORF - Der ei­ne ist evan­ge­lisch, der an­de­re ka­tho­lisch. Der ei­ne hat ei­ne Ehe­frau und vier Kin­der, die Fa­mi­lie des an­de­ren lebt in Por­tu­gal und Groß­bri­tan­ni­en. In der Weih­nachts­zeit ver­bin­det Hans Wirk­ner und Mart­h­in­ho Di­as Mér­to­la al­ler­dings nicht nur, dass sie Pfar­rer sind: Bei­de kom­men an­ge­sichts ih­res vol­len Ter­min­ka­len­ders kaum zum Durch­at­men. Kla­gen wol­len sie aber trotz­dem nicht. „Ich emp­fin­de es als Pri­vi­leg, Pfar­rer sein zu dür­fen“, sagt Wirk­ner. „Es ist ei­ne ar­beits­in­ten­si­ve, aber auch ei­ne schö­ne Zeit“, sagt Di­as Mér­to­la.

In der ka­tho­li­schen Seel­sor­ge­ein­heit Obe­rer Linz­gau ste­hen zwi­schen Hei­lig­abend und Drei­kö­nig 19 Got­tes­diens­te auf dem Pro­gramm. „Vor mir ste­hen acht Pre­dig­ten“, sagt Mar­tinho Di­as Mér­to­la. „Hin­zu kom­men bei­spiels­wei­se die Ruf­be­reit­schaft fürs Kran­ken­haus und die Al­ten­hei­me. Au­ßer­dem bin ich An­sprech­part­ner für die Be­stat­tungs­un­ter­neh­men.“

Vor al­lem Be­stat­tun­gen sind es zur­zeit, die Hans Wirk­ner noch auf das oh­ne­hin ho­he Ar­beits­pen­sum zur Weih­nachts­zeit drauf­le­gen muss. „Ich bin ge­ra­de mit vie­len Be­er­di­gun­gen be­schäf­tigt“, sagt er. Al­le Auf­ga­ben ge­wis­sen­haft zu er­fül­len, ge­he mo­men­tan nur auf Kos­ten der Fa­mi­lie – und mit Nacht­schich­ten. „Ich will aber auch nicht der ge­stress­te Pfar­rer sein, der kei­ne Zeit hat – son­dern je­mand, zu dem man sich auf die Bank setzt“, sagt Wirk­ner. „Das steht manch­mal in Span­nung mit der Rol­le als Fa­mi­li­en­va­ter, aber mei­ne Frau hat das­sel­be Pfar­rer­bild und un­se­re Kin­der sind bei vie­lem mit da­bei.“ Fa­mi­lie lebt weit ver­streut Kin­der hat Mar­tinho Di­as Mér­to­la zwar nicht, ei­ne Fa­mi­lie aber na­tür­lich schon: „Mei­ne Schwes­ter lebt in Groß­bri­tan­ni­en, mei­ne El­tern in Por­tu­gal“, sagt der Pfar­rer. Wei­te­re An­ge­hö­ri­ge woh­nen in Vil­lin­genSchwen­nin­gen. „Es ist scha­de, dass al­le so weit aus­ein­an­der lie­gen“, sagt Mar­tinho Di­as Mér­to­la. „Wir hat­ten im­mer ei­nen gu­ten Fa­mi­li­en­zu­sam­men­halt.“

Ein­sam ist der Pfar­rer an Weih­nach­ten trotz­dem nicht. Da­für sor­gen schon die vie­len Got­tes­diens­te in sei­nen Ge­mein­den, die mit vie­len Be­geg­nun­gen ver­bun­den sind. „Au­ßer­dem gibt es Ge­le­gen­heit da­zu, mit mei­ner Haus­häl­te­rin Wal­traud Frensch zu­sam­men­zu­sit­zen“, sagt Mar­tinho Di­as Mér­to­la. „Wir es­sen an Hei­lig­abend tra­di­tio­nell zu­sam­men Ge­mü­se­sup­pe.“ Pre­dig­ten kos­ten viel Zeit Rich­tig zur Ru­he kom­men die bei­den Pfar­rer wäh­rend der Weih­nachts­zeit kaum. „Ich ma­che wei­ter Be­su­che, bin ver­ant­wort­lich für die Ver­wal­tung, über­neh­me die Ver­tre­tung in Stockach und Ur­laubs­ver­tre­tung für Kol­le­gen“, sagt Hans Wirk­ner – und be­tont, dass er all das aber auch ger­ne ma­che. Viel Zeit nimmt au­ßer­dem die Vor­be­rei­tung der Got­tes­diens­te in An­spruch. „Die sol­len ja auch schön ge­stal­tet sein. Da­für sind zum Bei­spiel Ab­spra­chen mit den Chö­ren nö­tig“, sagt Mar­tinho Di­as Mér­to­la. „Und für die Pre­dig­ten muss man sich in Ru­he Zeit neh­men kön­nen, et­wa um Li­te­ra­tur zu stu­die­ren.“

Nach Weih­nach­ten be­rei­tet der ka­tho­li­sche Pfar­rer ein Gruß­wort für den Neu­jahrs­emp­fang vor, an­schlie­ßend steht schon die Fas­net vor der Tür. Und Hans Wirk­ner ist ge­dank­lich un­ter an­de­rem schon mit Weih­nach­ten 2016 be­schäf­tigt. „Wir fei­ern un­se­re Got­tes­diens­te, aber dann kommt nichts mehr“, sagt er. „Des­halb wol­len wir ei­ne Form fin­den, wie wir die Kir­che über die Got­tes­diens­te hin­aus öff­nen kön­nen – für die­je­ni­gen, die ein­sam sind, aber auch für die­je­ni­gen, die kei­ne Lust auf den gro­ßen Weih­nacht­stru­bel ha­ben.“

FOTOS: ARCHIV

Für die Pfar­rer Hans Wirk­ner ( links) und Mar­tinho Di­as Mér­to­la geht es in der Weih­nachts­zeit al­les an­de­re als ru­hig zu.

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