Ma­ri­en­sta­tue wan­dert bis heu­te von Haus zu Haus

Her­bergs­su­che als christ­li­cher Brauch – Ge­be­te und Ad­vents­lie­der

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PFULLENDORF/ BAD SAULGAU - Von Dirk Thann­hei­mer

BAD SAUL­GAU - Ges­tern hier, heu­te dort: Ei­ne Ma­ri­en­sta­tue wird wäh­rend der Ad­vents­zeit von Haus zu Haus, von Fa­mi­lie zu Fa­mi­lie ge­tra­gen und mit be­son­de­rer Lie­be und Ver­eh­rung be­her­bergt. Als Her­bergs­su­che wird in der christ­li­chen Tra­di­ti­on die­se ver­geb­li­che Su­che von Ma­ria und Jo­sef nach ei­ner Un­ter­kunft in Beth­le­hem vor der Ge­burt Je­su Christ be­zeich­net.

Die­ser Brauch in der Ad­vents­zeit soll an die schwe­re und ver­geb­li­che Her­bergs­su­che von Ma­ria und Jo­sef in Beth­le­hem er­in­nern. Jo­han­na Köb­le aus Bad Saul­gau wur­de christ­lich er­zo­gen und kennt die Her­bergs­su­che schon seit ih­rer Kind­heit. „Mei­ne El­tern pfleg­ten die­sen Brauch schon“, sagt die 90-Jäh­ri­ge, die zwei Ta­ge lang ei­ne ge­schnitz­te Ma­ri­en­sta­tue auf der Kom­mo­de in ih­rem Wohn­zim­mer auf­ge­stellt hat­te. Lis­te wird ge­führt Seit dem Be­ginn der Ad­vents­zeit war die Ma­don­na bei meh­re­ren Fa­mi­li­en in Bad Saul­gau und Mar­bach un­ter­ge­bracht. Bei der Über­ga­be von ei­ner Fa­mi­lie zur an­de­ren wer­den Ge­be­te ge­spro­chen oder Ad­vents­lie­der ge­sun­gen. „Das ent­schei­det je­der selbst“, sagt Ro­si Wi­cker aus Bad Saul­gau, die ei­ne Lis­te führt, wann ge­nau die Ma­ri­en­sta­tue ab­ge­holt und im nächs­ten Haus über­ge­ben wird. „Ich bin schon seit mehr als 30 Jah­ren da­bei“, sagt Wi­cker. Sie er­stellt die Lis­te, seit Jo­han­na Köb­le vor ein paar Jah­ren aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den die Pla­nun­gen für die Her­bergs­su­che auf­ge­ben muss­te.

Jo­han­na Köb­le weiß aber noch ge­nau, wie sie bei der Aus­wahl der Fa­mi­li­en, die die Mut­ter Got­tes be­her­ber­gen, dar­auf ge­ach­tet ha­be, „dass die Leu­te christ­lich sind und an Gott glau­ben“. „Sie soll­ten schon re­gel­mä­ßig zur Kir­che ge­hen“, er­gänzt Köb­le, die frü­her ih­re Nach­barn dar­um ge­be­ten hat­te, die Ma­ri­en­sta­tue zu be­her­ber­gen. „Mir hat ei­gent­lich nie­mand ab­ge­sagt“, sagt Jo­han­na Köb­le, de­ren Mann Erich über die Ent­ste­hung die­ses Brauchs nach­denkt. Of­fen­bar ha­be der da­ma­li­ge Ka­plan Max Grimm die­sen Brauch in Bad Saul­gau zum Le­ben er­weckt. Die Kir­chen­ge­mein­den for­cier­ten die­se Idee und fan­den Frei­wil­li­ge, die sich bei der Her­bergs­su­che be­tei­lig­ten. Ur­sprüng­lich soll­te die Her­bergs­su­che vom 16. bis 24. De­zem­ber ei­ne neun­tä­gi­ge And­acht sein. Schon im Jahr 1943 soll der Rot­ten­bur­ger Bi­schof Jo­han­nes Bap­tis­ta Sproll ei­ne bi­schöf­li­che Emp­feh­lung für die­sen Brauch ge­schrie­ben ha­ben.

Und in Bad Saul­gau soll der Brauch auch in Zu­kunft fort­ge­führt wer­den. Ro­si Wi­cker will die Grup­pe zu­sam­men­hal­ten, aber es ster­ben auch Men­schen oder zie­hen weg. Dann macht Wi­cker ge­nau das, was Jo­han­na Köb­le jah­re­lang ge­macht hat. „Ich fra­ge gu­te Be­kann­te, ob sie mit­ma­chen wol­len“, sagt Wi­cker. Der­weil wird der Brauch auch im Kin­der­gar­ten Don Bosco prak­ti­ziert. Jo­han­na Köbles Toch­ter Ul­ri­ke ist die Lei­te­rin des Kin­der­gar­tens und lässt die Ma­ri­en­sta­tue von ei­ner Er­zie­he­rin zur an­de­ren wan­dern. „Ich wün­sche mir sehr, dass es die­sen Brauch im­mer ge­ben wird“, er­gänzt Jo­han­na Köb­le.

FOTO: DIRK THANN­HEI­MER

Jo­han­na Köb­le be­her­bergt in ih­rem Haus die Ma­ri­en­sta­tue. Die Her­bergs­su­che ist ein al­ter Brauch.

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