Ei­ge­ne Par­ty als Al­ter­na­ti­ve zur Dis­co

Oh­ne Plan und Gäs­te­lis­te geht es nicht: Wenn Ju­gend­li­che zu Hau­se Sil­ves­ter fei­ern wol­len

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REPORT - Von Ma­rie Blö­cher (dpa)

il­ves­ter steht vor der Tür und da­mit auch die schwie­ri­ge Fra­ge: Was ma­che ich? Wer min­der­jäh­rig ist, für den wird die­se Fra­ge noch kom­pli­zier­ter. Denn das Ju­gend­schutz­ge­setz be­sagt: Wer un­ter 16 ist, darf oh­ne Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten kei­ne Dis­co be­su­chen, und ab 16 Jah­ren ist um Mit­ter­nacht Schluss. Au­ßer­dem gibt es Klubs, in die man un­ter 18 gar nicht erst her­ein­ge­las­sen wird. „Ne­ben den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen gilt die Pri­vat­au­to­no­mie der Wirt­schaft. So kön­nen Dis­co­the­ken­be­trei­ber zum Bei­spiel selbst be­stim­men, ab wel­chem Al­ter sie Ein­lass in ih­re Ein­rich­tung ge­wäh­ren“, er­klärt ein Spre­cher des Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend. Mit El­tern in Ru­he re­den Wer nicht ris­kie­ren will, Sil­ves­ter auf der Stra­ße zu ste­hen, braucht al­so ei­nen bes­se­ren Plan, als sich am Tür­ste­her vor­bei­zu­schmug­geln. Vie­le Ju­gend­zen­tren bie­ten ein Sil­ves­ter­Pro­gramm, sagt Da­na Ur­ban von der Bun­des­kon­fe­renz für Er­zie­hungs­be­ra­tung. Am bes­ten schaut man al­so erst mal, was in der Um­ge­bung los ist. Wenn nichts Pas­sen­des da­bei ist, schmeißt man zu Hau­se ein­fach sei­ne ei­ge­ne Par­ty. Meis­tens sind das aber auch die vier Wän­de der El­tern.

Ers­ter Schritt für ei­ne er­folg­rei­che Über­zeu­gungs­ar­beit ist der rich­ti­ge Zeit­punkt, sagt Ur­ban. „Am bes­ten war­tet man ei­nen ru­hi­gen Mo­ment ab, in dem die El­tern ent­spannt sind.“Hilf­reich ist es, den El­tern zu zei­gen, dass man sich selbst schon in­for­miert hat. Tak­tisch klug ist es au­ßer­dem, den El­tern et­was Be­denk­zeit zu las­sen, rät Ur­ban. Dann füh­len sie sich nicht un­ter Druck ge­setzt und ha­ben Zeit, sich die Bit­te in Ru­he durch den Kopf ge­hen zu las­sen.

Wer die El­tern über­zeugt hat, steht vor der nächs­ten Her­aus­for­de­rung: Wie stellt man ei­gent­lich die per­fek­te Sil­ves­ter­fei­er auf die Bei­ne? „Das kommt na­tür­lich auch auf die Freun­de an, die man ein­lädt“, sagt Ur­ban. Ob ein ge­müt­li­ches Es­sen und tra­di­tio­nel­les Bl­ei­gie­ßen, Par­ty­spie­le, ein Ka­rao­ke-Abend oder ein­fach Mu­sik um den gan­zen Abend durch­zu­tan­zen – bei der ei­ge­nen Fei­er kann man krea­tiv wer­den. Das geht am bes­ten, wenn man ge­mein­sam mit den Freun­den, die man ein­la­den möch­te, über­legt und plant.

Ei­ni­ge Din­ge muss der Gast­ge­ber in je­dem Fall or­ga­ni­sie­ren, er­klärt Eti­ket­te-Trai­ne­rin Su­san­ne Hel­bachGros­ser. „Ei­ne Gäs­te­lis­te ist Pflicht – man muss sich vor­her über­le­gen, wie vie­le Freun­de zu Hau­se Platz ha­ben.“Au­ßer­dem ist es wich­tig, den El­tern zu zei­gen, wen man ein­la­den möch­te – denn schließ­lich lädt man ja in de­ren vier Wän­de ein. Da­bei ist es rat­sam, ein paar mehr Gäs­te ein­zu­pla­nen, als man tat­säch­lich ein­lädt, sagt Hel­bach-Gros­ser. Denn manch­mal bringt der ein oder an­de­re Freund noch ei­nen wei­te­ren Gast mit. Auf­räu­men ge­hört auch da­zu Au­ßer­dem soll­te man sich recht­zei­tig Ge­dan­ken ma­chen, in wel­chen Räu­men die Par­ty statt­fin­det – und in wel­chen nicht. „Wer sich vor­her über­legt, wo die Freun­de sich auf­hal­ten dür­fen, hat es leich­ter, sei­ne Re­geln bei der Par­ty durch­zu­set­zen“, sagt Hel­bach-Gros­ser. Ar­beits­zim­mer, El­tern­schlaf­zim­mer und Wein­kel­ler sind Be­rei­che, die ta­bu sein soll­ten. Ist der Par­ty-Be­reich fest­ge­legt, soll­ten Ju­gend­li­che Wert­ge­gen­stän­de weg­räu­men, denn es kann im­mer mal et­was zu Bruch ge­hen.

Wer merkt, dass sich ein Gast da­ne­ben be­nimmt oder die Fei­er aus dem Ru­der läuft, soll­te den El­tern oder ei­nem an­de­ren Er­wach­se­nen Be­scheid sa­gen. „Für Ju­gend­li­che ist es häu­fig un­ge­wohnt, vor den Freun­den Re­geln durch­zu­set­zen“, sagt Hel­bach-Gros­ser.

Was der Gast­ge­ber auch im Hin­ter­kopf be­hal­ten soll­te: Zu je­der Par­ty ge­hört auch ein nächs­ter Mor­gen. Wer sich mit den Freun­den zum Auf­räu­men ver­ab­re­det, kann den Abend ent­spann­ter ge­nie­ßen, rät Ur­ban.

FOTO: DPA

Wol­len Ju­gend­li­che nicht ris­kie­ren, Sil­ves­ter vor ei­nem Klub statt drin zu ver­brin­gen, ist die ei­ge­ne Par­ty ei­ne Al­ter­na­ti­ve.

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